EU-Schluss: Anleger scheuen politische Risiken

Boerse

London – Europas Börsen haben nach einem freundlichen Wochenausklang am Montag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Analyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets UK sah steigende politische Risiken sowie die anhaltende Unsicherheit im italienischen Bankensektor als Belastung. Von der lustlosen Wall Street kamen ebenfalls keine positiven Impulse für die europäischen Kurse.

Der EuroStoxx 50 kämpfte sich nach einem schwachen Start zwar ins Plus, konnte seine Gewinne aber nicht lange halten: Zum Schluss büsste der Leitindex der Eurozone 1,06 Prozent auf 3238,31 Punkte ein und blieb damit nur wenig über seinem Ende Januar erreichten Jahrestief. Am Freitag hatte das Börsenbarometer noch von einem guten US-Arbeitsmarktbericht profitiert.

Ähnlich wie dem EuroStoxx 50 erging es zum Wochenstart den anderen Indizes: Der französische CAC-40 verabschiedete sich 0,98 Prozent schwächer bei 4778,08 Zählern, und auch in Mailand und Madrid sanken die Notierungen deutlich. Derweil verlor der britische FTSE 100 lediglich 0,22 Prozent auf 7172,15 Punkte – ihm halfen deutliche Gewinne bei einigen Bergbautiteln.

Experte Hewson begründete die Vorsicht der Anleger mit einer Rede der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen. Die Vorsitzende des rechtsextremistischen Front National hatte am Wochenende den Wahlkampf mit einer radikalen Rede gestartet und den Austritt Frankreichs aus der Eurozone gefordert. Dazu kämen die rückläufigen Umfragewerte der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vor der Bundestagswahl und Sorgen wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump.

Auch das Vertrauen der Anleger in Italiens Banken bleibe schwach, nachdem der nationale Branchenprimus Unicredit seine Kapitalerhöhung gestartet habe, betonte Hewson. Man könne sich nur wundern, wie lange die Anleger noch bereit seien, für ein Problem Geld hinauszuwerfen, das offensichtlich ein Fass ohne Boden sei.

Die Unicredit-Aktien gehörten mit einem Minus von fast 7 Prozent zu den grössten Verlierern am europäischen Aktienmarkt. Die schlechte Branchenstimmung zog auch Konkurrenten-Titel in Mitleidenschaft: Die Papiere des heimischen Wettbewerbers Intesa Sanpaolo und der französischen Societe Generale büssten jeweils fast zweieinhalb Prozent ein. Entsprechend schlecht schnitt der anfangs freundliche Bankenindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 mit minus 1,28 Prozent ab.

Schwächer war nur der Index der Autobauer und -zulieferer, der um 1,42 Prozent nachgab – er litt unter einer negativen Branchenstudie der UIS-Investmentbank Merrill Lynch. Einziger Gewinner in der Übersicht war hingegen der Index der Pharmaunternehmen, der ein Kursplus von 0,21 Prozent schaffte – die Branche gilt in einem schwachen Marktumfeld als vergleichsweise widerstandsfähig.

Als zweitbeste Branche schälten sich die Bergbauunternehmen heraus, deren Index nur 0,14 Prozent verlor. Für Randgold Resources ging es an der Spitze des FTSE 100 um über 4 Prozent hoch, nachdem der auf das Goldschürfen in Afrika spezialisierte Konzern über einen deutlich gestiegenen Quartalsgewinn berichtet hatte. Auch die Dividende hob Randgold deutlich an. Aktien des Konkurrenten Fresnillo zogen um mehr als 1 Prozent an.

Für die Anteilsscheine von Ryanair ging es dagegen in Dublin um fast 4 Prozent bergab. Die irische Billigfluglinie wird nach einem Gewinnrückgang im vergangenen Quartal auch beim Blick nach vorne vorsichtig. Das Management fürchtet einen anhaltenden Preisdruck und unvorhergesehene Ereignisse wie Terroranschläge, die das Buchungsverhalten beeinflussen könnten. (awp/mc/upd/ps)

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