Europa-Schluss: EuroStoxx unter Druck – Versorger stützen den «Footsie»

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(Adobe Stock)

Paris / London – In Erwartung verschärfter Strafmassnahmen gegen Russland hat der EuroStoxx 50 am Dienstag spürbar nachgegeben. Nach den Kriegsverbrechen von Butscha präsentierte die EU-Kommission einen Vorschlag für ein umfangreiches Paket mit neuen Russland-Sanktionen. Es beinhaltet nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unter anderem ein Importverbot für Kohle aus Russland. Zudem drückte die Aussicht auf eine striktere Geldpolitik der tonangebenden US-Notenbank auf die Stimmung.

Der EuroStoxx als Leitindex der Eurozone büsste 0,84 Prozent auf 3917,85 Punkte ein. Der französische Cac 40 verlor 1,28 Prozent auf 6645,51 Punkte.

Für den britischen FTSE 100 (‹Footsie›) aber ging es gegen den Trend um 0,72 Prozent auf 7613,72 Punkte nach oben. In London sorgten deutliche Gewinne bei den Aktien von Versorgern für Auftrieb. Marktanalyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Marktes UK verwies darauf, dass die britische Regierung im Laufe der Woche ihre neue Strategie zur Wahrung der Energiesicherheit vorstellen wolle.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets: «Die Investoren stellen sich wie die Politik die Frage, wie stark solche Sanktionen die heimische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen dürfen und sollten, um dennoch Russlands Präsident Putin mit aller gebotenen Härte zu begegnen.»

Das US-Notenbank-Vorstandsmitglied Lael Brainard sagte bei einer Veranstaltung der regionalen Fed von Minneapolis, Russlands Invasion in der Ukraine sei ein «seismisches» geopolitisches Risiko und eine menschliche Tragödie, die das Inflationsrisiko nach oben verschiebe. Die Inflationsrate war im Februar auf 7,9 Prozent gestiegen. Dies war der stärkste Anstieg seit 1982. Die Fed strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an.

Die Verringerung des Inflationsdrucks sei «vorrangig», sagte Brainard und kündigte eine «Serie» von Zinserhöhungen an. Ab Mai wolle man zudem mit einer raschen Verringerung der während der Corona-Pandemie massiv ausgeweiteten Bilanzsumme beginnen.

Mit diesen Schritten würde den Börsen Liquidität entzogen. Eine derart straffere Geldpolitik kann sich nachteilig für die Aktienbörsen auswirken, da andere Anlageklassen dann attraktiver werden. Den Leitzins hatte die Fed bereits Mitte März erstmals seit der Corona-Krise angehoben. Hintergrund ist die hohe Inflation, die durch anziehende Rohstoffkosten angeheizt wird.

Unter den Einzelwerten verbuchten die Papiere von Windturbinenherstellern deutliche Kursgewinne, nachdem sich Experten der Bank Credit Suisse optimistisch zu den Aussichten für die Branche geäussert hatten. Die Aktien von Vestas schnellten um 8,6 Prozent nach oben. Nach sechseinhalb Jahren mit negativer Empfehlung zog Analyst Mark Freshney nun Zuversicht aus der europäischen Energiekrise. Diese werde die Zahl installierter Windkraftanlagen steigen lassen. Das laufende Jahr dürfte voraussichtlich das letzte von Kosten- und Margendruck gekennzeichnete Jahr sein. Für die Papiere von Siemens Gamesa ging es um 6,8 Prozent aufwärts.

Dagegen sackten die Papiere von AMS Osram um mehr als acht Prozent ab. Der Halbleiterkonzern habe zwar auf seinem Kapitalmarkttag die langfristigen Ziele bestätigt, schrieb Analyst Jürgen Wagner von der Investmentbank Stifel. Der Ausblick auf 2024 liege jedoch unter seinen Erwartungen. (awp/mc/ps)

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