Von Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price
Trotz erhöhter geopolitischer Unsicherheit bleiben die allgemeinen Aussichten für die Schwellenländer positiv. Solide Fundamentaldaten, nachlassende Inflation und höhere Renditen stützen die Anlageklasse weiterhin, auch wenn sich die Anleger mit einem unsichereren globalen Umfeld auseinandersetzen müssen. Während die Märkte weiterhin auf die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank fokussiert sind, deutet das aktuelle Umfeld eher auf moderate Gewinne bei Schwellenländeranlagen hin als auf eine allgemeine Verschlechterung der Risikostimmung.
Das zentrale makroökonomische Risiko bleibt die Entwicklung der US-Zinsen. Die Märkte haben eine eher restriktive Haltung gegenüber der Fed eingenommen, doch die Wirtschaftsdaten rechtfertigen bislang noch keine Erwartungen eines aggressiven Zinserhöhungszyklus. Daher dürften weitere Zinserhöhungen begrenzt ausfallen und für sich genommen nicht ausreichen, um die Schwellenmärkte aus der Bahn zu werfen. Eine grössere Bedrohung wäre eine stärkere Verlangsamung des globalen Wachstums oder ein Umschwung des durch KI getriebenen Optimismus, der Risikoanlagen in diesem Jahr gestützt hat. Zwar haben die jüngsten geopolitischen Entwicklungen die Unsicherheit an den Märkten verstärkt, doch dürften ihre Auswirkungen auf die Schwellenländer davon abhängen, ob sie zu anhaltend höheren globalen Inflationsraten und Zinsen führen.
Anleihen aus Schwellenländern gehören weiterhin zu den Lichtblicken. Eine starke Nachfrage seitens der Anleger und höhere Renditen gleichen Bewertungsbedenken weiterhin aus und tragen dazu bei, dass sich diese Anlageklasse widerstandsfähig zeigt. Auch die Anleihemärkte in Lokalwährung haben von einem günstigeren Inflationsumfeld profitiert, da nachgebende Lebensmittelpreise in vielen Schwellenländern den Druck auf die Zentralbanken verringern, ihre Geldpolitik aggressiv zu straffen.
An den Devisenmärkten ergibt sich ein eher gemischtes Bild. Ein stärkerer US-Dollar und relativ höhere US-Zinsen dürften weiterhin Gegenwind für die Währungen von Schwellenländern mit tieferen Renditen bedeuten, während Märkte mit höheren Renditen wie Brasilien und Kolumbien besser positioniert zu sein scheinen, um Renditen zu erzielen.
Insgesamt bleiben die Aussichten positiv. Die Fundamentaldaten der Schwellenländer haben sich als widerstandsfähig erwiesen, die Kapitalströme wirken weiterhin stützend und die Inflationstrends verbessern sich weiter. Zwar sollten Anleger die globalen Zinssätze, geopolitische Entwicklungen und allgemeine Makrorisiken genau im Auge behalten, doch bieten widerstandsfähiges Wachstum und günstige Renditen weiterhin eine solide Grundlage für Vermögenswerte aus Schwellenländern. (T. Rowe Price/mc/ps)
