Jungfraubahn 2016 mit deutlich geringerer Besucherzahl auf dem Jungfraujoch

Jungfraujoch

Jungfraujoch mit Sphinx und Aletschgletscher. (Foto: Jungfraubahn)

Interlaken – Die Jungfraubahn-Gruppe hat die Angst vor Terroranschlägen zu spüren bekommen. Im vergangenen Jahr reisten nur noch rund 917’000 Besucher und damit 9% weniger Touristen als 2015 zum höchstgelegenen Bahnhof Europas. Das Unternehmen stemmt sich nun mit originellen Massnahmen gegen den Aderlass.

Vor allem Asiaten blieben dem Jungfraujoch im vergangenen Jahr laut einer Mitteilung der Jungfraubahn-Gruppe vom Donnerstag fern. Als Hauptursachen für die rückläufigen Besucherzahlen gibt die Firma die Terroranschläge in Europa, die Unruhen in der Türkei sowie die Flüchtlingsthematik an. Diese beeinträchtigten besonders das klassische Gruppengeschäft aus Asien.

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch eindrücklich in der Zahl von Logiernächten asiatischer Gäste in Schweizer Hotels. Zunächst setzten den Übernachtungszahlen beispielsweise von Chinesen strengere Visabestimmungen zu. Dann kamen die Terroranschläge von Paris, Brüssel und Nizza. Laut den Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) sackten nach den Anschlägen die Übernachtungszahlen der Chinesen im Vorjahresvergleich jeweils zwischen 20’000 und 40’000 Logiernächten ab.

Miserable Skisaison
Doch die Jungfrau-Region traf es 2016 nicht nur mit weniger ausländischen Gästen auf dem «Top of Europe». Die Skiregion Jungfrau spürte eine regelrechte Flaute. So brachen gemäss dem Communiqué die Besucherzahlen 2016 im Skigebiet um 25% auf nur noch 112’500 Personen ein.

Bei den weiteren Bahnen, die zur Jungfraubahn-Gruppe gehören, sind die Zahlen für 2016 besser. Die Grindelwald-First-Bahn transportierte mit 422’000 Frequenzen rund 2,5% mehr Passagiere als im Vorjahr. Die Mürrenbahn registrierte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 614’000 Personen ein Plus von 2,0%. Und die Harderbahn erzielte mit 345’000 Frequenzen einen Zuwachs von sogar 8,8%.

Angesprochen auf die rückläufigen Fahrgastzahlen beim Jungfraujoch und im Skigebiet erklärt der Direktor der Jungfraubahn, Urs Kessler, dass die Firma mit einer Steigerung der Besucherzahlen um rund 16% ein herausragendes Jahr 2015 erzielt hatte. Daher erscheine der Rückgang im Jahr 2016 von 9% gar nicht in so schlechtem Licht, erklärte der Manager gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Kessler ergriff zudem sofort Massnahmen gegen den Kundenschwund. So reiste er selbst nach Asien und versuchte die Verantwortlichen von Gruppenreisen zu überzeugen, dass die Schweiz sicher sei. Sein Unternehmen intensivierte obendrein die Werbeaktivitäten in Asien zur Stärkung der Marke «Top of Europe».

Was das Skigebiet Jungfrau angeht, könne nur die konsequente Umsetzung des rund 400-Millionen-Projektes V-Bahn helfen, sagte Kessler zur sda. Bei dem Vorhaben geht es vor allem um die komplette Neugestaltung von Bahninfrastruktur in der Region. Nur so verbessere sich die Qualität des gesamten Skigebiets, was wieder Kunden anlocken dürfte, sagte der Manager.

Rabatte ruinieren Luxusmarken
Um das Geschäft anzukurbeln, will der Jungfraubahn-Direktor aber auf gar keinen Fall Zugeständnisse bei den Ticketpreisen machen. Kessler sagte diesbezüglich zur sda, dass «Top of Europe» vor allem in Asien eine starke Marke sei und seine Firma lieber die Qualität der Dienstleistungen weiter verbessern will, als an der Preisschraube zu drehen.

Viele Marken verlören nämlich ihre Attraktivität, falls bei rückläufigen Absatzzahlen mit Rabatten reagiert werden würde. Für die Schweizer Kundschaft gibt es aber ohnehin grosszügige Vergünstigungen, weil die Jungfraubahn gewisse Nachlässe etwa für Besitzer des Generalabonnements oder des Halbtax-Abos gewährt.

Aktie gibt nach
Analyst Rene Weber von der Bank Vontobel zeigt sich mit den Ergebnissen weitgehend zufrieden und bewertet die Titel unverändert mit «Hold». Der Rückgang auf dem Jungfraujoch sei nicht so hoch ausgefallen wie von ihm befürchtet, und es zeige sich eine Abschwächung des Negativtrends im zweiten Halbjahr. Er rechnet mit einem Minus beim EBITDA für 2016 um 14%, womit aber immer noch das zweitbeste Firmenergebnis erzielt werden dürfte.

Für 2017 zeigt sich Weber zuversichtlich, dass die chinesischen Touristen nach Europa bzw. in die Schweiz zurückkehren werden. Mögliche Terroranschläge seien aber ein Unsicherheitsfaktor.

Die Aktie schloss am Donnerstag unverändert bei 101,90 CHF. Gehandelt wurden 1’362 Titel. (awp/mc/upd/ps)

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