Nachfolge aus den eigenen Reihen: Wie Adriano Agosti seine Firmen dem Management übergab

Adriano Agosti (Bild: zVg)

Aus einem Betrieb mit 15 Mitarbeitenden baute der Schweizer Unternehmer Adriano Agosti eine Gruppe mit 160 Beschäftigten auf. Als es Zeit war, sich zurückzuziehen, setzte er auf Kontinuität statt auf das höchste Gebot.

Die Nachfolge gehört zu den grössten Fragen, vor denen Schweizer KMU-Inhaberinnen und -Inhaber stehen. Gemäss Dun & Bradstreet müssen über 90’000 KMU, rund jedes siebte Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden, ihre Nachfolge in den nächsten Jahren regeln. Verkaufen, in der Familie weitergeben oder den Betrieb jenen überlassen, die ihn täglich führen? Für viele ist es die schwierigste Entscheidung ihres Unternehmerlebens – und eine, die sich oft zu lange hinauszögert.

Adriano Agosti hat diese Frage schon vor Jahrzehnten beantwortet, und zwar auf ungewöhnliche Weise. Die Firmen, die er damals übergab, sind heute, fast 50 Jahre nach dem ersten Kauf, weiterhin erfolgreich.

Ein Betrieb, ein Bankkredit

1979, mit 24 Jahren, kaufte Adriano Agosti sein erstes Unternehmen. Es war ein Malerbetrieb mit 15 Mitarbeitenden, vollständig über die Bank finanziert. Das unternehmerische Risiko trug er allein.

Agosti suchte gezielt nach Firmen mit echtem Potenzial, das andere übersehen hatten. Innert sechs Jahren kamen zwei weitere Unternehmen hinzu. Er strukturierte alle drei neu, verteilte die Verantwortung klar auf die einzelnen Bereiche und baute sie zu einer profitablen Gruppe mit rund 160 Beschäftigten aus. Zur Gruppe gehörten Agosti Maler, Agosti Gipser und der grafische Betrieb Leuthold.

Was er dort lernte, prägte seine weitere Laufbahn:

Denselben Ansatz wandte er später in der Immobilienentwicklung an, bei der Sanierung einer Schweizer Mediengruppe und als engagierter Aktionär börsenkotierter Gesellschaften.

«Ich bin ein Teambuilder», sagt er. «Das ist wohl eine meiner Stärken.»

Übergeben statt an Dritte verkaufen

Lange vor 1995 begann Agosti, seinen Rückzug zu planen. Ein Verkauf an Dritte wäre naheliegend gewesen. Er entschied sich stattdessen, die Firmen jenen zu übergeben, die sie bereits führten.

Das Eigentum ging über mehrere Jahre schrittweise an das Management über, und 1995 war die Übergabe abgeschlossen. Im gleichen Mass, wie dessen Anteil wuchs, reduzierte Agosti sein eigenes Einkommen.

Das bewusst gewählte Tempo war entscheidend. Die Geschäftsführer konnten in die Rolle als Eigentümer hineinwachsen. Kundschaft und Mitarbeitende erlebten keinen Bruch, und die Betriebe blieben von der Unsicherheit verschont, die einen Verkauf an Externe oft begleitet.

Drei Dinge zählten für Agosti mehr als der höchste Preis:

Was die Übergabe gesichert hat

Fast 50 Jahre nach dem ersten Kauf sind die Unternehmen weiterhin erfolgreich. Rund 60 Familien haben dank ihnen ein solides Einkommen, und drei der Manager haben sich über ihre Beteiligungen ein beachtliches Vermögen aufgebaut.

«Ich bin stolz auf sie und freue mich, dass ich ihnen dabei helfen konnte», sagt Agosti.

Was Inhaberinnen und Inhaber heute daraus lernen können

Ein Grundsatz, der blieb

Die Übergabe war nicht das Ende von Agostis Laufbahn. 1989 gründete er Altamira Capital, die er heute als Gründer und Executive Chairman führt. Sie konzentriert sich auf weltweite Kapitalmarktanlagen sowie auf Immobilien, mit einem Portfolio in der Schweiz, Grossbritannien, Italien und Argentinien. 2011 gründete er die Agosti Foundation, die Bildungsprojekte für Kinder unterstützt.

Der Grundsatz aus seinen ersten drei Firmen gilt bis heute: starke Teams aufbauen, ihnen echte Verantwortung übertragen und Werte schaffen, die über einen einzelnen Eigentümer hinaus Bestand haben. (ag/mc/hfu)


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