Clariant beendet defizitäres Sunliquid-Abenteuer

Clariant

Clariant-Standort Pratteln BL. (Foto: Clariant)

Muttenz – Clariant zieht seinem verlustbringenden Projekt «Sunliquid» den Stecker. Angesichts der anhaltenden Verluste könnten die erheblichen zusätzlichen Investitionsausgaben für den Hochlauf der Anlage in Rumänien nicht gerechtfertigt werden. Das zieht erhebliche Kosten nach sich.

Die Bioethanol-Produktionsanlage in Podari werde nun geschlossen, teilte Clariant am Mittwoch mit. Die damit verbundenen Aktivitäten der Business Line Biofuels & Derivatives in Deutschland würden reduziert. Die Expertise, die notwendig sei, um die Technologie zu erhalten und die bestehenden vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen, würden indes beibehalten.

Skalierung als Problem
Das Projekt gehörte zu den wichtigsten und prestigeträchtigsten des Konzerns. Die Idee war einfach: Aus Weizenstroh mache Ethanol. Mit dem Sunliquid-Verfahren werden aus Reststoffen von Pflanzen Zucker ausgelöst, die anschliessend zu einem Kraftstoff vergärt werden. Es handelt sich um Bioethanol der zweiten Generation.

Was im kleinen Massstab gut funktioniert hat, harzte aber in der kommerziellen Sunliquid-Grossanlage in Podari. Diese sollte seit Mitte 2022 unter Volllast laufen – tat sie aber nie. Weil die Anlage in Rumänien nicht so schnell hochgefahren werden konnte wie geplant, kostete das Clariant jedes Quartal einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag. Bereits Ende 2022 wurden zudem 220 Millionen Franken auf die Anlage abgeschrieben.

Weitere Abschreiber
Gemäss einer vorläufigen finanziellen Bewertung fallen nun im Dezember 2023 Restrukturierungskosten und Rückstellungen in der Höhe von rund 60 bis 90 Millionen Franken an. Diese schlagen direkt auf den EBITDA durch. Weitere rund 110 Millionen fallen auf der EBIT-Ebene an. Dafür verantwortlich ist eine nicht liquiditätswirksame Wertberichtigung auf das Werk in Podari sowie auf andere Vermögenswerte.

Diese Beträge würden «hauptsächlich» im Dezember 2023 verbucht. Der operative Gewinn (EBITDA) im Geschäftsjahr 2023 werde daher im Bereich von 570 bis 600 Millionen Franken liegen. Bisher wurden 650 bis 700 Millionen in Aussicht gestellt.

Zudem geht Clariant in 2023 von einem Cash-Effekt von rund 110 bis 140 Millionen Franken aus. Für die Aufrechterhaltung der erforderlichen Expertise im Zusammenhang mit den Technologielizenzen würden im Jahr 2024 zusätzliche Kosten von 10 bis 15 Millionen anfallen. Diese schmälern den Betriebsgewinn in 2024 um den entsprechenden Betrag. (awp/mc/pg)

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