Pro Natura: Das Hermelin ist Tier des Jahres 2018

Hermelin

Das Hermelin (Mustela erminea) – das Pro Natura Tier des Jahres 2018. (© Blickwinkel / Stefan Gerth)

Basel – Das Hermelin (Mustela erminea) gehört zu den kleinsten Beutegreifern der Schweiz. Der flinke Mäusefänger wird aber schnell selber zum Gejagten, wenn die nötigen Verstecke in der offenen Landschaft fehlen. Mit der Wahl der Marderart zum Tier des Jahres 2018 wirbt Pro Natura für eine vielfältige Kulturlandschaft, die weniger aufgeräumt und dadurch reich an natürlichen Lebensräumen ist. Ast- und Steinhaufen, kleine Bäche oder Hecken sind unerlässlich für das Überleben zahlreicher einheimischer Tierarten – auch für das Hermelin.

Das Hermelin ist eine von zwei einheimischen Wieselarten (siehe Box) und lebt in Landschaften, die möglichst vielfältig sind. Dort braucht der flinke Gesell Wanderrouten, die ihm genügend Deckung bieten. Denn ihm stellen Füchse, Greifvögel, Störche oder Graureiher nach. Hermelin-Heimat ist deshalb nur dort, wo Hecken, Bachläufe, Ast- und Steinhaufen dem kleinen Beutegreifer Deckung bieten. Pro Natura warnt mit der Wahl des Hermelins zum Tier des Jahres 2018 vor dem übereifrigen Aufräumen der Landschaften und wirbt für ungestörte Wildtierkorridore, auf die auch kleine Wildtiere wie das Hermelin angewiesen sind. Für zahlreiche Tierarten wie das Hermelin sind die kleinen «Dinge» in der Landschaft zum Schutz sowie als Futter- und Brutplätze unerlässlich.

Schmal und wieselflink
Gertenschlank, rund 300 Gramm schwer und etwa so lang wie ein Schullineal: Diese Körpereigenschaften machen es dem Hermelin leicht, durch Mausgänge, Asthaufen oder Gestrüpp zu stöbern. Doch die sprichwörtliche wieselflinke Beweglichkeit hat ihren Preis. Das Hermelin braucht viel Energie, um sich warm und fit zu halten. Rund die Hälfte seines Körpergewichtes muss es täglich erbeuten.

Willkommener Bauerngehilfe
Hermeline sind in der Schweiz auf Schermäuse spezialisiert. Die pummeligen Wühlmäuse leben unterirdisch in Wiesen und werfen dort die bekannten und bei Landwirten unbeliebten Haufen auf. In der Landwirtschaft ist das Hermelin daher als Mäusejäger sehr willkommen. Es frisst durchschnittlich eine Maus pro Tag. Wenn die Leibspeise einmal rar ist, weicht das Tier des Jahres 2018 auf andere Mausarten, Vögel und Insekten aus oder kostet gar einen vegetarischen Snack.

Wichtige Wild-Wanderwege
Nicht nur für seine Jagdstreifzüge ist das Hermelin auf deckungsreiche Wanderkorridore angewiesen. Seine Bestände schwanken je nach Mäuseangebot stark. Hat es sehr wenige Mäuse, können Hermeline lokal ganz aussterben. Nur mit intakten «Wild-Wanderwegen» – entlang von Hecken, Steinmauern, Bächlein oder Krautsäumen – können Hermeline aus grösseren überlebenden Beständen wieder in ihre alten Reviere zurückwandern.

Verwandt mit Mardern
Das Hermelin ist neben dem Mauswiesel eine der zwei einheimischen Wieselarten. Beide sind nahe Verwandte der Marder. Hermeline zählen mit einer Körperlänge von 20 bis 30 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 10 bis 13 Zentimetern zu den weltweit kleinsten Beutegreifern. Auf die Waage bringen männliche Hermeline nicht mehr als 350 Gramm, Weibchen maximal 235 Gramm.

In der Schweiz kommt das Tier des Jahres 2018 ausserhalb von Wald und Siedlungen fast überall bis auf eine Höhe von 3000 Metern über Meer vor. Hermeline leben einzelgängerisch, nur Mutterfamilien leben länger zusammen. Reviere können in der Schweiz bis 40 Hektaren umfassen. Dieses wird gegen gleichgeschlechtliche Eindringlinge hartnäckig verteidigt.

Hermeline haben im Sommer ein braunes Fell mit weissem Bauch, weissen Vorderpfoten und schwarzer Schwanzspitze. Im Herbst setzt der Fellwechsel ein: von braun-weiss zu rein weiss – nur die Schwanzspitze bleibt schwarz. Die schwarze Schwanzspitze ist denn auch das sicherste Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Hermelin und dem Mauswiesel, dessen ganzer Schwanz braun ist.

In der Schweiz gelten Hermeline als nicht gefährdet. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass seine Bestände vor allem in den Talgebieten stark geschwunden sind. Ihr typischer Lebensraum – das offene Kulturland – wurde über die vergangenen Jahrzehnte immer eintöniger und aufgeräumter. Wanderhindernisse wie Strassen, Bahnlinien und Siedlungen haben dagegen zugenommen. Dies kann lokal zum Verschwinden der putzigen Mäusefänger führen. (Pro Natura/mc/pg)

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