Die Märkte stehen unter dem Zeichen dreier Hauptthemen: die Stärke der Wirtschaft, das Abkommen zwischen den USA und dem Iran sowie dem Superzyklus bei Technologieinvestitionen und -gewinnen. Die Daten zum US-Arbeitsmarkt übertrafen drei Monate in Folge die Erwartungen, nachdem in den sechs Monaten zuvor nahezu Stagnation hatte, und zeigten die aussergewöhnliche Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft gegenüber den steigenden Energiepreisen, die durch den Technologieinvestitionszyklus mehr ausgeglichen wurde. Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Wiederöffnung von Hormus liess den Ölpreis wieder in den Bereich von 75 Barrel zurückkehren.
Unter diesen Umständen ist die Annahme gerechtfertigt, dass der Inflationshöhepunkt erreicht ist. Die Geldmarkt-Futures preisen jedoch weiterhin ein, dass die Fed Ende 2026 angesichts der starken Konjunktur die Zinsen leicht anheben könnte. Zudem gilt eine zweite Zinsanhebung der EZB zur Inflationsbekämpfung im Herbst als wahrscheinlich. Die Aufwärtskorrektur der Schätzungen für das Gewinnwachstum der Unternehmen hat sich fortgesetzt. Weltweit liegt das erwartete Gewinnwachstum für 2026 bei 28 %; dies erklärt den Anstieg des MSCI um rund 12 % im ersten Halbjahr. China bleibt dabei etwas im Hintergrund, da die Auswirkungen der Iran-Krise dort begrenzt waren. Dies gilt sowohl für den Inflationsdruck als auch für die Dämpfung der Wirtschaftstätigkeit.
Bislang war das Jahr 2026 ein ereignisreiches Jahr, allen voran aufgrund der bekannten geopolitischen Ereignisse. Doch wie hat sich dies auf die makroökonomische Gesamtperspektive ausgewirkt, die die Märkte davon zeichnen? Wir versuchen, dies aus der Perspektive des Konsensus von Ökonomen und Finanzanalysten sowie anhand der aus den Marktpreisen abgeleiteten Erwartungen zu betrachten.
Die entscheidenden Elemente in der ersten Jahreshälfte waren die Auswirkungen des Krieges im Iran auf den Ölpreis sowie die Sperrung der Strasse von Hormus, die zu einem deutlichen Anstieg der Inflationserwartungen führten.
In der Eurozone wurden, im Vergleich zu den Prognosen zu Jahresbeginn, die von einer stabilen Inflationsrate knapp unter 2 % ausgingen, die Schätzungen für 2026 deutlich nach oben korrigiert, und zwar auf rund 3 %. Für 2027 fiel die Aufwärtskorrektur des Konsensus jedoch geringer aus, was auf den temporären Charakter des Inflationsschocks hindeutet.
Ähnliche Überlegungen gelten für die USA, wo die durchschnittliche Inflationsrate für 2026 nun bei 3,5 % erwartet wird. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber 2025, doch 2027 dürfte sie wieder auf ein Niveau zurückkehren, das nicht allzu weit von 2 % entfernt ist, was auch in diesem Fall auf die temporäre Natur des Inflationsschocks hindeutet.
Beim Wirtschaftswachstum ist trotz des anhaltenden globalen Konjunkturzyklus eine Abwärtskorrektur der Wachstumsprognosen aufgrund des Schocks auf dem Ölmarkt als Folge der geopolitischen Spannungen zu beobachten.
In der Eurozone war die Korrektur der Wachstumsprognosen recht deutlich. Hier wirken sich die Folgen der Energiekrise stärker auf die Wirtschaftstätigkeit aus als in den USA, da die Abhängigkeit von Rohstoffimporten grösser ist.
Das durchschnittliche Wachstum in der Eurozone wird für 2026 auf unter 1 % geschätzt, was etwa der Hälfte des im Jahr 2025 erzielten Wachstums entspricht; auch die Erwartungen für 2027 wurden leicht nach unten korrigiert.
In den USA erscheint die Lage widerstandsfähiger, da die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen durch den strukturellen Investitionszyklus im Technologiebereich und einen sich wieder erholenden Arbeitsmarkt mehr als ausgeglichen werden.
Daher fällt die Abwärtskorrektur der Wachstumsprognosen für die US-Wirtschaft für das Jahr 2026 geringer aus als jene für Europa, wobei das Wachstum voraussichtlich dennoch bei rund 2 % liegen wird, was sowohl mit dem Jahr 2025 als auch mit den Erwartungen für 2027 im Einklang steht.
Der durch den Inflationsdruck ausgelöste Ölpreisanstieg hat sich auch auf die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken ausgewirkt.
In Europa hat sich die EZB trotz eines verhaltenen Wirtschaftswachstums, das durch den Energieschock negativ beeinflusst wurde, auf das Inflationsrisiko und dessen indirekte Auswirkungen fokussiert und die Zinsen im Juni von 2 % auf 2,25 % (Einlagezins) angehoben.
Der Markt rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung im Laufe des Jahres. Allerdings hängt vieles von der Entwicklung des Ölpreises nach dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Wiederöffnung der Strasse von Hormus ab.
Was die Fed betrifft, so wurden die zu Jahresbeginn, vor dem US-Iran-Konflikt, erwarteten Zinssenkungen für das Jahr 2026 zurückgestellt. Derzeit haben ein solides makroökonomisches Umfeld, ein sich erholender Arbeitsmarkt und eine aufgrund des Energieschocks anziehende Inflation die Fed dazu veranlasst, ihre Zinsprognosen leicht nach oben zu korrigieren.
Die Geldmarkt-Futures, die sich eher auf die Stärke der Wirtschaft als auf Inflationsängste konzentrieren, gehen sogar davon aus, dass Ende 2026 eine Zinsanhebung erforderlich sein könnte, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden.
Was die Anleihenmärkte betrifft, so lässt sich dank der Forward-Zinsen ein Blick in die Zukunft werfen, die die künftigen Zinssätze anzeigen, die in der aktuellen Kurvenform enthalten sind.
Die Euro-Zinskurve weist kurzfristige Zinsen von knapp 2,6 % und langfristige Zinsen (10 Jahre) von 3 % auf. Die in einem Jahr positiv geneigte Future Kurve bewegt sich im Wesentlichen auf dem aktuellen Niveau, was darauf hindeutet, dass die Märkte eine mögliche weitere EZB-Zinserhöhung bereits eingepreist haben und weder erhebliche Wachstums- noch Inflationsrisiken erwarten.
Die US-Zinskurve weist kurzfristige Zinsen von 3,6 %und langfristige Zinsen (10 Jahre) von 4,5 % auf. Die leicht abgeflachte Future-Kurve für das kommende Jahr, bei der die kurzfristigen Zinsen über dem aktuellen Niveau liegen, preist angesichts der starken Konjunktur eine Fed Zinserhöhung ein. Die Tatsache, dass die langfristigen Zinsen nahe dem aktuellen Niveau verbleiben, spiegelt die erwartete Wirksamkeit dieser Massnahme bei der Inflationseindämmung wider.
Diese Erwartungen würden es den Anlegern ermöglichen, den laufenden Kuponertrag zu vereinnahmen und im Falle einer unerwarteten Abschwächung des Konjunkturzyklus zusätzliche Kursgewinne zu realisieren. Dies wirkt wie eine Art Versicherung gegen eine Rezession.
Trotz der geopolitischen Spannungen und der verschlechterten Wachstumsprognosen war in der ersten Hälfte des Jahres 2026 eine deutliche Aufwärtskorrektur der Unternehmensgewinne zu beobachten.
Nach der zollbedingten Stagnation im Jahr 2025 wird in der Eurozone (EURO STOXX) für 2026 ein Gewinnwachstum von 15 % erwartet. Auch für 2027 wird ein Anstieg prognostiziert, wenn auch in geringerem Tempo als in den USA und anderen Regionen, in denen der Technologiesektor eine grössere Rolle spielt.
In den USA (S&P 500) wird für 2026 ein Gewinnwachstum von 24 % gegenüber 2025 und anschliessend von etwa 18 % im Jahr 2027 erwartet, was auf den strukturellen Technologieinvestitionszyklus zurückzuführen ist.
Weltweit beträgt das erwartete Gewinnwachstum für 2026 28 %; dies erklärt den Kursanstieg des MSCI AC World um rund 12 % im ersten Halbjahr.
Es handelt sich um einen soliden Gewinnwachstumszyklus, der durch Investitionen in Technologie und künstliche Intelligenz gestützt wird und der es der Wirtschaft und den Aktienmärkten ermöglicht hat, die geopolitischen Spannungen und den Anstieg der Energiepreise abzufedern.
