Paris / London / Zürich – Am europäischen Aktienmarkt haben sich die Indizes am Donnerstag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) freundlich präsentiert. Weitere Gefechte zwischen den USA und Iran im Nahost-Krieg blendeten Anleger zunächst eher aus, zumal die Ölpreise kaum anzogen. Berichte über ein Ende der jüngsten US-Luftangriffe liessen sie dann im Verlauf sogar sinken.
Der EuroStoxx 50, der sich schon am Vortag von seinen Tagestiefs bis zum Handelsende etwas erholen konnte, legte gegen Mittag um 0,79 Prozent auf 6.058 Punkte zu. Damit notiert der Leitindex der Eurozone über der 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend.
Die EZB wird am Nachmittag wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs ihren Leitzins wohl anheben. Volkswirte gehen fast einhellig von einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Höhere Energiepreise infolge des Konflikts sorgten für steigende Inflationserwartungen, was die Notenbank unter Handlungsdruck setzt. Im Blick stehen wie immer die Signale für die weitere Richtung der Geldpolitik, die Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung geben dürfte.
Ausserhalb des Euroraums kletterte am Donnerstag der Schweizer SMI um weitere 0,50 Prozent auf 13.531 Punkte hinauf. Der britische FTSE 100 baute sein moderates Vortagesplus um 0,71 Prozent auf 10.328 Zähler aus.
Rohstoff- und Technologiewerte befanden sich auf Erholungskurs. Im Techsektor zeigte sich einmal mehr die Divergenz zwischen Software- und Chip-Aktien. Am Donnerstag litt Software deutlich unter den jüngsten Geschäftszahlen und dem Investitionsbedarf von Oracle in Rechenzentren, während die vom KI-Boom getriebenen Halbleiter-Papiere genau davon profitierten.
Im EuroStoxx spiegelte sich dieses Bild wider, indem die Aktien von SAP als Schlusslicht 4,4 Prozent verloren und ASML als bester Wert 3,7 Prozent gewannen. In Amsterdam legten zudem ASM International um 3,8 Prozent zu. Für den Branchenausrüster hob Barclays das Kursziel deutlich an.
Wizz Air verteuerten sich um 5,4 Prozent. Die Airline wies für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Überschuss aus, dabei hatte man am Markt mit einem Verlust gerechnet. Auf einen Ausblick verzichtete Wizz Air zunächst angesichts der vom Iran-Krieg ausgehenden Unsicherheit, versprach jedoch, die Marktverwerfungen zu nutzen, um das Wachstum voranzubringen. (awp/mc/ps)
