Zürich – Die kriselnde Lebensmittelgruppe Orior ist 2025 trotz eines Umsatzrückgangs in die Gewinnzone zurückgekehrt. Sie konnte dank Kosteneinsparungen und der Auflösung von Rückstellungen das Betriebsergebnis und die Marge steigern. Auf eine Dividende müssen die Aktionäre aber weiter verzichten.
Das auf Convenience-Food, Fleischveredelung und Bio-Säfte spezialisierte Unternehmen verdoppelte den Betriebsgewinn vor Steuern und Abschreibungen auf Stufe EBITDA fast auf 42,9 Millionen Franken, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch hiess. Die entsprechende Marge lag bei 6,9 Prozent. Der um die Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn lag mit 39,0 Millionen leicht unter Vorjahr, die dazugehörige Marge mit 6,3 Prozent leicht darüber.
Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn von 9,4 Millionen Franken. Im Jahr davor war nach Sondereffekten und Bereinigungen nach Buchhaltungs- und Bewertungsproblemen ein Verlust von über 35 Millionen Franken resultiert. Mit den Zahlen übertraf Orior die Erwartungen der Analysten.
Wie bereits im Januar bekanntgegeben erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 623 Millionen Franken, was einem organischen Rückgang von 1,5 Prozent entspricht. Das Unternehmen mit Töchtern wie Rapelli, Biotta und Albert Spiess agiert in einem stark wettbewerbsgeprägten Schweizer Markt. Dieser ist mit dem Grosskunden Migros von Preisdruck und dem Risiko zunehmender Insourcing-Aktivitäten geprägt. Im Ausland kämpft etwa die belgische Fertigmenü-Tochter Culinor mit Umsatzrückgängen.
Weitere Schuldenreduktion statt Dividende
Die Nettoverschuldung wurde auf 152 Millionen Franken reduziert, nach 173 Millionen Ende Juni 2025 und 181 Millionen Ende 2024. Der Verschuldungsfaktor reduzierte sich damit auf 3,9x (Vorjahr: 4,6x). Der Schuldenabbau ist unter anderem auf Verkäufe von Vermögenswerten sowie Sale-and-Leaseback-Transaktionen zurückzuführen. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich nach Goodwill-Verrechnung auf 12,4 Prozent nach 8,8 Prozent Ende 2024.
Das Unternehmen will für eine Beschleunigung des Schuldenabbaus erneut auf eine Dividende verzichten.
Im Ausblick kündigte Orior trotz eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfelds eine schrittweise Stabilisierung und mittelfristige Rückkehr zu organischem Wachstum an. Treiber blieben dabei insbesondere der Food-Service-Bereich in der Schweiz sowie strategische Segmente wie Care und das Premium-Frischpasta-Geschäft. Parallel dazu sollen Effizienzsteigerungen, Portfolioanpassungen und die Optimierung der Produktionsstruktur die Profitabilität nachhaltig verbessern. Mittelfristig strebt das Unternehmen eine EBITDA-Marge von über 7,5 Prozent, eine Verschuldung unter dem Dreifachen sowie bei anhaltend solidem Cashflow die Wiederaufnahme der Kapitalrückführung an, wie es hiess.
Orior strafft Struktur
Orior hat ausserdem eine Vereinfachung seiner Gruppenstruktur angekündigt und richtet sich strategisch neu aus. Im Zentrum der Restrukturierung steht die Bündelung mehrerer Tochtergesellschaften in der Orior Food AG, wie aus der am Mittwoch publizierten Folienpräsentation zum Jahresergebnis 2025 hervorgeht. Betroffen sind unter anderem Rapelli, Albert Spiess, Fredag, Pastinella und Le Patron. Damit sollen mittelfristig Kosten gesenkt und administrative Abläufe reduziert werden, wie es hiess.
Am belgischen Geschäft Culinor hält Orior derweil fest. Nach Prüfung strategischer Optionen habe sich kein angemessener Verkaufspreis erzielen lassen, teilte das Unternehmen mit. Zudem passe Culinor mit seinem Angebot an Frischmenüs zur neuen Ausrichtung der Gruppe.
Orior wollte ursprünglich bis im ersten Quartal 2026 einen Käufer für die Sparte gefunden haben. Der Verkauf hätte gemäss Schätzungen 50 bis 100 Millionen Franken einbringen können. Orior hatte allerdings bereits von Beginn weg klar gemacht, das Geschäft stärker zu integrieren, falls sich kein geeigneter Käufer finden lässt.
Investitionen in Rapelli
Parallel dazu wird die Bündner Trockenfleischmarke Albert Spiess neu ausgerichtet, um die Profitabilität zu steigern. Teile der Produktion sowie Logistikprozesse sollen bis Mitte 2026 zu Rapelli nach Stabio verlagert werden. Rapelli wird demnach mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag ausgebaut, um das zusätzliche Volumen zu bewältigen. Der Standort Schiers wird wie früher angekündigt deutlich verkleinert.
Damit richtet sich Orior neu aus. Das Ziel ist eine mittelfristige Rückkehr zu Wachstum. Das Unternehmen will seinen Fokus stärker auf Ernährungslösungen in den Bereichen Gesundheit und Betreuung richten. Zielgruppen seien neben älteren Menschen zunehmend auch jüngere Generationen. Das Unternehmen positioniert sich als integrierter Anbieter für Detailhandel und Gastronomie mit Frischmenüs und Menükomponenten, Frisch-Pasta, biologischen Säften, Terrinen und Pasteten, Convenience sowie Tessiner Charcuterie inklusive Salami. (awp/mc/pg)
