Lindt&Sprüngli verabschiedet sich von langjährigem Wachstumsziel

Dieter Weisskopf, CEO Lindt&Sprüngli. (Foto: PPR/Lindt & Spruengli/Martin Ruetschi)

Dieter Weisskopf, CEO Lindt&Sprüngli. (Foto: PPR/Lindt & Spruengli/Martin Ruetschi)

Kilchberg – Jetzt ist es offiziell: Die hohen Wachstumsraten bei Lindt&Sprüngli von mindestens 6 Prozent sind Geschichte. Da auch 2018 das Wachstum in den USA nicht so recht auf Touren kommen wollte, senkt das Management seine langjährigen Vorgaben. Trotzdem will der Lindorkugeln-Hersteller weiterhin schneller als die Konkurrenz wachsen.

Langfristig soll der Konzern organisch noch um 5 bis 7 Prozent zulegen statt wie bisher 6 bis 8 Prozent, wie Lindt am Dienstag mitteilte. Branchenbeobachter bezeichneten den Schritt als vernünftig und sinnvoll, sie hatten bereits mit dieser Senkung gerechnet. So war 2018 bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die hohen Vorgaben verfehlt wurden.

Insgesamt verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr für 4,31 Milliarden Franken Lindorkugeln, Schokoladentafeln und Pralinés. Das entspricht in der Berichtswährung Franken einem Plus von 5,5 Prozent. Aus eigener Kraft, also ohne die günstigen Wechselkurseinflüsse gerechnet, schaffte Lindt ein organisches Wachstum von 5,1 Prozent und konnte damit das in der ersten Jahreshälfte angeschlagene Tempo halten.

Wandel des Kaufverhaltens
Im Vorjahr noch hatte sich das Wachstum auf 3,7 Prozent abgeschwächt. Gewöhnt ist sich der Konzern eine deutlich schnellere Umsatzexpansion. Vor 2017 hatte Lindt letztmals im Krisenjahr 2009 eine Wachstumsdelle hinnehmen müssen.

Doch dieses Mal dürfte es nicht bloss bei einer Delle bleiben, sondern das Wachstum dürfte dauerhaft auf dem tieferen Niveau verbleiben. Zwar ist der grösste Bremsklotz schnell identifiziert: Die 2014 übernommene US-Tochter Russell Stover. Doch die schrumpfenden Umsätze der Marke sind auch Symptome für grundlegende Veränderungen in der Handelslandschaft und im Kaufverhalten.

So achten Konsumenten vermehrt darauf, wie gesund Nahrungsmittel sind und schwören Süssigkeiten ab. Zudem kaufen sie auch häufiger online ein, wo sie weniger zu Impulskäufen von Schokolade verleitet werden. Laut Analysten zeigen etwa die Zahlen aus den USA, dass längst nicht nur Russell Stover für die Abschwächung verantwortlich ist.

Ankurbeln kann Lindt das Wachstum zwar mit eigenen Läden. Diese dürften im vergangenen Jahr einen bedeutenden Beitrag zum Umsatzplus geleistet haben. Nicht zuletzt sorgten zahlreiche Neueröffnungen – 2018 waren es rund 50 – für neue Einnahmen. Aus diesem Grund sei das starke Wachstum aber mittelfristig nicht unbedingt nachhaltig, meinen Analysten.

«Fast eine Revolution»
Auch das Management gesteht nun ein, dass sich die flotten jährlichen Wachstumsraten von 6 bis 8 Prozent nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Das tiefere Wachstumsziel sei fast eine Art Revolution, kommentierte ein Experte. Eigentlich kehrt Lindt damit aber zu früheren Ambitionen zurück. Bis 2007 hatte der damalige Lindt-Patron Ernst Tanner nämlich genau die neue Zielspanne (5 bis 7%) vorgegeben.

Doch nach der Jahrtausendwende wurden diese Ziele regelmässig übertroffen. Der Markt wuchs stetig, dazu zogen auch die Preise an. Nach rekordverdächtigen Wachstumsraten 2005 und 2006 hob Tanner das Ziel schliesslich auf die bis zuletzt geltenden 6 bis 8 Prozent an.

Verbesserung in USA angedeutet
Inzwischen sind die beiden zentralen Märkte Nordamerika und Europa weitgehend gesättigt. In den Schwellenländern legt Lindt zwar rasant zu, doch ist deren Umsatzanteil im Verhältnis noch bescheiden. Allerdings sind auch die neuen Ziele kein Selbstläufer. Voraussetzung, dass diese erreicht werden können, bleibt eine gewisse Verbesserung in Nordamerika.

Der Konzern zeigt sich hier guter Dinge: Das neue Ziel werde unterstützt von einem höheren Wachstum in der Region Nafta, hiess es im Ausblick. Erreicht Lindt seine neuen Vorgaben, dürfte der Konzern immer noch schneller als der Markt wachsen und Konkurrenten Marktanteile wegschnappen.

Auch die Profitabilität soll nach Plänen des Managements weiter zunehmen. Die EBIT-Marge werde sich wie gehabt jährlich zwischen 20 und 40 Basispunkten verbessern. Diese Vorgabe wurde gemäss Mitteilung auch 2018 erreicht. Genaueres zu den Gewinnzahlen gibt der Konzern aber wie immer etwas später bekannt, dieses Jahr ist es am 5. März soweit.

Die Anleger reagierten derweil verstimmt auf die Neuigkeiten. An der Börse verloren die Lindt-Namenaktien am Dienstag in einem freundlichen Gesamtmarkt 3,5 Prozent an Wert, die Partizipationsscheine gingen gar um 5,3 Prozent tiefer aus dem Handel. (awp/mc/ps)

Lindt&Sprüngli

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