Aus für Direct Mail: Post stellt 3855 Austräger von Werbesendungen auf die Strasse

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(Foto: Die Post)

Bern – Die Post stellt 2024 die Werbezustellung durch ihre Tochter Direct Mail ein und übernimmt die Aufgabe selbst. Sie stellt damit 3855 Austrägerinnen und Austräger mit Teilzeitpensen auf die Strasse. Der Abbau ist Folge des Rückgangs bei Werbesendungen und Gratiszeitungen.

Insgesamt umfasst der Abbau bei der Post-Konzerngesellschaft Direct Mail Company (DMC) 422 Vollzeitstellen, wie die Post am Mittwoch mitteilte. Die 3855 im Zustelldienst tätigen Betroffenen tragen drei bis acht Stunden pro Woche unadressierte Werbesendungen aus. Das entspricht Teilzeitpensen von 8 bis 20 Stellenprozent. Angestellt sind sie im Stundenlohn.

Zudem fallen die Stellen von 72 in Vollzeit oder mit höheren Pensen beschäftigten Personen weg. Der DMC-Hauptsitz in Basel bleibt erhalten, und 132 Beschäftigte kümmern sich weiterhin um das Werbemedium Consumo.

Soziale Abfederung in Prüfung
Die DMC prüft den Post-Angaben zufolge «umfassende Abfederungsmassnahmen» und eine möglichst sozialverträgliche Umsetzung. Im Communiqué äusserte die Post Verständnis für die Betroffenen, denen eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle wegfällt.

Die Verträgerfirma sicherte Entlassenen Hilfe bei der Stellensuche zu. Am Mittwoch startete das bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren. Es dauert bis Mitte November. DMC gehört seit 2012 vollständig der Post.

Die Gewerkschaft Syndicom forderte einen Sozialplan. Die Post müsse ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, teilte sie mit. Alle Betroffenen sollten ein Stellenangebot der Post erhalten. Für jene, die das nicht annehmen könnten oder wollten, müsse ein Sozialplan mit substanziellen Abgangsentschädigung zum Tragen kommen.

«Stopp-Werbung»-Kleber schmälern Geschäft
Die Post-Tochter DMC verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang der unadressierten Werbesendungen um einen Drittel. Unter solche Sendungen fallen etwa Flyer, Prospekte, Gratiszeitungen und andere Werbung.

Die Hälfte des Rückgangs schreibt die Post den «Stopp-Werbung»-Klebern an den Briefkästen zu. Diese würden jährlich um 1,5 Prozent zunehmen.

Hinzu kamen der Verlust mehrerer Grossaufträge in den letzten zwei Jahren, regionale Mindestlöhne und die Teuerung. Trotz Sparmassnahmen mit reduzierten Zustelltagen und zusammengelegten Standorten liess sich DMC demnach nur noch defizitär betreiben.

Ob der Stellenabbau mit dem Kauf der Logistikfirmen Quickmail (Briefe) und Quickpac (Pakete) durch die Post in Zusammenhang steht, konnte Postsprecher Stefan Dauner auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nicht sagen. Dieser müsse noch von der Wettbewerbskommission (Weko) bewilligt werden, bevor entsprechende Angaben möglich seien.

Synergien angekündigt
Die Post hatte die Übernahme im Juli angekündigt. Sie war auf das Verkaufsangebot der Besitzerin der beiden Logistikfirmen, der Quickmail Holding, eingegangen. Die Holding gab auf, weil der Betrieb nachhaltig defizitär war. Die Post will die beiden Firmen in ihre Logistiksparte integrieren.

Damit wächst der Mitarbeiterbestand bei Postlogistics von aktuell rund 21’000 um etwa 3500 Quickmail- und Quickpac-Beschäftigte. Bei der Kaufankündigung gab die Post an, Synergien nutzen zu wollen. Quickmail ist im gleichen Geschäftssegment wie DMC tätig.

Sollte die Weko den Kauf der beiden Logistiker gutheissen, hätte die Post auf dem Briefmarkt kaum noch Konkurrenz. Bei Briefen unter 50 Gramm verfügt sie bereits über ein Monopol. Auf dem Paketmarkt würde die Quickpac-Übernahme den Konkurrenzdruck senken. (awp/mc/pg)

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