Stephan Haferl, CEO Comet, im Interview

Stephan Haferl

Comet-CEO Stephan Haferl. (Foto: zvg)

Der KI-Boom und die steigenden Investitionen in Rechenzentren bescheren dem Freiburger Technologiekonzern Comet einen kräftigen Wachstumsschub. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um über 50 Prozent, der Auftragseingang hat sich nahezu verdreifacht. CEO Stephan Haferl sieht darin mehr als einen kurzfristigen Aufschwung: Die zunehmende Komplexität der Halbleiterfertigung eröffnet Comet langfristige Wachstumschancen. Im Interview spricht er über die steigende Nachfrage nach Plasma- und Röntgentechnologien, Marktanteilsgewinne, das Potenzial neuer Produkte wie Synertia und CA20 sowie den Ausbau der Produktionskapazitäten in Malaysia. Auch die geopolitischen Risiken der Halbleiterindustrie kommen zur Sprache.

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Haferl, Comet hat im dritten Quartal den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um über 50 Prozent gesteigert, der Auftragseingang hat sich sogar nahezu verdreifacht. Hat Sie die Dynamik dieses Aufschwungs selbst überrascht?

Die Dynamik hat selbst unsere Erwartungen übertroffen. Wir sehen eine deutlich stärkere Nachfrage über alle drei Divisionen hinweg. Getrieben wird dies insbesondere durch Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenzentren, zunehmend aber auch durch eine breitere Erholung in den Halbleitermärkten.

Stephan Hafel: Der Boom rund um künstliche Intelligenz und den Ausbau von Rechenzentren sorgt für eine stark steigende Nachfrage nach Halbleitern. Können Sie uns erläutern, wie Comet konkret von dieser Entwicklung profitiert und welche Technologien dabei besonders gefragt sind?

KI-Anwendungen und Rechenzentren benötigen enorme Rechen- und Speicherkapazitäten. Das treibt Investitionen in moderne Logik- und Speicherchips und damit den Bedarf an Produktionsanlagen. Comet profitiert dabei entlang mehrerer Technologiebereiche: Unsere Plasma-Control-Technologien sind in zentralen Prozessschritten der Chipfertigung im Einsatz. Gleichzeitig steigt mit der wachsenden Komplexität von Advanced Packaging – also der Kombination mehrerer Mikrochips in einem Gehäuse – die Nachfrage nach hochauflösender Röntgeninspektion. Besonders gefragt sind derzeit unsere weltweit führenden Vakuumkondensatoren und Matching-Netzwerke. Zusätzlich gewinnen neue Plattformen wie der Hochfrequenzgenerator Synertia und das Röntgensystem CA20 an Bedeutung.

«Besonders gefragt sind derzeit unsere weltweit führenden Vakuumkondensatoren und Matching-Netzwerke.»
Stephan Haferl, CEO Comet

Die Halbleiterindustrie ist traditionell starken konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Unterscheidet sich der aktuelle, durch KI getriebene Aufschwung von früheren Wachstumszyklen?

Ja. Zwar bleibt die Halbleiterindustrie grundsätzlich zyklisch, doch der aktuelle Aufschwung ist struktureller Natur. Die Investitionen werden nicht nur von einem einzelnen Technologietrend getragen, sondern von einem langfristigen Ausbau der KI- und Datenzentrums-Infrastruktur. Hinzu kommt, dass heute alle grossen Speicher- und Logiksegmente von der Entwicklung profitieren. Deshalb sehen wir die Voraussetzungen für ein weiterhin attraktives Marktumfeld in den kommenden Quartalen als grundsätzlich intakt an.

Der Auftragseingang erreichte im dritten Quartal 275,6 Millionen Franken, und ein erheblicher Teil des Auftragsbestands reicht bereits ins Jahr 2027. Wie weit reicht Ihre Visibilität hinsichtlich der Nachfrage?

Die Visibilität ist derzeit gut. Unsere aktuelle Umsatzprognose ist bereits durch bestehende Aufträge gut abgesichert, und ein bedeutender Teil unseres Auftragsbestands reicht bis ins Jahr 2027 hinein. Gleichzeitig beobachten wir eine starke Investitionstätigkeit unserer Kunden. Auch wenn wir die grundsätzlich zyklische Natur der Branche nicht ausblenden, sehen wir aktuell keine Anzeichen für eine kurzfristige Abschwächung der Nachfrage.

«Auch wenn wir die grundsätzlich zyklische Natur der Branche nicht ausblenden, sehen wir aktuell keine Anzeichen für eine kurzfristige Abschwächung der Nachfrage.»

Comet nimmt mit seinen Plasma- und Röntgentechnologien in verschiedenen Märkten führende Positionen ein. Was sind die entscheidenden Wettbewerbsvorteile, mit denen sich Comet gegenüber internationalen Konkurrenten behauptet?

Unser wichtigster Wettbewerbsvorteil ist die Kombination aus technologischer Innovationskraft, hoher Produktleistung und langjährigen Kundenbeziehungen. In der Division Plasma Control Technologies verfügen wir über eine starke Position bei Vakuumkondensatoren und Matching-Netzwerken. Gleichzeitig erweitern wir unser Angebot mit der Produktfamilie Synertia um Generatoren und intelligente Prozessregelung. In den beiden Röntgendivisionen profitieren wir von unserer führenden Position bei Röntgenröhren und in der Bildgebungstechnologie sowie von Softwarelösungen wie Dragonfly, die verschiedene Datenquellen mit KI-gestützten Analysen kombinieren können.

Sie haben im Zusammenhang mit den Quartalszahlen ausdrücklich auf Marktanteilsgewinne durch neue Produkte hingewiesen. In welchen Bereichen konnten Sie Ihre Position besonders stärken?

Besonders positive Entwicklungen sehen wir bei Vakuumkondensatoren, wo wir zuletzt Marktanteile gewinnen konnten. Auch bei Matching-Netzwerken ergeben sich zusätzliche Chancen bei grossen Kunden in der Halbleiterindustrie. Darüber hinaus gewinnt die Synertia-Plattform zunehmend an Dynamik und eröffnet neue Möglichkeiten, den Wertschöpfungsanteil pro Prozesskammer zu erhöhen.

Die Anforderungen an die Halbleiterfertigung steigen mit jeder neuen Chipgeneration. Welche technologischen Entwicklungen stellen Ihre Kunden derzeit vor die grössten Herausforderungen, und welche Chancen ergeben sich daraus für Comet?

Mit jeder neuen Chipgeneration steigen die Anforderungen deutlich, sowohl im Front-End – der eigentlichen Chipfabrikation – als auch im Back-End – den Produktionsschritten nach der Chipherstellung. Im Front-End treiben kleinere Strukturen, 3D-Architekturen und neue Materialien die Komplexität, während im Back-End Advanced Packaging, Chiplet-Architekturen und Hybridbonding neue Herausforderungen für Qualitätssicherung und Ausbeute schaffen. Für Comet ergibt sich daraus eine attraktive Chance: Je komplexer die Bauteile und Verbindungen werden, desto wichtiger werden unsere Technologien für Plasmakontrolle und Röntgeninspektion, um die Produktionsausbeute zu verbessern.

«Mit jeder neuen Chipgeneration steigen die Anforderungen deutlich, sowohl im Front-End – der eigentlichen Chipfabrikation – als auch im Back-End – den Produktionsschritten nach der Chipherstellung.»

Comet investiert seit Jahren gezielt in Forschung und Entwicklung. Wie hoch ist der Stellenwert dieser Investitionen für die Wachstumsstrategie?

Forschung und Entwicklung sind zentrale Pfeiler unserer Wachstumsstrategie. Unsere Marktposition basiert darauf, technologische Herausforderungen frühzeitig zu adressieren und neue Lösungen zur Marktreife zu bringen. Produkte wie Synertia, die CA20-Plattform oder Dragonfly sind direkte Ergebnisse dieser langfristigen Investitionen und schaffen die Grundlage für zukünftiges Wachstum und Marktanteilsgewinne.

Sie haben Synertia angesprochen. Mit der Plattform hat Comet eine neue Generation der Plasmaregelung entwickelt. Was zeichnet diese Technologie aus, und wie gross schätzen Sie ihr zusätzliches Markt- und Umsatzpotenzial ein?

Synertia verbindet Generator und Matching-Netzwerk zu einer integrierten, intelligent gesteuerten Lösung für die Plasmakontrolle. Dadurch lassen sich Prozesse präziser regeln und stabiler betreiben. Die Kundenqualifikationen verlaufen erfreulich, und wir sehen eine starke Projekt-Pipeline. Kurzfristig bleibt das Umsatzpotenzial im Vergleich zum bestehenden Kerngeschäft noch begrenzt, mittelfristig bietet Synertia jedoch erhebliches Wachstumspotenzial und die Möglichkeit, unseren Wertschöpfungsanteil pro Anlage deutlich zu steigern.

Auch die Röntgentechnologie gewinnt an Bedeutung, beispielsweise bei der Qualitätskontrolle von Halbleitern und Batterien. Welche Fortschritte machen Sie mit der CA20-Plattform für Advanced Packaging, und welche neuen Geschäftsmöglichkeiten eröffnen sich dadurch?

CA20 hat den Übergang von der Entwicklungs- in die Kommerzialisierungsphase erfolgreich geschafft. Mit mehreren Kunden weltweit, wiederkehrenden Aufträgen und einer starken Projektpipeline sehen wir eine positive Marktdynamik. Während erste Systeme bereits in der Produktion eingesetzt werden, befinden sich viele Projekte noch in der Qualifikation bei Kunden. Parallel erweitern wir unser Systemportfolio mit massgeschneiderten Systemen für weitere spezifische Anwendungen und eröffnen damit zusätzliche Wachstumschancen im Advanced Packaging, der Glas-Panel-Inspektion und weiteren High-End-Inspektionsanwendungen.

Die Entwicklung neuer Technologien ist aufwendig und mit beträchtlichen Investitionen verbunden. Wie lange dauert es typischerweise von der Entwicklung einer neuen Lösung bis zu ihrem kommerziellen Erfolg?

In der Halbleiterindustrie sind die Entwicklungs- und Qualifizierungszyklen lang. Zwischen einer ersten Qualifikation und einem signifikanten Umsatzbeitrag können mehrere Jahre liegen. Bei Generatoren beginnt die Qualifikation teilweise zweieinhalb Jahre vor dem Einsatz in der Serienproduktion. Entscheidend sind daher ein langfristiger Investitionshorizont und die enge Zusammenarbeit mit den Kunden während der Entwicklungsphase.

Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, baut Comet seine Produktionskapazitäten aus. Welche strategische Bedeutung hat dabei der neue Standort in Penang in Malaysia, und wann erwarten Sie, dass dieser seine volle Leistungsfähigkeit erreicht?

Penang ist ein zentrales Element unserer Wachstumsstrategie. Der Standort schafft zusätzliche Kapazitäten, erhöht die Resilienz der Lieferkette und bringt Produktion sowie Engineering näher an unsere asiatischen Kunden. Der Umzug in das neue Gebäude soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Für 2028 streben wir eine Produktionsleistung an, die jener des Standorts Flamatt entspricht. Darüber hinaus bietet das Gelände erhebliches Erweiterungspotenzial für weiteres Wachstum.

«Geopolitik ist derzeit die grösste externe Unsicherheit für die gesamte Branche. Unsere Antwort darauf ist eine konsequente Ausrichtung auf regionale – vor allem asiatische – Märkte, beispielsweise mit dem Ausbau lokaler Produktions- und Engineering-Kapazitäten.»

Die Halbleiterindustrie steht zunehmend im Zentrum geopolitischer Spannungen, insbesondere zwischen den USA und China. Welche Auswirkungen haben Handelsbeschränkungen und die Regionalisierung der Lieferketten auf Comet, und wie reagieren Sie strategisch darauf?

Geopolitik ist derzeit die grösste externe Unsicherheit für die gesamte Branche. Unsere Antwort darauf ist eine konsequente Ausrichtung auf regionale – vor allem asiatische – Märkte, beispielsweise mit dem Ausbau lokaler Produktions- und Engineering-Kapazitäten. Gleichzeitig stärken wir unsere Präsenz in anderen Regionen. Wo möglich entwickeln wir neue Produkte so, dass wir regulatorische Risiken vermeiden oder zumindest reduzieren können. Ziel ist es, nahe bei den Kunden zu bleiben und unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber geopolitischen Veränderungen zu erhöhen.

Exit mobile version