Marktkommentar von Dina Ting, CFA Head of Global Index Portfolio Management bei Franklin Templeton
Die meisten von uns achten darauf, bei ihrer Portfoliostrategie nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Doch die inzwischen bekannte Sorge, dass die meisten Portfolios recht stark auf eine relativ kleine Gruppe grosser US-Technologieunternehmen konzentriert sind, bedeutet, dass Anleger möglicherweise weiterhin genau das tun. Die Körbe sehen lediglich grösser aus, als sie tatsächlich sind. Was wie Diversifikation aussieht, kann in Wirklichkeit ein Engagement in denselben Unternehmen, Branchen und wirtschaftlichen Treibern sein.
Daher lohnt sich ein Blick darauf, was passieren könnte, wenn Anleger über eine reine US-Allokation hinausblicken – nicht nur über ein breit angelegtes Engagement in Schwellenländern, sondern auch über gezielte Länderallokationen, die auf ihren individuellen Anlageüberzeugungen basieren.
Um diese Frage zu untersuchen, haben wir ein reines US-Aktienportfolio mit Portfolios verglichen, die ein breit angelegtes Schwellenländer-Engagement enthielten, sowie mit einem Allokationsszenario, das US-Aktien mit ausgewählten asiatischen Märkten kombinierte.
Verschiedene Wege zu einer globalen Diversifizierung
- Ein breites Engagement in Schwellenländern kann eine Diversifizierung über US-Aktien hinaus ermöglichen. Gleichzeitig erlauben gezielte Länderallokationen Anlegern, spezifische Marktüberzeugungen auszudrücken.
- In dieser Analyse hat die ausgewählte Asien-Allokation das reine US-Portfolio sowohl über einen Zeitraum von drei als auch fünf Jahren übertroffen.
- Strategisch denken: Statt den jüngsten Gewinnern hinterherzulaufen, sollte geprüft werden, ob verschiedene Länder eigenständige langfristige Renditequellen zum Portfolio beitragen können.
Quelle: FactSet. Performancedaten per 31. Juli 2026. Analyse: Global Research Library
Die Ergebnisse zeigen, dass es mehr als einen Weg gibt, global zu diversifizieren. Ein breit angelegtes Engagement in Schwellenländern kann eine diversifizierte Allokation über verschiedene aufstrebende Volkswirtschaften ermöglichen, während eine gezielte Länderallokation Anlegern erlaubt, Märkte stärker zu gewichten, in denen sie besonders attraktive strukturelle Chancen sehen.
In unserer Analyse erzielte ein Portfolio, das zu 70 % aus US-Aktien und zu jeweils 10 % aus Aktien aus Südkorea, Taiwan und Japan bestand, eine annualisierte Rendite von knapp 25 % über drei Jahre und rund 15 % über fünf Jahre. Zum Vergleich: Ein ausschliesslich auf US-Aktien ausgerichtetes Portfolio erzielte über die jeweiligen Zeiträume etwas mehr als 19 % beziehungsweise knapp 13 % pro Jahr.
Es geht nicht darum, dass Anleger einzelne Länder gegenüber einem breit gefassten Engagement in Schwellenländern bevorzugen sollten – oder dass diese Märkte in jedem Zeitraum besser abschneiden werden. Ein breit angelegtes Engagement in Schwellenländern kann nach wie vor eine effiziente Möglichkeit sein, um an einem breiten Spektrum aufstrebender Volkswirtschaften zu partizipieren.
Anleger mit bestimmten Anlageüberzeugungen können jedoch auch Länderallokationen als Ergänzung in Betracht ziehen, um ihr Exposure gegenüber wirtschaftlichen Treibern und Gewinntreibern zu erhöhen, die in ihren bestehenden Portfolios möglicherweise unterrepräsentiert sind.
„Internationale Märkte“ und „Schwellenländer“ sind sinnvolle Kategorien für die Portfolioallokation. Solche übergeordneten Begriffe können jedoch verschleiern, wie unterschiedlich die einzelnen Länder innerhalb dieser Kategorien tatsächlich sind.
Taiwan ist ein zentraler Bestandteil der globalen Halbleiter-Lieferkette. Indien wird zunehmend von Binnenkonsum, seiner demografischen Entwicklung und Investitionen in die Infrastruktur getragen. Brasilien weist eine höhere Sensitivität gegenüber Rohstoffen und Landwirtschaft auf. Südkorea verbindet Halbleiter und KI-Infrastruktur mit den Bereichen Automobil, Schiffbau und fortschrittliche Fertigung. Japan wiederum bietet eine andere Kombination, unter anderem aus fortschrittlicher Fertigung, industrieller Automatisierung und laufenden Unternehmensreformen.
Diese Unterschiede tragen dazu bei zu erklären, warum sich die Märkte nicht immer im Gleichlauf mit US-Aktien – oder untereinander – bewegen.
Die Handelspolitik liefert hierfür ein aktuelles Beispiel. In der anfänglichen Debatte rund um den „Liberation Day“ standen die Zölle als breit angelegter globaler Schock im Mittelpunkt. Seit der Oberste Gerichtshof diese Notstandszölle aufgehoben hat, sind die handelspolitischen Massnahmen der USA zunehmend nach Ländern und Branchen differenziert – ein weiterer Hinweis darauf, warum es für Anleger sinnvoll sein kann, über breite regionale Kategorien hinauszublicken und die spezifischen Faktoren, die einzelne Märkte prägen, genauer zu betrachten.
Nach der starken Rally des südkoreanischen Marktes stellt sich für Anleger, die bislang an der Seitenlinie standen, verständlicherweise die Frage, ob sie die Chance bereits verpasst haben. Die bessere Frage könnte jedoch lauten: Was könnte Südkorea meinem bestehenden Portfolio hinzufügen? Neben dem Zugang zu weltweit bedeutenden Halbleiter- und KI-Lieferketten bieten die südkoreanischen Aktienmärkte ein Engagement in den Bereichen fortschrittliche Fertigung, Automobilindustrie und Schiffbau. Unternehmensreformen mit dem Ziel, die Corporate Governance und die Renditen für Aktionäre zu verbessern, bieten einen weiteren potenziellen Katalysator. Damit eröffnet Südkorea andere Gewinnquellen und wirtschaftliches Exposure als viele US-lastige Portfolios. (Franklin Templeton/mc/ps
