Paris / London / Zürich – Die wichtigsten Börsen Europas haben am Mittwoch nachgegeben. «Die Investoren zeigen sich tendenziell zurückhaltend und versuchen auszuloten, was für Konsequenzen die hohen Staatsanleiherenditen und die ebenfalls hohen Energiepreise für die Unternehmen haben werden», beschrieb Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets das Marktgeschehen.
Der EuroStoxx 50 sank zur Mittagszeit um 1,29 Prozent auf 6.191,61 Punkte. Ausserhalb der Euroregion trat der Schweizer Leitindex SMI auf der Stelle und profitierte damit von der stabilen Tendenz der defensiven Schwergewichte. Der britische FTSE 100 gab unterdessen um 0,41 Prozent auf 10.498,40 Punkte nach.
«An den Märkten rückt ein Risiko stärker in den Vordergrund, das lange unterschätzt wurde und teils noch immer wird: die politische und fiskalische Verlässlichkeit Europas», warnte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. «Insbesondere Frankreich dürfte 2027 zur Bewährungsprobe für die Märkte werden.» Um den Schuldenstand zu stabilisieren, wäre eine Konsolidierung des Primärhaushalts um rund acht Prozentpunkte notwendig, ergänzte Eckhard Schulte von der Vermögensverwaltung MainSky Asset Management. Politisch sei das aber «vollkommen illusorisch».
Unter Druck standen die Technologiewerte. Vor den Zahlen von asiatischen Halbleiterschwergewichten war Zurückhaltung zu spüren. Lipkow sprach von Unsicherheit, «ob grosse Technologieunternehmen wie Samsung und SK Hynix die hohen Erwartungen der Anleger tatsächlich erfüllen können.» Unter Druck standen Aktien von BE Semiconductor, die um 8,4 Prozent fielen. Die Analysten der UBS hatten die Einstufung von «Kaufen» auf «Verkaufen» gesenkt und das Kursziel deutlich gesenkt.
Besser hielt sich der Autobereich. Die Aussicht auf europäische Importbeschränkungen gegen Hybridautos aus China stützte. Die Europäische Union (EU) bereite Schutzmassnahmen vor, die die Einfuhr chinesischer Hybridfahrzeuge in die EU begrenzen sollen, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Unter den Einzelwerten zogen die Aktien von Renault um 2,6 Prozent an und Stellantis um mehr als vier Prozent.
Im Sektor der ansonsten wenig auffälligen Werten aus dem Bereich der Nahrungs- und Getränkeproduzenten fielen Anteile von Rémy Cointreau auf. Die Aktie zog um 3,3 Prozent an. Eine Analysteninformationsrunde des Spirituosenanbieters hatte den Umsatzausblick bestätigt. (awp/mc/ps)
