Peru, Kolumbien und Chile holen auf: Trends stützen Anlageaussichten für Lateinamerika

James Syme, Senior Fund Manager bei J O Hambro. (Foto: J O Hambro)

Von James Syme, Senior Fondsmanager bei J O Hambro

In der Andenregion hat ein bemerkenswerter politischer Wandel stattgefunden: In Peru, Kolumbien und Chile setzen die Regierungen nun den Schwerpunkt auf Sicherheit, wirtschaftlichen Pragmatismus und private Investitionen. Wir sind der Ansicht, dass dies vor allem eine grössere politische Vorhersehbarkeit und ein günstigeres Umfeld für langfristige Investitionen mit sich bringt, insbesondere in den Bereichen Rohstoffe und Infrastruktur. Institutionelle Hindernisse sind nach wie vor erheblich, was bedeutet, dass Reformen trotz einer gemeinsamen politischen Ausrichtung wahrscheinlich schrittweise und uneinheitlich verlaufen werden. Wir sind derzeit weder in Peru, Kolumbien noch in Chile engagiert, halten jedoch übergewichtete Positionen in Mexiko und Brasilien. Wir beobachten weiterhin die Entwicklungen in der gesamten Region im Hinblick auf künftige Chancen, da wir der Ansicht sind, dass diese Trends die allgemeinen Anlageaussichten für Lateinamerika stützen.

Mehr wirtschaftlicher Pragmatismus
Die politischen Rahmenbedingungen in der gesamten Andenregion haben sich im vergangenen Jahr erheblich verbessert. Chile war Vorreiter dieses Wandels mit der Wahl einer konservativen Regierung Ende 2025. Damit rückten Wirtschaftswachstum, Investitionen und öffentliche Sicherheit stärker in den Mittelpunkt. Bei der Präsidentschaftswahl in Peru im Juni 2026 setzte sich nach Jahren politischer Instabilität und wiederholter Führungswechsel eine marktfreundlichere Regierung durch, auch wenn das knappe Wahlergebnis darauf hindeutet, dass Herausforderungen bei der Regierungsführung bestehen bleiben werden. Nur wenige Tage später brachte die Wahl in Kolumbien im Juni 2026 einen konservativeren Präsidenten an die Macht. Dieser hatte bereits einen Finanzminister ernannt, dessen Schwerpunkt darauf liegt, nach mehreren Jahren expansiver Fiskalpolitik die Glaubwürdigkeit der Haushaltspolitik wiederherzustellen.

Auch wenn das Reformtempo von Land zu Land unterschiedlich ausfallen dürfte, haben sich alle drei Länder in Richtung einer Regierung entwickelt, die makroökonomischer Stabilität, privaten Investitionen und dem Vertrauen der Anleger grössere Bedeutung beimessen. Als „Top-down“-Investoren mit Fokus auf einzelne Länder sind wir überzeugt, dass politische Wendepunkte häufig Veränderungen der wirtschaftlichen Fundamentaldaten und der Aktienmarktentwicklung vorwegnehmen können.

Fiskaldisziplin schafft Spielraum für Wachstum
Für die Kapitalmärkte kommt es weniger auf Ideologie an, sondern auf das Investitionsklima, das dadurch geschaffen wird. Langfristig angelegte Bergbau-, Energie- und Infrastrukturprojekte erfordern Vertrauen in Regulierung, das Steuerwesen und Genehmigungsverfahren. Ein berechenbareres politisches Rahmenwerk dürfte Kapitalinvestitionen fördern, die Exportkapazitäten stärken und im Laufe der Zeit durch stärkere Währungen sowie höhere Beschäftigung, Einkommen und Binnennachfrage ein breiteres Wirtschaftswachstum unterstützen.

Das makroökonomische Umfeld dürfte sich verbessern, wenn auch nur schrittweise. Eine lockere Fiskalpolitik unter früheren Regierungen hat in weiten Teilen der Region zu einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik beigetragen. Gelingt es den Regierungen, wieder mehr Haushaltsdisziplin durchzusetzen, sollten die Zentralbanken ihre Geldpolitik lockern können. Zusammen mit stärkeren privaten Investitionen dürfte dies die Binnennachfrage unterstützen.

Ein Erfolg ist jedoch nicht garantiert. Peru hat weiterhin mit schwachen politischen Institutionen und einer tiefgreifenden Polarisierung zu kämpfen. Angesichts des zersplitterten Kongresses in Kolumbien wird die Bildung von Koalitionen für sinnvolle Reformen auch weiterhin unerlässlich sein. Chile verfügt zwar über solidere institutionelle Grundlagen als andere Länder der Region, doch wird es zwangsläufig einige Zeit dauern, bis sich die Gesetzesreformen in höheren Investitionen und schnellerem Wachstum niederschlagen.

Insgesamt sind wir der Ansicht, dass sich die Rahmenbedingungen für Anleger in der gesamten Andenregion verbessert haben. Der Ausblick wird letztlich vom Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen im Oktober abhängen.

J O Hambro

Exit mobile version