Europa-Schluss: Zinssorgen belasten – EuroStoxx-Zweimonatstief

Boerse

(Adobe Stock)

Paris / London – Die europäischen Aktienmärkte sind am Freitag belastet von Zinsängsten der Anleger weiter abgerutscht. Während die US-Notenbank Fed und die britische Bank of England schon fleissig die Leitzinsen anheben, gab es auch entsprechende Signale aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB). Nach Einschätzung des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau könnten die Leitzinsen im Euroraum bis Jahresende wieder über Null steigen.

Der EuroStoxx50 gab vor diesem Hintergrund um 1,82 Prozent auf 3629,17 Zähler nach. In der ersten Maiwoche ist er damit um 4,5 Prozent abgesackt. Am Nachmittag hatte er im Zuge eines schwachen Starts an den US-Börsen nahe 3600 Punkten das tiefste Niveau seit zwei Monaten erreicht.

Während die US-Börsen ihre anfänglichen Verluste zeitweise aufholten, folgte er dieser Bewegung nur mässig. Aktuelle Jobdaten aus den USA erschwerten den Anlegern im Verlauf die Orientierung.

Der Pariser Leitindex Cac 40 verlor 1,73 Prozent auf 6258,36 Punkte, während der Londoner FTSE 100 um 1,54 Prozent auf 7387,94 Punkte sank.

Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel, begründete die anhaltende Börsenschwäche mit den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen. «Die aktuelle Situation ist geprägt von einer aussergewöhnlichen Fülle an erheblichen Belastungsfaktoren für die globale Konjunktur und für die Kapitalmärkte», stellte Mumm fest. Lockdown in China, Ukraine-Krieg, Inflationsgefahren und steigende Zinsen hätten «schon in den letzten Wochen zu deutlichen Revisionen von Wachstumserwartungen geführt.»

Damit dürften sich die starken Schwankungen der vergangenen Tage an den Börsen fortsetzen. «Es bleibt holprig: eine typische Gemengelage für hohe Volatilität», prognostizierte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Einzelne positive Meldungen könnten dabei in dem negativen Umfeld immer wieder für Gegenbewegungen sorgen.

Das Hin und Her der vergangenen Tage setzte sich auch bei den Einzelsektoren fort. In der Tabelle war die Verliererliste lang, elf Branchenindizes gingen mit Verlusten von mehr als zwei Prozent aus dem Handel. Die grössten Verluste mussten letztlich die Immobilienwerte einstecken mit einem Abschlag des Teilindex von 3,8 Prozent.

Ordentliche Zahlen des Software-Unternehmens Amadeus IT gingen in dem trüben Marktumfeld unter. Die Aktie schlug sich aber tapfer, indem sie in Madrid 0,2 Prozent höher aus dem Handel ging. Analystin Daria Fomina von Goldman Sachs bezeichnete die Zahlen der Spanier zum ersten Quartal als besser als erwartet.

Im Bankensektor, der mit minus 1,6 Prozent durchschnittliche Verluste erlitt, enttäuschte ING die Anleger. Die Papiere sackten um 4,7 Prozent ab, weil die niederländische Grossbank wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zum Jahresstart deutlich weniger verdient hat.

Noch schlimmer erwischte es die Fluggesellschafts-Holding International Airlines Group und den Versicherer Axa, deren Aktien nach den Zahlenvorlagen um 8,3 Prozent respektive 7,6 Prozent absackten.

Im Mediensektor machte JCDecaux mit einem Kurseinbruch um 10,3 Prozent negative Schlagzeilen. Der Werbekonzern habe von einem starken Wachstum aus eigener Kraft im ersten Quartal berichtet und schwache Signale für das zweite gesendet, schrieb Berenberg-Analystin Sarah Simon in einer Studie.

Die positiven Ausnahmen im Sektorvergleich waren Ölwerte dank des steigenden Ölpreises sowie der Autosektor, dessen Teilindex mit einem Zugewinn von 0,7 Prozent die Tabelle anführte. Die französischen Branchenwerte Faurecia , Renault und Valeo sowie Stellantis gaben hier die Marschrichtung vor mit Zugewinnen zwischen 1,9 Prozent und 3,4 Prozent. (awp/mc/pg)

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