Wirtschaftsvertreter warnen vor Begrenzung der Zuwanderung

Fachkräftemangel

(Nathan Dumlao auf Unsplash)

Bern – Der Fachkräftemangel beschäftigt Schweizer Firmen seit Jahren und er dürfte sich noch verschärfen. Hauptgrund ist die demografische Entwicklung: In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer in Pension gehen als Junge am Arbeitsmarkt nachrücken.

Vor diesem Problem warnten am Montag der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV). Sie wehren sich mit Blick auf die Herausforderung für Firmen beim Besetzen offener Stellen auch gegen die Pläne der SVP, die Zuwanderung einzudämmen.

«Babyboomer» gehen dem Arbeitsmarkt verloren
«Viele Unternehmen quer durch die Schweizer Wirtschaft bekunden grosse Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Und die weiteren Aussichten sind düster», sagte Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder vor den Medien. Sorgen bereitet der Wirtschaft die grosse Zahl an «Babyboomern», die in nächster Zeit pensioniert werden.

Diese wurden in der Nachkriegszeit in Jahren mit hohen Geburtenraten geboren. Jüngere Jahrgänge könnten den drohenden Wegfall dieser Generation vom Arbeitsmarkt längst nicht kompensieren, sagte Mäder. Die erwerbsfähige Bevölkerung schrumpfe ohne Berücksichtigung der Zuwanderung seit 2020 immer deutlicher.

Im Jahr 2029 wird laut Mäder die Zahl der in Pension gehenden Menschen jene der am Arbeitsmarkt eintretenden Jungen um über 30’000 Personen übertreffen. Und führe man die Rechnung weiter, dann dürften dem hiesigen Arbeitsmarkt selbst ohne weiteren Zuwachs an neuen Jobs bis 2040 kumuliert 431’000 Personen fehlen. Das seien 8 Prozent der heute erwerbstätigen Bevölkerung.

Zuwanderung dämpft das Problem
Eine Möglichkeit, um offene Arbeitsplätze zu besetzen, ist die Zuwanderung. Ohne ausländische Arbeitskräfte wäre die Schweiz nicht so erfolgreich, wie sie heute dastehe, hielt SAV-Präsident Valentin Vogt fest. Ohne sie stünden Baustellen still und Restaurants oder Spitäler hätten grosse Schwierigkeiten, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen im Oktober wächst aber der Widerstand von rechts gegen die Zuwanderung. Allen voran die SVP plant, mit der Lancierung einer entsprechenden Initiative der Zuwanderung Grenzen zu setzen. Dagegen wehrt sich Vogt: «Wir werden weiterhin auf eine gezielte, arbeitsmarktorientierte Zuwanderung angewiesen sein.»

Für die Schweiz gelte es, die Personenfreizügigkeit mit den EU-/EFTA-Staaten zwingend beizubehalten, fordert Vogt, der an der morgigen Jahresversammlung sein Amt an Severin Moser übergeben wird. Zudem seien Kontingente aus Drittstaaten zu klein und sie sollten besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten werden.

Produktivität steigern
Durch Zuwanderung allein kann das immer grösser werdende Manko am Arbeitsmarkt aber nicht behoben werden. Es müsse auch die Produktivität in der Schweizer Wirtschaft verbessert werden – und dazu bräuchten die Firmen gute Rahmenbedingungen, hiess es. Das bedeute unter anderem genügend Mittel für Forschung sowie weniger Regulierung.

Zudem müsse die Wirtschaft das inländische Arbeitskräftepotenzial noch besser nutzen, allen voran jenes der Frauen. Da allein lägen rund 300’000 Vollzeitstellen brach, so Vogt. Es brauche eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zudem fordern die Verbände den Staat dazu auf, das starke Stellenwachstum bei Bund, Kantonen und staatsnahen Betrieben einzudämmen. (awp/mc/pg)

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