Clariant: White Tale beansprucht drei Sitze im VR

Hariolf Kottmann

Clariant-VRP Hariolf Kottmann. (Foto: Clariant)

Basel – Bei Clariant kehrt noch keine Ruhe ein. Der Grossaktionär White Tale, welcher die geplante Fusion mit Huntsman zu Fall gebracht hat, fordert nun unter anderem drei Verwaltungsratssitze für sich. Clariant will die Forderungen an der nächsten Verwaltungsratssitzung diskutieren.

Die Aufgabe der Fusionspläne sei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Arbeit beginne nun aber erst, teilte White Tale am Montag mit. Gleichzeitig bekräftige der Investor seine Absicht, sich als langfristig engagierter Investor einzusetzen. Mit der Einsitznahme im Verwaltungsrat wolle man die strategische Neuausrichtung von Clariant begleiten.

Die Aktionärsgruppe White Tale, bestehend aus dem US-Familienunternehmen Standard Industries und dem aktivistischen Hedgefonds Corvex, hatte die geplante Fusion mit dem amerikanischen Mitbewerber Huntsman seit Monaten torpediert und zuletzt den Anteil an Clariant auf 20% ausgebaut. Am Freitag hatte dann Clariant den Abbruch der Fusionsbemühungen bekanntgegeben.

Notfalls über a.o. Generalversammlung
Ausserdem soll Clariant laut White Tale einen unabhängigen Finanzberater ernennen und dies auch öffentlich ankündigen. Dieser solle alle strategischen Optionen für Clariant «ohne Voreingenommenheit» prüfen. Weiter bekräftigt der Investor seine Ansicht, dass ein Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte (Plastics & Coatings) das Beste für das Unternehmen wäre. Der Erlös solle in das Kerngeschäft gesteckt werden.

White Tale gibt sich in der Mitteilung konziliant und gleichzeitig unnachgiebig. Sollte der unabhängige Berater zu einer anderen Sicht gelangen, werde man dem ebenfalls vorurteilslos gegenüberstehen, heisst es einerseits.

Sollte es aber nicht bald zu einer Einigung mit dem Clariant-Verwaltungsrat kommen, will White Tale eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, wird die Drohung mitgeliefert.

Clariant nimmt Forderungen zur Kenntnis
Clariant nimmt den neuesten Forderungskatalog des oppositionellen Grossaktionärs zur Kenntnis. Gemäss der Schweizer Governance-Vorgaben würden die Forderungen in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats diskutiert, so der Chemiekonzern in einer Replik.

Man habe nach Bekanntgabe der Beendigung der Fusionsvereinbarung am letzten Freitag mit White Tale erste Diskussionen zur neuen Situation sowie zu Wegen der weiteren Zusammenarbeit in der Zukunft begonnen, betont das Unternehmen. Um die Diskussionen zu vertiefen, habe Clariant White Tale zu weiteren Gesprächen in den kommenden Wochen eingeladen, heisst es weiter. Gleichzeitig werde man den bestehenden Dialog mit allen Aktionären fortführen.

VR-Präsident gegen Spartenverkauf
Die deutlicheren Worte hatte VR-Präsident Rudolf Wehrli am Wochenende gefunden. Dieser erteilte der Forderung nach einer Devestition der Kunststoff- und Beschichtungssparte eine Absage, wie er der «NZZ am Sonntag» sagte.

Der geforderte schnelle Verkauf sei kein gangbarer Weg, sagte Wehrli dazu. Der Bereich trage 40% des Umsatzes und die Fixkosten des ganzen Konzerns mit. «Wir können nicht ins Blaue hinaus Geschäfte verkaufen und danach Zukäufe prüfen. Die Reihenfolge muss umgekehrt sein. Das sehen übrigens auch unsere Investoren so», meinte Wehrli.

Der Frage, ob er sich im Frühling zur Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident stellen werde, wich Wehrli aus. Dass Hariolf Kottmann nun als Konzernchef zurücktreten müsse, sei zudem nie Thema im Verwaltungsrat gewesen.

Die Clariant-Aktien standen zu Wochenbeginn erneut unter Abgabedruck und schlossen 2,5% tiefer. Dass es White Tale nicht bei einem Zwischenerfolg belassen werde und sich nun lautstärker zu Wort meldet, sei keine Überraschung, urteilen Analysten. (awp/mc/pg)

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