Philipp Furler, CEO und Co-Founder Synhelion, im Interview

Philipp Furler

Philipp Furler ist Mitgründer und Co-CEO von Synhelion. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Furler, SWISS wird ab nächstem Jahr jährlich mindestens 200 Tonnen Solar-Kerosin von Synhelion beziehen. Was bedeutet die Vereinbarung mit SWISS, die auch Investorin ist, für Ihr Unternehmen?

Philipp Furler: Die Vereinbarung mit SWISS ist ein bedeutender Meilenstein auf unserem Weg zur Kommerzialisierung von nachhaltigen Treibstoffen. Als erste Airline, die unser erneuerbares Kerosin bezieht, und als strategische Investorin unterstützt uns SWISS nicht nur technologisch, sondern auch in der Markteinführung. Diese Partnerschaft demonstriert Vertrauen in unsere Technologie und zeigt, dass unsere Treibstoffe bereit sind für den Einsatz in der Luftfahrt.

Wie wichtig sind solche Partnerschaften mit Abnehmern für die Skalierung – auch im Hinblick auf Investoren und Finanzierung?

Langfristige Abnahmeverträge mit Pionierkunden wie SWISS sind zentral für uns. Sie schaffen Planungssicherheit, ermöglichen Investitionen in kommerzielle Produktionsanlagen und sind ein starkes Signal an weitere Investoren und politische Entscheidungsträger. Sie beschleunigen die Skalierung und helfen, die Kosten für nachhaltige Treibstoffe zu senken.

Wie kam die Zusammenarbeit mit SWISS zustande – und was umfasst sie konkret?

Die Zusammenarbeit mit SWISS entwickelte sich über mehrere Jahre: 2019 fanden die ersten Gespräche statt, 2020 startete dann die offizielle Partnerschaft, 2022 wurde SWISS Investorin und 2025 haben wir gemeinsam einen langfristigen Abnahmevertrag über jährlich mindestens 200 Tonnen Treibstoff mit SWISS und Lufthansa unterzeichnet. SWISS ist die weltweit erste Airline, welche mit unserem Kerosin fliegen wird. SWISS unterstützt uns strategisch und operativ bei der Markteinführung. Mit der ersten Lieferung im vergangenen Jahr konnten wir gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion über die Raffination bis hin zur Betankung – erfolgreich demonstrieren.

«Es braucht Pioniere wie SWISS, damit künftig grosse Mengen erneuerbarer Treibstoffe produziert werden können und somit die CO2-Emissionen im Verkehrssektor signifikant reduziert werden können.»
Philipp Furler, CEO und Co-Founder Synhelion

Der Treibstoff wird über die reguläre Logistikkette an einen Flughafen geliefert und dort in das Treibstoffversorgungssystem eingespeist. Für sich alleine – welche Distanz lässt sich mit 200 Tonnen Solartreibstoff zurücklegen?

Das Engagement der SWISS ist als Pionierleistung anzusehen, um die Skalierung der erneuerbaren synthetischen Treibstoffe voranzutreiben. Es braucht Pioniere wie SWISS, damit künftig grosse Mengen erneuerbarer Treibstoffe produziert werden können und somit die CO2-Emissionen im Verkehrssektor signifikant reduziert werden können. Dieser erste Treibstoff-Abnahmevertrag zwischen der SWISS und Synhelion stellt somit einen wichtigen Schritt in Richtung Umsetzung der Energiewende dar.

Können Sie uns den Herstellungsprozess des solaren Flugtreibstoffs in wenigen Schritten erklären?

In unseren Anlagen wird erneuerbare Energie in Hochtemperatur-Prozesswärme umgewandelt. Diese treibt eine thermochemische Reaktion an, bei der zertifiziertes Biomethan, CO₂ und Wasser in Synthesegas umgewandelt werden. Dieses wird dann in einem standardisierten Verfahren zuerst verflüssigt und dann in einer konventionellen Raffinerie zu Kerosin, Benzin und Diesel veredelt. Dank eines integrierten thermischen Energiespeichers kann rund um die Uhr produziert werden.

Die Luftfahrt gilt als schwer zu dekarbonisieren. Welche Rolle kann nachhaltiger Flugtreibstoff wie derjenige von Synhelion realistisch spielen?

Die Nutzung von nachhaltigen Flugtreibstoffen oder Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF, bietet für nachhaltigeres Fliegen mit Abstand den grössten Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen und ist somit essenziell für die Energiewende in der Luftfahrt. Der grosse Vorteil dabei ist, dass SAF in den heutigen Flugzeugen eingesetzt und über die bestehende Infrastruktur genutzt werden kann. Die Technologie von Synhelion hat das Potenzial, den Bedarf der gesamten Luftfahrt mit erneuerbarem Flugtreibstoff abzudecken.

«Die Nutzung von nachhaltigen Flugtreibstoffen oder Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF, bietet für nachhaltigeres Fliegen mit Abstand den grössten Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen.»

Wie sieht der Zeithorizont aus, bis solarer Flugtreibstoff in relevanten Mengen für den Luftverkehr verfügbar ist?

Bis 2030 werden wir unsere Technologie in eigenen kommerziellen Anlagen auf die volle Grösse skalieren. Danach verfolgen wir ein Lizenzmodell und stellen unsere Technologie führenden Energieunternehmen weltweit zur Verfügung, um ein exponentielles Wachstum der Produktionsmenge zu ermöglichen.

Neben Solarkerosin fallen bei der Herstellung rund 30 Prozent Diesel und Benzin an. Wie wichtig sind diese Nebenprodukte für die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage?

Die Produktion von erneuerbarem Diesel und Benzin neben Kerosin ermöglicht es uns, mehrere Verkehrssektoren gleichzeitig zu bedienen – von der Luftfahrt über den Strassenverkehr bis hin zur Schifffahrt. Das erhöht die Ressourceneffizienz unserer Anlagen und stärkt die wirtschaftliche Tragfähigkeit durch eine breitere Kundenbasis und zusätzliche Absatzmärkte.

Sie sprechen von Abnehmern wie dem Flughafen Zürich, SGV, Bergbahnen Lenzerheide oder AMAG. Sehen Sie in dieser breiten Abnehmerstruktur ein dauerhaftes Geschäftsmodell jenseits der Luftfahrt?

Unsere Treibstoffe sind überall dort einsetzbar, wo bisher fossile Treibstoffe verwendet wurden – und zwar ohne Anpassung der Motoren und der Infrastruktur. Die breite Abnehmerstruktur zeigt, dass unsere Lösung für viele Verkehrssektoren attraktiv ist. Unsere Treibstoffe sind eine wirtschaftliche Antwort auf die Klimakrise im Verkehr.

«Unsere Treibstoffe sind überall dort einsetzbar, wo bisher fossile Treibstoffe verwendet wurden – und zwar ohne Anpassung der Motoren und der Infrastruktur.»

Synhelion betreibt eine erste Versuchsanlage mit Namen DAWN in Jülich (D), die nun ausgebaut werden soll. Wie hoch sind die Investitionen pro Anlage?

Der Investitionsbedarf variiert nach Standort und Anlagengrösse. Grundsätzlich streben wir möglichst grosse Anlagen an um die Herstellungskosten langfristig auf unter 1 CHF/L zu senken. Für die Skalierung auf die volle Grösse bis 2030 benötigen wir Investitionen von mehreren hundert Millionen – vergleichbar mit anderen Energieinfrastrukturprojekten dieser Grössenordnung.

Die industrielle Solarbrennstoffanlage DAWN von Synhelion. (Foto: Synhelion)

Wie sehen die weiteren Expansionspläne aus?

Wir bereiten aktuell den globalen Rollout unserer Technologie vor. In einer ersten Phase bauen und betreiben wir eigene kommerzielle Anlagen, um unsere Technologie weiter zu skalieren und zu industrialisieren. Anschliessend werden wir unsere Technologie weltweit im Lizenzmodell ausrollen – gemeinsam mit führenden Partnern in der Energie- und Transportindustrie.

Ab welcher Produktionsmenge ist das Modell wirtschaftlich tragfähig?

Unser Ziel sind langfristige Produktionskosten von unter 1 Franken pro Liter, um eine echte Alternative zu fossilen Treibstoffen anzubieten. Dieses Ziel erreichen wir bei grossindustrieller Skalierung.

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