Basel – Der Pharmakonzern Roche will sich vom ersten Blockbuster seiner Geschichte trennen. Der Basler Konzern sucht für sein Antibiotikum Rocephin einen Käufer. Die Produktion des Mittels am Standort Kaiseraugst soll damit am Ende des Jahrzehnts eingestellt werden.
Man habe sich nach mehr als zwei Jahren intensivem Austausch mit politischen Gremien entschieden, einen Partner zu suchen, erklärte der Standortleiter Jürg Erismann am Mittwoch im Gespräch mit AWP Finanznachrichten. Dieser soll die Produktion und Lieferung des Antibiotikums Rocephin übernehmen und weiterführen.
Die Entscheidung ist vor allem kommerziellen Überlegungen geschuldet. So sei die Produktion von Rocephin aufgrund steigender Herstellungskosten – insbesondere der Rohstoffkosten bei gleichzeitiger Senkung der Preise sowie der weit verbreiteten Verwendung von Generika – zunehmend unrentabel geworden.
Man habe die zuständigen EU- und Schweizer Behörden – die Gesundheitsnotfallbehörde der Europäischen Kommission (HERA) und das BAG – über die Entscheidung informiert, heisst es aus dem Unternehmen. Seit 2023 habe der Konzern mit der HERA in Kontakt gestanden, um eine Vereinbarung über ein nachhaltiges Modell zu erörtern. Trotz konstruktiver Gespräche mit der HERA und dem BAG konnte aber keine Lösung gefunden werden. Roche plane daher nun, noch in diesem Jahr mit der Veräusserung von Rocephin zu beginnen.
Übliches Verfahren
Wie der Standortleiter Erismann weiter erklärt, gliederten sich die Verkaufspläne in das Modell von Roche ein. «Wir bringen nicht immer nur neue Produkte auf den Markt, sondern überlegen auch immer, wie unser Gesamtportfolio aussieht und dass wir dann auch ältere Produkte wieder veräussern.»
Das sei letztlich auch mit dem Antibiotikum Rocephin nun der Fall. «Es geht uns nicht um eine Stilllegung des Produktes, sondern wir sind immer noch fest davon überzeugt, dass wir einen geeignete Interessenten finden, der das Mittel dann auch weiter produziert.»
Laut Erismann produziert Roche Rocephin schon seit genau 40 Jahren. Es sei das erste Mittel im Roche-Portfolio gewesen, das mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Franken ein so genannter «Blockbuster» war.
Keine Abkehr von Basel oder Antibiotika
Dem Standortleiter sind zwei Punkte wichtig: Die Entscheidung sei weder eine Abkehr vom Standort Basel, noch ein Abschied aus dem Antibiotika-Geschäft. So investiere Roche 1,4 Milliarden Franken in den Standort, davon 790 Millionen Franken in ein Projekt für die chemische Produktion.
«Die Entscheidung, Rocephin zu veräussern ist also eigentlich ein Life-Cycle-Thema.» Dennoch habe man sich die Entscheidung auch mit Blick auf die etwa 100 in die Produktion eingebundenen Mitarbeitenden nicht leicht gemacht. Erismann ist aber überzeugt, dass die betroffenen Mitarbeitenden im Unternehmen gehalten werden können. Der Prozess soll bis Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein.
Gleichzeitig bedeute dieser Schritt auch keine Abkehr vom Antibiotika-Geschäft. «Wir hoffen sehr, dass wir bald einen Kandidaten für ein neues Antibiotikum in die letzte klinische Entwicklungsphase überführen können», betont Erismann. Ausserdem habe Roche weiterhin diverse Antibiotika-Projekte in seiner Forschungspipeline. «Das heisst, das Thema Antibiotika ist uns sehr wichtig.» (awp/mc/pg)
