New York / London – Die Ölpreise haben am Mittwoch den Preisrückgang der ersten Wochenhälfte vorerst nicht fortgesetzt. Ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent für Rohöl aus der Nordsee mit Lieferung im Januar wurde bei 104,04 US-Dollar gehandelt. Das ist fast ein halbes Prozent mehr als am Vortag.
Am Dienstag war der Preis für Rohöl der Sorte Brent noch zeitweise bis an die Marke von 100 Dollar je Barrel gefallen, nachdem die Notierung in der vergangenen Woche noch bei fast 117 Dollar gestanden hatte. Am Markt war die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung für ein Ende des Iran-Kriegs aufgekeimt, nach einem Medienbericht über mögliche Fortschritte bei den Friedensbemühungen und einer Interimsvereinbarung zwischen den USA und dem Iran mit der Aussicht auf eine Rückkehr beider Parteien an den Verhandlungstisch.
Zur Wochenmitte sind am Ölmarkt aber wieder die geopolitischen Risiken in der ölreichen Region am Persischen Golf stärker in den Vordergrund gerückt. Nach iranischen Angaben sollen vier Tanker in der Strasse von Hormus auf Seeminen gefahren und zerstört worden sein. Der regierungsnahe Sender Press TV zitierte auf Telegram die mächtigen Revolutionsgarden, wonach die Schiffe versucht hätten, in der für den globalen Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge eine vom Iran nicht genehmigte Route zu nehmen.
Marktbeobachter wiesen zudem darauf hin, dass die Niederlage der Republikaner von US-Präsident Donald Trump bei den Zwischenwahlen in den USA die Strategie der Regierung in Washington gegenüber dem Iran beeinflussen könnte. Die US-Regierung habe nun möglicherweise eine «grössere Flexibilität» hinsichtlich ihrer nächsten Schritte gegen den Iran, weil sie nach der Wahl weniger Rücksicht auf die Preise für Treibstoffe nehmen müsse, sagte Pavel Molchanov, Analyst beim US-Handelshaus Raymond James & Associates.
Gestützt wurden die Ölpreise auch durch die Entwicklung der Ölreserven in den USA. Der Interessenverband American Petroleum Institute (API) hat in der vergangenen Woche einen Rückgang der Lagerbestände an Rohöl um 5,3 Millionen Barrel verzeichnet. Ein Rückgang der Ölreserven in der grössten Volkswirtschaft der Welt sorgt in der Regel für Auftrieb bei den Ölpreisen. (awp/mc/ps)
