Europa-Schluss: Anleger gehen in Deckung

Boerse

(Adobe Stock)

Paris / London – Die europäischen Börsen sind am Mittwoch wegen Konjunktursorgen meist ins Minus abgerutscht. Schwache Wirtschaftsdaten aus den USA wurden am Nachmittag dafür verantwortlich gemacht, dass aus einer zuvor noch relativ robusten Entwicklung in der Regel noch klare Verluste wurden. In New York gerieten vor allem die Technologiewerte unter Druck.

Der EuroStoxx50 verlor 0,39 Prozent auf 4298,36 Punkte. Der französische Cac 40 gab mit am Ende 7316,30 Punkten auch um 0,39 Prozent nach. Der britische FTSE 100 war eine positive Ausnahme, indem er um 0,37 Prozent auf 7662,94 Punkte zulegte.

Der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor sackte überraschend deutlich ab. Mit 51,2 Zählern liegt er aber immer noch über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Ausserdem waren die Daten des Jobdienstleisters ADP kein guter Vorbote für den an diesem Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht der US-Regierung, der von der Notenbank Fed genau analysiert wird.

Schwächster Sektor war die Baubranche. Hier belasteten die Kursverluste des Zementherstellers Holcim , dessen Aktien um 5,2 Prozent absackten. Zurückgeführt wurde dies auf zurückhaltende Erwartungen von Analysten an die Ende April anstehenden Umsatzzahlen.

Nach einigen Erholungstagen wieder unter Druck gerieten die Immobilienwerte. Trotz der günstigen Bewertung des Sektors riet Marc Decker, Leiter Aktienanlage bei der Privatbank Merck Finck, zur Vorsicht. Der gewerbliche Immobiliensektor etwa leide unter dem Siegeszug des Home Office. Mieterhöhungen seien angesichts einer drohenden Rezession nicht leicht durchzusetzen. Gleichzeitig stiegen die Kosten, nicht zuletzt für eine energetische Sanierung des Bestandes.

Ansonsten auf den Verkaufslisten standen zyklische Branchen, die von wirtschaftlichen Schwankungen stärker betroffen wären. Verluste von mehr als zwei Prozent gab es neben den Bau- und Immobiliensektoren noch für die Teilindizes der Industriegüter- und Automobilbranche. Auch Technologiewerte gerieten mit der schwachen New Yorker Nasdaq-Börse stärker unter Druck. Siemens , Infineon , Mercedes-Benz , Vonovia und Schneider Electric gehörten im EuroStoxx mit Abschlägen von mindestens 2,4 Prozent zu den grössten Verlierern.

Gefragt waren dagegen defensive Sektoren wie Versorger, Telekommunikation und Gesundheit. In letzterer Branche fielen Pharmakonzerne positiv auf: Roche legten in Zürich um zweieinhalb Prozent zu und Astrazeneca sowie GlaxoSmithKline in London um bis zu 2,8 Prozent. Im Versorgerbereich zogen Iberdrola um 2,5 Prozent an. Der spanische Energiekonzern verkauft 13 Kraftwerke im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro an den mexikanischen Staat.

Im Telekom-Sektor stützte die Deutsche Telekom , die mit einem Anstieg um drei Prozent zum EuroStoxx-Spitzenreiter wurde. Fahrt aufgenommen hatten die Aktien im Zuge der Hauptversammlung, auf der Konzernchef Timotheus Höttges sagte, dass überraschend früh die Mehrheit an der Tochter T-Mobile US übernommen worden sei.

Zu den Gewinnern im Nebenwertesegment gehörten Sodexo mit einem Kurssprung um mehr als elf Prozent. Der erhöhte Ausblick und der Plan zur Abspaltung eines Geschäftsteils beflügelten den Catering-Anbieter.(awp/mc/pg)

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