Swiss-Chef Thomas Klühr tritt Ende Jahr ab

Thomas Klühr, ehemaliger Swiss-CEO . (Foto: Swiss)

Zürich – Bei der Fluggesellschaft Swiss geht der Chef Thomas Klühr Ende Jahr überraschend von Bord. Klühr verlässt das von der Coronakrise hart getroffene Unternehmen nach rund fünf Jahren aus persönlichen Gründen auf eigenen Wunsch. Über seine Nachfolge soll noch bis Ende Jahr entschieden werden.

Klühr habe den Verwaltungsrat gebeten, ihn per Ende 2020 von seiner Funktion zu entbinden, teilte die Swiss am Dienstag mit. Der Verwaltungsrat habe dieser Bitte mit grösstem Bedauern entsprochen, respektiere aber seine privaten Gründe und danke ihm schon jetzt ausdrücklich für seine grossen Verdienste für die Swiss. Klühr tritt auch als Verwaltungsratspräsident der Swiss-Schwester Edelweiss ab.

Von der Lufthansa bestellt
Der heute 58-jährige Klühr hat in seiner Zeit bei der Swiss einiges bewegt. Er stiess 2016 von der Lufthansa zur Schweizer Fluggesellschaft und löste Harry Hohmeister ab, der in die Zentrale der Muttergesellschaft Lufthansa nach Frankfurt ging.

Unter der Leitung Klührs habe die Swiss die grösste Flottenmodernisierung in ihrer Geschichte vorangetrieben, heisst es. Zudem habe er Swiss als Premiummarke gestärkt. Im Jahr 2018 flog die Swiss das höchste Ergebnis ihrer Firmengeschichte ein und der Umsatz übertraf erstmals die Marke von 5 Milliarden Franken.

Wie Hohmeister ist auch Klühr ein Mann der Lufthansa. Während 25 Jahren hatte er vor seinem Schweizer Engagement für die Lufthansa gearbeitet. Vor seinem Wechsel war Klühr für das rasant wachsende Lufthansa-Drehkreuz München verantwortlich gewesen. Er gilt auch als enger Vertrauter des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr.

Abgang in schwierigen Zeiten
Klühr verlässt den Kommandostand der Swiss in einer für die Luftfahrt äusserst schwierigen Zeit. Die Coronapandemie und die weltweit verfügten Reiserestriktionen haben den globalen Tourismus während Monaten praktisch zum Erliegen gebracht und belasten die Reisebranche nach wie vor. Darunter leiden die Fluggesellschaften schwer.

Auch die Swiss ist von der Coronakrise hart getroffen worden. Während des Lockdowns konnten nur noch vereinzelt Flüge durchgeführt werden und bis heute ist das Hochfahren des Flugbetriebs angesichts verschiedener Reisebeschränkungen schwierig. Pro Tag verliert Unternehmen rund eine Million Franken. Das Vorkrisenniveau dürfte frühestens 2024 wieder erreicht werden.

Die von der Coronapandemie ausgelösten Probleme zeigen sich in der Rechnung der Swiss. In der ersten Jahreshälfte landete die Airline tief in der Verlustzone: Die Swiss schrieb einen operativen Verlust von 266 Millionen Franken, während der Umsatz um rund 55 Prozent auf 1,17 Milliarden eingebrochen war.

Die Coronakrise war laut der Mitteilung vom Dienstag aber nicht der Grund für Klührs Rücktritt. Dieser habe seinen bereits für das erste Quartal dieses Jahres geplanten Rücktritt nach Abzeichnen der Krise zurückgeschoben und die Swiss souverän durch diese schwierige Zeit manövriert, hiess es.

Einsitz in Luftfahrtstiftung
Nach seinem Rücktritt wird Klühr weiterhin im hiesigen Luftfahrtgeschäft tätig sein. Er nimmt in der neu zu begründenden Schweizer Luftfahrtstiftung Einsitz. Für diese Aufgabe sei Klühr mit seiner Erfahrung in der Luftfahrt und innerhalb der Lufthansa-Gruppe geradezu prädestiniert, sagte Swiss-Verwaltungsratspräsident Reto Francioni laut der Mitteilung.

Die Luftfahrtstiftung wacht über die Einhaltung der Standortvereinbarung zwischen dem Bund und der Lufthansa-Gruppe bezüglich der Entwicklung des Hubs in Zürich. Das war eine Voraussetzung dafür, dass der Bund die Swiss in der Coronakrise mit einer Kreditgarantie stützt.

In der Branche wird nun darüber spekuliert, wer die Swiss durch die stürmischen Zeiten lotsen soll. Der Verwaltungsrat der Swiss will im vierten Quartal über Klührs Nachfolge entscheiden. Als mögliche Nachfolger Klührs werden der Chef des Kommerzgeschäfts bei der Swiss, Tamur Goudarzi-Pour, sowie Finanzchef Markus Binkert genannt. Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass die Lufthansa erneut jemanden aus der Zentrale in die Schweiz schicken wird.

Sorgen bereitet der Wechsel an der Swiss-Spitze mitten in der Coronakrise den Gewerkschaften. «Wir machen uns Sorgen um die Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen der Swiss-Mitarbeitenden», sagte Philipp Hadorn, Präsident der Bodenpersonalgewerkschaft SEV-GATA, laut einer Mitteilung. Die für Mittwoch angesetzten Verhandlungen zu Sparmassnahmen beim Bodenpersonal wurden vorerst auf Eis gelegt. Die Swiss sei den Gewerkschaften den Nachweis schuldig geblieben, dass die geplanten Einsparungen aufgrund ihrer Verträge mit dem Bund zwingend seien, begründet SEV-GATA. (awp/mc/ps)

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