Luzern – Der Stahlkonzern Swiss Steel hat angesichts hoher Verluste eine weitere Sanierung angekündigt. Diese betrifft die Standorte in Deutschland und wird dort zu einem weiteren Abbau von Stellen führen, wie Konzernchef Frank Koch in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte.
Konkrete Zahlen zum geplanten Abbau nannte Koch im Interview vom Sonntag nicht. Mit dem Schritt in Deutschland werde die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft «noch mal signifikant geringer», sagte er der Zeitung.
Ziel sei es, die Produktionsstandorte so aufzustellen, dass sie in einem stark geschrumpften Markt wieder operative Gewinne erzielen könnten. Swiss Steel halbierte die Anzahl der Mitarbeitenden nach Angaben von Koch bereits von 13’000 auf 6500 Mitarbeitende. Mit dem nächsten Schritt werde die Mitarbeiterzahl nochmals reduziert.
Kleiner und fokussierter
Als weiteren Schritt nannte Koch die Bilanzsanierung. Einzelheiten dazu lege das Unternehmen nicht offen. «Unser Plan sieht vor, dass wir ab 2028 wieder in die operative Gewinnzone kommen», sagte er. Ab dann werde der Konzern deutlich kleiner und fokussierter sein.
Der Stahlkocher mit Hauptsitz in Luzern habe im vergangenen Jahr einen Verlust von 311 Millionen Euro geschrieben, nach 197 Millionen Euro im Jahr 2024, schrieb die «SonntagsZeitung».
EU-Schutzmassnahmen gegen Stahlimporte
Auch neue Schutzmassnahmen der EU gegen Stahlimporte belasten das Geschäft. Die zollfreie Exportmenge für die Schweiz sei um rund 35 Prozent reduziert worden, sagte Koch. Das treffe vor allem den Standort in Luzern. Swiss Steel stehe mit der EU und der Schweizer Regierung in Kontakt. «Es besteht begründete Hoffnung auf eine Lösung», sagte der Konzernchef.
2025 hatte sich der Stahlkocher von der Schweizer Börse SIX zurückgezogen. Grund waren umfangreiche Restrukturierungen und Reorganisationen der vorangegangenen Jahre. Mitte dieses Jahres sprach der Luzerner Kantonsrat für die Swiss-Steel-Tochter Steeltec in Emmenbrücke LU eine Finanzhilfe. Der Kanton will den Stahlhersteller mit seinen 600 Angestellten mit 17 Millionen Franken unterstützen. Der kantonale Beitrag sei nötig, damit der Bund seinen Anteil in derselben Höhe auszahle. (awp/mc/ps)
