Schweizer Medien verabschieden einen Verhaltenskodex zu KI

Andrea Masüger, Präsident des Verlegerverbands Schweizer Medien (VSM). (Foto: VSM)

Luzern – Die Schweizer Medienbranche hat einen Verhaltenskodex für den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz verabschiedet. Dieses Instrument, das auf einer Konvention des Europarats basiert, soll das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Technologie stärken.

«Vertrauen ist das wertvollste Gut der Medien», lässt sich Andrea Masüger, der Präsident des Verlegerverbands Schweizer Medien (VSM), in einer Medienmitteilung zitieren. Am Donnerstag ist am Rand des Swiss Media Forums in Luzern ein Verhaltenskodex für den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz vorgestellt worden. Er wird auch von den Verlegerverbänden der Westschweiz (Médias Suisses) und der italienischsprachigen Schweiz (Stampa Svizzera), den privaten Radio- und Fernsehsendern, der SRG sowie der Nachrichtenagentur Keystone-SDA unterstützt.

Der Presserat, der sich ebenfalls mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit KI auseinandersetzt, begrüsst die Initiative, wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Transparenz und Kennzeichnung
Da mehrere Studien in der Vergangenheit das Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber KI-generierten Inhalten belegt haben, soll der Verhaltenskodex als Instrument der Selbstregulierung dienen. Er stützt sich auf die Rahmenkonvention des Europarats über KI und Menschenrechte. Für die Schweiz hat diese Konvention Ende März 2025 in Strassburg Medienminister Albert Rösti unterzeichnet.

Der Kodex halte fest, dass Medienunternehmen und ihre Mitarbeitenden für die veröffentlichten redaktionellen Inhalte verantwortlich blieben, heisst es in der Mitteilung, unabhängig davon, ob diese von Menschen oder mit Hilfe von KI erstellt worden sind.

Die Medien verpflichten sich mit der Unterzeichnung des Papiers, ihr Personal in KI-Fragen zu schulen und das Urheberrecht zu wahren. Zum Schutz der demokratischen Prozesse müssen sie Massnahmen ergreifen, um die Verbreitung von Falschinformationen zu verhindern. Sie müssen für den Datenschutz sorgen und die Öffentlichkeit transparent über den Einsatz von KI informieren, beispielsweise über eine eigene Seite auf ihrer Website. Zudem schreibt der Verhaltenskodex verbindliche Kennzeichnungspflichten vor.

«All dies stärkt das Vertrauen in den Kommunikationsmarkt», fasst Hanspeter Kellermüller, CEO von Keystone-SDA, zusammen. «Mit diesem Verhaltenskodex schaffen wir eine gemeinsame Grundlage, um sicherzustellen, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz transparent und nachvollziehbar bleibt», ergänzt SRG-Generaldirektorin Susanne Wille in der Mitteilung.

Ombudsmann und Zertifizierung
Um die Umsetzung zu gewährleisten, sieht der Verhaltenskodex einen zweistufigen Melde- und Kontrollmechanismus vor. Personen, die Fragen stellen oder eine Beschwerde einreichen möchten, können sich an die zuständigen Stellen innerhalb der Unternehmen wenden. Eine unabhängige Ombudsstelle für KI wird in zweiter Instanz in schwerwiegenden Fällen oder bei Fällen tätig, die nicht gütlich beigelegt werden konnten.

Die Ombudsstelle wird jährlich einen Bericht veröffentlichen. Zudem hat das Werbemedienforschungsinstitut (WEMF) eine neue Zertifizierung im Bereich KI sowie ein Qualitätslabel entwickelt, das allen Schweizer Medien zur Verfügung stehen wird.

Die gesetzlichen Anpassungen in der Schweiz zur Umsetzung der Konvention des Europarats sollen bis Ende 2026 vorliegen. Der Schweizer Kodex ist das weltweit erste rechtsverbindliche Instrument im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Er soll dazu beitragen, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der die Innovationen fördert und gleichzeitig den Schutz der Grundrechte gewährleistet. (awp/mc/ps)

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