Paris / London / Zürich – Die Erholungsrally an Europas Aktienmärkten ist am Dienstag etwas ins Stocken geraten. Konjunkturdaten aus Deutschland gaben den lethargischen Kursen, die zu Wochenbeginn mit der vorläufigen Entspannung im US-chinesischen Zollkrieg weiter gestiegen waren, keine Impulse. Am frühen Nachmittag stehen noch Inflationsdaten aus den USA auf der Agenda.
Um die Mittagszeit notierte der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 0,03 Prozent tiefer bei 5.390,94 Punkten. Der Schweizer SMI gewann 0,04 Prozent auf 12.224,45 Punkte. Für den britischen FTSE 100 stand ein Anstieg um 0,01 Prozent auf 8.605,82 Punkte zu Buche.
Die Anleger dächten kurzfristig nicht wirklich darüber nach, was in den kommenden zwei bis drei Monaten passieren könnte, sagte Jian Shi Cortesi, Portfoliomanager bei Gam Investment Management in Zürich. Bei der Wahl von US-Präsident Donald Trump im November habe es vielfach geheissen, dies sei grossartig für den Markt. Doch dann habe Trump Zölle eingeführt und die Kurse seien abgestürzt. Der Markt versuche ständig, Trumps Verhalten vorherzusagen. Doch dieser sei ziemlich unberechenbar, so der Experte weiter.
Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Mai stärker aufgehellt als von Experten prognostiziert, wie das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) belegt. Die bereits zuvor sehr niedrige Bewertung der Konjunkturlage verschlechterte sich hingegen unerwartet noch einmal etwas. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer Aufhellung gerechnet.
Im europäischen Branchenvergleich blieben am Dienstag Einzelhandels- und Rohstoffwerte sowie Titel aus dem Reise- und Freizeitbereich gefragt.
Erneut deutliche Verluste erlitten derweil Immobilienaktien. Auch für Versicherer ging es nach durchwachsenen Zahlen von Munich Re und Hannover Rück weiter bergab. Hier fiel das Minus insgesamt aber moderat aus. Technologiewerte zollten ihrer jüngsten Stärke im Schlepptau der US-Tech-Börse Nasdaq ein wenig Tribut.
Die negativ aufgenommenen Resultate der deutschen Konkurrenz drückten auch beim Schweizer Rückversicherer Swiss Re auf die Stimmung: Die Titel zählten mit minus 1,2 Prozent zu den grössten Verlierern im SMI.
Optisch sehr schwach präsentierten sich die Aktien der Online-Apotheke DocMorris. Verantwortlich dafür war allerdings massgeblich der um den nun angelaufenen Handel mit Bezugsrechten für neue Aktien bereinigte Aktienkurs. (awp/mc/ps)