Twitter verteidigt Nicht-Sperre von Rechtspopulist Alex Jones

Jack Dorsey

Twitter-Konzernchef Jack Dorsey.

San Francisco – Twitter-Chef Jack Dorsey hat die Haltung des Kurznachrichtendienstes im Fall des US-Verschwörungstheoretikers Alex Jones verteidigt. «Wir haben Alex Jones oder Infowars gestern nicht gesperrt. Wir wissen, dass das für viele hart ist, aber der Grund ist einfach: er hat unsere Regeln nicht verletzt», schrieb er am Mittwoch auf Twitter. Sollte er das tun, würde man gegen ihn vorgehen. Der Rechtspopulist Jones hat auf Twitter mehr als 860 000 Follower.

Twitter steht wegen seines Alleingangs zunehmend unter Druck. So hatten alle anderen wichtigen Online-Plattformen Jones umstrittenen Botschaften zuletzt ganz oder teilweise aus ihrem Angebot genommen. Nachdem Apple und Spotify dessen «Infowars»-Podcasts löschten, entfernte auch Facebook vier seiner Seiten. «Apple duldet keine Hassrede», hiess es bei dem US-Konzern. Facebook nannte die Verherrlichung von Gewalt als einen Grund. Zudem nutze Jones eine entmenschlichende Sprache, um Transgender, Muslime und Immigranten zu beschreiben. Auch der Alex-Jones-Channel auf YouTube mit mehr als 2,4 Millionen Abonnenten ist nicht mehr aufzurufen.

Jones beklagt «Zensur»
«Wir wurden von Facebook, Spotify und Apple komplett verbannt», erklärte Jones am Montag auf Twitter und schrieb von «Zensur». Der Journalist aus Texas hatte in der Vergangenheit unter anderem verbreitet, dass die US-Regierung an den Anschlägen am 11. September 2001 in New York beteiligt gewesen sei. Auch behauptete er, dass der Amoklauf an der Sandy Hook High School von Schauspielern inszeniert worden oder dass der Klimawandel ein Mythos sei.

Gleicher Standard für alle Nutzer
Twitter-Chef Dorsey sah sich nun wohl gezwungen, ein Statement abzugeben: «Wir waren in der Vergangenheit sehr schlecht darin, unsere Entscheidungen zu erklären.» Und weiter: «Jones wird mit denselben Standards gemessen, wie alle anderen Nutzer.» Es werde keine «On-Off-Entscheidungen» geben, «damit wir uns kurzfristig gut fühlen, die aber neue Verschwörungstheorien entfachen.»

Dorsey sagte, man wolle nicht dem Druck erliegen, sondern den eigenen Prinzipien treu bleiben. «Accounts wie der von Jones können oft Themen aufbauschen und Gerüchte streuen», somit sei es wichtig, dass kritische Journalisten solche Informationen dokumentierten, verifizierten und widerlegten, damit sich die Leute ihre eigene Meinung bilden. «Das hilft der öffentlichen Diskussion am besten.» (awp/mc/pg)

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