Klimawandel verändert das Camping-Reiseverhalten

TCS Camping

Der TCS Camping Samedan liegt auf auf 1'700 m. ü. M. (Foto: TCS)

Vernier – Steigende Temperaturen und veränderte klimatische Bedingungen beeinflussen zunehmend die Reiseplanung europäischer Camperinnen und Camper. Die aktuelle Saisonanalyse von PiNCAMP, dem Campingportal des ADAC, ANWB und TCS, wertet Buchungen für die Reisejahre 2023 bis 2026 aus und zeigt einen klaren Trend: Während Südeuropa weiterhin den Grossteil der Campingreisen auf sich vereint, gewinnen kühlere Reiseziele im Norden oder in den Bergen sowie Reisen ausserhalb der klassischen Sommerferien an Bedeutung.

Die Analyse betrachtet drei Regionen: Nordeuropa mit Dänemark, Schweden und Norwegen, Mitteleuropa mit Deutschland, Österreich, Niederlande und der Schweiz sowie Südeuropa mit Frankreich, Spanien, Italien, Portugal und Kroatien. Die Analyse zeigt, dass Camperinnen und Camper auf veränderte klimatische Bedingungen reagieren. Sie weichen auf kühlere Reiseziele aus und verlagern ihre Reisen und Ferien in das Frühjahr und den Herbst.

Südeuropa verliert im Sommer an Dynamik
Trotz veränderter Reisegewohnheiten bleibt Südeuropa das Traumreiseziel auf PiNCAMP. Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien und Portugal vereinen im Hochsommer insgesamt 67 Prozent des Buchungsvolumens aller betrachteten Länder.

Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Verteilung der Nachfrage auf verschiedene Regionen Europas. Die aktuelle Buchungsentwicklung für Juli/August 2026 zeigt gegenüber dem Vorjahr für Nordeuropa ein Plus von 15 Prozent, für Mitteleuropa ein Plus von sechs Prozent sowie für Südeuropa ein Minus von zwei Prozent.

Nord- und Mitteleuropa profitieren vom Trend zur «Coolcation»
Die Entwicklung fällt zeitlich mit einer zunehmenden Hitzebelastung in Europa zusammen. Laut dem aktuellen Klimabericht European State of the Climate 2025 des EU-Klimadienstes Copernicus ist Europa der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde und auch die Schweiz und der Alpenraum erwärmen sich überdurchschnittlich stark. Gleichzeitig nehmen in Europa Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen zu.

Gemäss MeteoSchweiz liegt die durchschnittliche Temperatur hierzulande heute bereits rund 2,9 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Damit erwärmt sich die Schweiz etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, der derzeit bei rund 1,3 bis 1,4 Grad liegt. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1864 wurden die neun wärmsten Jahre alle nach 2010 registriert. Laut MeteoSchweiz und den aktuellen Schweizer Klimaszenarien werden künftig mehr Hitzetage, längere Trockenperioden im Sommer sowie häufiger auftretende Extremereignisse erwartet. Schon im Mai 2026 wurden bereits Rekordwerte in Frankreich (38 Grad) und Portugal (40 Grad) gemessen.

Von dieser Entwicklung profitieren im Hochsommer vor allem Regionen mit milderen klimatischen Bedingungen oder Bergregionen. Das Phänomen der «Coolcation» – das gezielte Ausweichen in kühlere Ferienregionen während der Sommermonate – spiegelt sich erstmals deutlich in den aktuellen Buchungsdaten von PiNCAMP wider.

Auch die TCS Campingplätze in den Bergen registrieren dies. «Viele Gäste suchen bei den hohen Temperaturen im Unterland die Kühle der Berge. Dies schlägt sich bei uns sofort auf die Nachfrage nieder», bestätigt Oliver Grützner.

Noch deutlicher wird der Trend im langfristigen Vergleich: Seit 2023 ist die Nachfrage nach Campingurlauben in Skandinavien während der Sommermonate um 68 Prozent gestiegen.

Schweiz nicht teuerste Campingdestination
Parallel zu den klimatischen Veränderungen hat auch die Preisentwicklung einen Einfluss auf die Reiseplanung von Camperinnen und Campern. Die Schweiz ist – trotz hohen Löhnen und Lebenskosten – nicht die teuerste Campingdestination: Die höchsten Preise liegen überwiegend im Süden Europas. Laut PiNCAMP kostet eine Campingnacht in der Hochsaison für eine Familie in Kroatien durchschnittlich 67 Franken, in Italien 57 und in Spanien 53 Franken. Deutlich günstiger sind dagegen Norwegen (34 Franken), Schweden sowie Deutschland (je 37 Franken). Mit durchschnittlich 55 Franken pro Nacht zählt die Schweiz dennoch zu den hochpreisigen Campingdestinationen Europas. (mc/pg)

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