EU-Schluss: ESTX50 verliert 1,1% auf 3’469 Punkte

Boerse

London – Europas wichtigste Aktienmärkte sind aufgrund einer erneuten Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China am Donnerstag in die Knie gegangen. Der EuroStoxx 50 verlor 1,14 Prozent auf 3469,21 Punkte. Für den französischen Cac 40 ging es um 0,68 Prozent auf 5460,98 Punkte abwärts.

Der Londoner FTSE 100 fiel um 1,01 Prozent auf 7575,93 Zähler. Die britische Notenbank hatte erwartungsgemäss ihre Geldpolitik gestrafft. Wie die Bank of England am Donnerstag mitteilte, steigt der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Dies ist das höchste Zinsniveau seit dem Jahr 2009, als die damalige Finanzkrise auf die Gesamtwirtschaft übergriff und eine schwere Rezession auslöste. Analysten hatten mehrheitlich mit der nun erfolgten Straffung gerechnet. Der Aktienmarkt in London reagierte auf den Zinsentscheid kaum.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump droht derweil China im Handelskonflikt mit einer weiteren Eskalation. Trump wies seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer an, eine Erhöhung der geplanten Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent zu prüfen. Die Massnahme solle die chinesische Regierung zu einem Politikwechsel bewegen, um gerechtere Marktbedingungen zu schaffen, sagte Lighthizer und bestätigte damit Medienberichte vom Vortag.

«Gerade wo die Börsen dank starker Bilanzzahlen an Schwung gewinnen konnten, sorgen die Drohungen von US-Präsident Trump nun wieder für Nervosität unter den Investoren», sagte Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Hinzu komme die Tatsache, dass viele Anleger im Hochsommer grössere Risiken scheuten.

Nach Branche betrachtet, wurden europaweit Bergbauwerte mit einem Minus von fast 3 Prozent am meisten verkauft. Vorne im Stoxx-600-Branchentableau war der als defensiv geltende Nahrungsmittel- und Getränkesektor zusammen mit dem Immobiliensektor mit jeweils plus 0,25 Prozent.

Unter den Einzelwerten waren die Axa-Papiere mit einem Kursgewinn von 1,04 Prozent weit vorne im EuroStoxx. Europas zweitgrösster Versicherer setzt nach einem Gewinnrückgang noch stärker auf das Schaden- und Unfall-Geschäft. Der Verkauf einer Lebensversicherungstochter an einen Finanzinvestor soll den Franzosen rund eine Milliarde Euro einbringen. Das Geld kann Axa-Chef Thomas Buberl gut gebrauchen, um die 15 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des US-Versicherers XL Group zu stemmen.

Im Londoner «Footsie» gewannen die Papiere der London Stock Exchange 3,21 Prozent. Der Börsenbetreiber hatte nach unerwartet starken Halbjahreszahlen seine Zwischendividende um fast 20 Prozent angehoben.

Der problembehaftete britische Triebwerksbauer Rolls-Royce will schon in diesem Jahr die ersten Früchte seines verschärften Sparprogramms ernten. Im operativen Geschäft ohne Sonderbelastungen lief es für Rolls-Royce im ersten Halbjahr dank der brummenden Flugzeug- und Antriebssparten besser als ursprünglich gedacht. Die Rolls-Royce-Aktien legten als bester Wert in London um 7,11 Prozent zu.

Einen Verlust von 2,25 Prozent mussten die Anteilsscheine der Societe Generale hinnehmen. Bei der französischen Grossbank liefen die Geschäfte im Investmentbanking und an den Kapitalmärkten im zweiten Quartal wieder besser als noch zum Jahresauftakt. Probleme bereiten aber nach wie vor die niedrigen Zinsen in Europa, die vor allem im Heimatmarkt auf die Erträge drückten. Jeweils nach Quartalszahlen verloren die Papiere der britischen Grossbank Barclays und die des niederländischen Kreditinstituts ING 2,69 beziehungsweise 1,51 Prozent. (awp/mc/ps)

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