Ökonomen des Bundes erwarten längere Schwächephase und hartnäckigere Inflation

Konjunktur

(Adobe Stock)

Bern – Die Ökonomen des Bundes erwarten im laufenden und kommenden Jahr eine schwache Konjunkturentwicklung. Sie sind für 2024 sogar noch etwas pessimistischer geworden. Auch die Inflation wird sich weniger stark zurückbilden als erhofft.

Für das laufende Jahr 2023 prognostiziert die Expertengruppe des Bundes nach wie vor ein Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) von 0,8 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Mittwoch mitteilte. Nachdem der Start ins Jahr etwas besser als erwartet verlaufen sei, folge nun eine «schwache Entwicklung» im zweiten Semester.

Und auch 2024 sei keine rasche Erholung in Sicht. Im Gegenteil haben die Bundesökonomen ihre BIP-Prognose für das nächste Jahr auf 1,6 von 1,8 Prozent gesenkt. Ohne den Effekt von grossen Sportanlässen, welche das Schweizer BIP wegen der Lizenzeinnahmen der hierzulande ansässigen internationalen Sportverbände (Fifa, IOC, etc.) verzerren, wurde die Prognose sogar auf 1,2 von 1,5 Prozent gesenkt. Im laufenden 2023 wird das sportevent-bereinigte BIP-Wachstum auf 1,3 Prozent veranschlagt.

Technische Rezession möglich
In der Mitteilung des Seco ist alles in allem von einem «deutlich unterdurchschnittlichen Wachstum» 2023 und 2024 die Rede. «Ich kann auch nicht ausschliessen, dass wir in eine technische Rezession rutschen», sagte der Seco-Chefbeamte Eric Scheidegger. Als technische Rezession gelten zwei Quartale in Folge mit negativem Wachstum. Eine schwere Rezession drohe aber nicht, betonte der Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik.

Begründet wurde der pessimistischere Blick nach vorn unter anderem mit der schlechter laufenden Weltwirtschaft und der Kerninflation, die sich international weniger günstig als erhofft entwickle. Dies bremse die Exporte und drossle die Investitionstätigkeit.

Inflation höher erwartet
Die Inflation macht den Bundesökonomen auch in der Schweiz Sorgen. Konkret wird für das Gesamtjahr 2023 nun eine Teuerung von 2,2 Prozent vorhergesagt und für 2024 von 1,9 Prozent. Damit wurde die 2024er-Prognose markant erhöht. Bislang war im Jahresschnitt nur ein Wert von 1,5 Prozent erwartet worden.

Hartnäckiger sei die Inflation wegen der steigenden Strompreise und der höheren Mieten infolge der Referenzzinssatzanstiege, so das Seco. Die Bundesökonomen gehen – auf der Basis der Markterwartungen – noch von einem Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank aus, was den Referenzzinssatz nochmals ansteigen lassen dürfte – mit entsprechenden Folgen auf die Mieten und die Inflation.

Energiekrise unwahrscheinlicher
Die Geldpolitik der Nationalbank wird jedoch auch als Risiko für die aktuellen Vorhersagen gesehen. Denn die Inflation könnte sich als noch hartnäckiger erweisen und eine noch restriktivere Geldpolitik erfordern, hiess es.

Zunehmende Risiken für die Schweizer Exportwirtschaft gingen ausserdem von Deutschland und China aus. So könnte sich die deutsche Industrie laut den Experten deutlicher abschwächen. Zudem könnte sich die chinesische Wirtschaft angesichts der Krise im Immobiliensektor, der hohen Verschuldung und der eingetrübten Stimmung von Unternehmen und Haushalten stärker abkühlen als angenommen.

Und nicht vergessen werden dürfe auch das Thema Energie. Eine Mangellage würde demnach auch in der Schweiz zu einer Rezession bei gleichzeitig hohem Preisdruck führen. Ein solches Szenario sei derzeit aber relativ unwahrscheinlich, so Scheidegger: «Ohne weitere Überraschungen sollten wir ohne Engpässe über den Winter gekommen.» (awp/mc/pg)

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