Zürich – Molecular Partners will sich künftig stärker auf die Entwicklung zielgerichteter Radiopharmazeutika zur Krebsbehandlung konzentrieren. Im Zuge dieser Neuausrichtung plant das Biotechnologieunternehmen einen Abbau von bis zu 55 Stellen, was rund 44 Prozent der bisherigen Stellen entspricht.
Die Umstrukturierung soll bis zum zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein; die vollständigen Kosteneinsparungen werden ab dem frühen zweiten Halbjahr 2027 erwartet, wie das Unternehmen am Donnerstag in seiner Mitteilung zu den Quartalszahlen berichtet. Andere Forschungsbereiche, insbesondere experimentelle Immuntherapien, sollen möglichst über Partnerschaften oder Ausgründungen weiterentwickelt werden.
MP0712 steht im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht MP0712, ein experimenteller Wirkstoff gegen kleinzelligen Lungenkrebs und weitere neuroendokrine Tumoren. Der Wirkstoff gehört zur Klasse der Radio-DARPins: speziell entwickelte kleine Proteine, die radioaktive Substanzen gezielt zu Tumorzellen transportieren sollen. MP0712 richtet sich gegen das Tumormerkmal DLL3 und wird gemeinsam mit dem Partner Orano Med entwickelt.
Der Wirkstoff wird derzeit in einer klinischen Phase-1/2a-Studie in den USA untersucht. In der ersten Dosisstufe wurden nach Unternehmensangaben keine dosislimitierenden Ereignisse beobachtet; die bislang gemeldeten Nebenwirkungen waren leicht bis mittelschwer und vorübergehend. Erste Sicherheitsdaten sollen im Dezember 2026 vorgestellt werden, Ergebnisse zur Wirksamkeit werden für 2027 erwartet.
Auch die weitere Radio-DARPin-Pipeline entwickelt sich: MP0714 wird in Südafrika im Rahmen eines frühen Zugangsprogramms eingesetzt. MP0726 soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 erstmals am Menschen zur Bildgebung eingesetzt werden. Der dritte Kandidat, MP0730, zeigte in Versuchen mit tumortragenden Mäusen eine günstige Anreicherung im Tumor im Vergleich zu gesundem Gewebe. Der Start der ersten klinischen Untersuchung am Menschen ist für Mitte 2027 geplant.
Liquide Mittel reichen bis Ende 2027
Finanziell verfügte Molecular Partners zum 30. September 2026 über liquide Mittel von 57,5 Millionen Schweizer Franken, entsprechend rund 69 Millionen US-Dollar. Für 2026 erwartet das Unternehmen betriebliche Aufwendungen von 50 bis 55 Millionen Franken. Auf Basis der aktuellen Planung soll der vorhandene Cash-Bestand ausreichen, um den Betrieb und die Investitionen bis ins späte Jahr 2027 zu finanzieren.
Die Prognose ist allerdings noch mit Unsicherheiten verbunden: Die Kosten des Stellenabbaus sind noch nicht beziffert, und die vollständigen Einsparungen werden erst 2027 wirksam. Ob darüber hinaus eine zusätzliche Finanzierung erforderlich wird, lässt sich aus der Mitteilung nicht verlässlich ableiten. (awp/mc/pg)
