Europa-Verlauf: Abwartendes Geschäft vor Beginn der Berichtssaison

Börse Europa

(Adobe Stock)

Paris/London/Zürich – Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Freitag leicht nachgegeben. Dabei verlief der Handel ruhig. «An den Aktienmärkten drängt sich nun neben Konjunkturdaten und geopolitischen Einflüssen die Berichtssaison für das zweite Quartal in den Vordergrund», so Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank. «Wirklich Fahrt nimmt der Zahlenreigen ab Dienstag auf, wenn vier Grossbanken berichten und den Tenor für die Märkte setzen.»

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 sank gegen Mittag um 0,1 Prozent auf 6.278,60 Punkte. Ausserhalb des Euroraums gewann der Schweizer SMI 0,24 Prozent auf 14.249,56 Punkte, während der britische FTSE 100 auf der Stelle trat.

Schwächster Sektor waren die Technologiewerte. Hier belasteten die Verluste der Halbleiteraktien, deren Erholung damit ausgelaufen zu sein scheint. ASML sanken um 2,7 Prozent. Die Augen sind nun auf den Start des südkoreanischen Halbleiterkonzerns SK Hynix an der Nasdaq gerichtet. «Das Volumen der Platzierung wird auf rund 28 Milliarden Dollar veranschlagt», hiess es von der Landesbank Baden-Württemberg. «Damit wäre die Transaktion eine der grössten Aktienplatzierungen der Börsengeschichte und ein Stimmungsbarometer für den überhitzten KI-Sektor.»

Auch Ölwerte verzeichneten Verluste. Trotz der jüngsten militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran im Streit um die Strasse von Hormus gehen die Bemühungen um eine Beilegung der Feindseligkeiten weiter. «Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter», sagte ein US-Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Das dämpfte Sorgen vor weiter kräftig steigenden Ölpreisen. Marktteilnehmer seien zuversichtlich, dass sich der Frachtverkehr durch die Strasse von Hormus stabilisieren werde, merkte Analyst Ricardo Evangelista vom Broker ActivTrades an.

Stark entwickelten sich dagegen die Telekomwerte. Hier gaben Vodafone-Aktien mit elf Prozent Aufschlag den Takt vor. Der Vodafone-Grossaktionär Emirates Telecom verkauft seine Beteiligung am britischen Telekomkonzern an den französischen Milliardär Xavier Niel für 112,5 britische Pence je Aktie. Der Kurs zog also in etwa auf das Niveau des Kaufpreises an.

Gefragt waren auch Rohstoffaktien. JPMorgan hatte das Kursziel für ArcelorMittal von 45 auf 57 Euro angehoben und die Aktien von «Underweight» auf «Neutral» hochgestuft. Analyst Dominic O’Kane wird optimistisch für die europäische Stahlbranche. Die Protektionsmassnahmen der Politik zeigten Wirkung, schrieb er. ArcelorMittal kletterten um 5,7 Prozent, auch andere Stahlwerte waren gesucht.

Im ebenfalls steigenden Sektor der Reisewerte sprangen Aktien von Easyjet um über 14 Prozent nach oben. Der Rivale Apollo war dem US-Finanzinvestor Castlelake bei der sicher geglaubten Übernahme des britischen Billigfliegers zuvor gekommen. Laut den Briten soll im Übernahmepoker nun Apollo mit einem höheren Gebot zum Zuge kommen. (awp/mc/pg)

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