Fed: KI-Boom treibt Preise für Elektronik, Inflation bleibt wohl erhöht

Robert Sockin, Chief US Economist bei PGIM. (Bild: PGIM)

Kommentar von Robert Sockin, Chief US Economist bei PGIM

Die Marktteilnehmer sind weiterhin damit beschäftigt, die jüngsten, schwächer als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten zu verarbeiten. Die negativen Monatswerte des Verbraucherpreisindex (CPI) und des Erzeugerpreisindex (PPI) für Juni deuten darauf hin, dass der Kern-PCE-Index für die Verbraucherpreise (Personal Consumption Expenditures) – der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator – möglicherweise den niedrigsten Stand seit mindestens einem Jahr erreichen könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir zwei mögliche Entwicklungspfade für die US-Inflation. Der erste ist ein Szenario, in dem die Inflation weiterhin deutlich sinkt, was die Fed dazu veranlassen würde, die Zinsen unverändert zu lassen oder sie in diesem Jahr sogar zu senken.

Wir erkennen jedoch kaum – wenn überhaupt – fundamentale Faktoren, die den Weg für eine niedrigere Inflation ebnen würden. So haben beispielsweise Datenreihen mit geringen Auswirkungen für die künftige Inflation – wie Beherbergungs-, Verkehrs- und Kommunikationsdienstleistungen – die jüngsten Inflationswerte nach unten gedrückt. Darüber hinaus ist der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus erneut stark beeinträchtigt, da der Konflikt im Nahen Osten wieder eskaliert ist.

Der zweite Szenarioverlauf sieht vor, dass die Inflation auf einem hohen Niveau bleibt. Dies würde die Fed dazu veranlassen, die Zinsen noch in diesem Jahr anzuheben. Genau in diese Richtung entwickeln sich die Rahmenbedingungen unserer Ansicht nach. Tatsächlich bestehen die Treiber für eine hohe Inflation weiterhin: ein über dem Trend liegendes BIP-Wachstum, das sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 wahrscheinlich noch beschleunigen wird, ein angespannter Arbeitsmarkt, der Aufwärtsdruck auf das Lohnwachstum ausüben wird, sowie angebotsseitige Engpässe in den Bereichen Energie, Technologie, Handel und Arbeitskräfte

Betrachtet man den parabelförmigen Anstieg der PPI-Reihe für elektronische Bauteile und Zubehör in der nachfolgenden Grafik, wird die Bedeutung der Engpässe im Zusammenhang mit dem Boom bei KI-Investitionen deutlich.

Quelle: PGIM

Auch die Sprecher der Fed haben einen restriktiven Ton beibehalten, sodass eine Zinserhöhung bei der FOMC-Sitzung im Juli nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Wir gehen davon aus, dass es zumindest zu einer restriktiven Beibehaltung des Zinsniveaus kommen könnte, bevor die Fed ab September drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte in diesem Jahr vornimmt. (PGIM/mc/ps)

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