Bern – Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat die Probleme im neu eingeführten IT-System grösstenteils behoben. Zumindest für anspruchsberechtigte Personen konnten die Arbeitslosenkassen die Taggelder auszahlen, wie das Seco am Donnerstag mitteilte. Verzögerungen gibt es noch bei Neubezügern.
Am 6. Januar führte das Seco für die Arbeitslosenkassen das Auszahlungssystem Asal 2.0 ein und kämpfte in der Folge mit erheblichen Störungen und Verzögerungen. Zahlreiche als arbeitslos gemeldete Personen erhielten ihre Taggelder verspätet. Am stärksten von den Problemen betroffen sind Neubezüger, deren Anspruchsberechtigung abgeklärt werden muss.
«Bis auf einige wenige Ausnahmen sind für Februar alle Leistungen an die anspruchsberechtigten Versicherten ausbezahlt worden, sofern die dazu notwendigen Formulare eingereicht wurden», erklärte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, am Donnerstag an einer Telefonkonferenz.
«Wir haben das neue System stabilisiert und kehren in unserer Arbeit allmählich zur Normalität zurück», so Cosandey weiter. Auch die Nachzahlungen für den Januar haben die Kassen geleistet. Die IT-Probleme hatten zur Folge, dass vor rund einem Monat geschätzt 15 Prozent der Januar-Summe nicht an die Empfänger überwiesen werden konnte.
Verzögerungen bei Neubezügern
Auch zwei Monate nach Einführung sind aber noch nicht alle Probleme des neuen IT-Systems behoben. Vor allem die Performance und die Geschwindigkeit lasse zu wünschen übrig, sagte Cosandey. Das bedeute für die Mitarbeitenden der Arbeitslosenkassen Mehrarbeit, auch in Form von Überstunden und Wochenendarbeit.
Pendenzen müssen die Kassen primär noch bei Neuanmeldungen abarbeiten. Der Prozess zur Abklärung der Anspruchsberechtigung, der in der Regel 35 bis 40 Tage in Anspruch nimmt, dauert laut Cosandey mit dem neuen System zwei bis drei Wochen länger. «Doch auch da erzielen wir Tag für Tag Verbesserungen.»
Wieviele Neubezüger noch auf ihr Geld warten und wieviel Zeit vergehen wird, bis auch sie ihre Leistungen erhalten, dazu konnte der Seco-Experte keine konkreten Prognosen abgeben. «Wir gehen aber davon aus, dass wir in wenigen Wochen am Ziel sein werden.»
Die Probleme beim Auszahlen von Taggeldern hatten in den letzten Wochen für Unruhe gesorgt. Berichten zufolge waren Menschen, die auf ihr Geld warten mussten, in finanzielle Nöte geraten. Die Arbeitslosenkassen zahlten in gewissen Fällen auch Vorschüsse. Zudem wurde zum Schutz der Mitarbeitenden Sicherheitspersonal aufgeboten, zum Beispiel im Kanton Wallis.
Stabile Lage am Arbeitsmarkt
Die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt hat sich im Februar indes gegenüber Januar kaum verändert. Die Zahl der schweizweit in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldeten Personen ging leicht um 0,8 Prozent auf 151’076 zurück und die Arbeitslosenquote verharrte bei 3,2 Prozent.
Entgegen den Erwartungen des Seco erhöhte sich die um saisonale Faktoren bereinigte Quote um 0,1 Punkte auf 3,0 Prozent. Gründe für den Anstieg sah Cosonday in strukturellen Entwicklungen der Wirtschaft wie der Digitalisierung oder den konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheiten. Ein Trend zu höherer Arbeitslosigkeit sei noch nicht auszumachen, hiess es.
Eine Zunahme war in den Zahlen zur Kurzarbeit zu sehen, welche das Seco zeitverzögert publiziert. Mit 13’046 Personen waren im November 12 Prozent mehr von Kurzarbeit betroffen als im Vormonat. Nach wie vor würden die grössten Summen dazu für Firmen in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie der Uhrenbranche abgerechnet, so Cosandey. (awp/mc/ps)
