Von Alexandre Jaeglé, Head of Business Development bei SCOR Investment Partners
Europäische syndizierte Kredite unterscheiden sich von Direktkrediten insbesondere durch ihre Liquidität und Transparenz. Die beiden Segmente des Kreditmarktes stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander, sie können sich ergänzen.
Die Bedenken rund um Private Debt können dazu führen, dass syndizierte Kredite mit Direktkrediten gleichgesetzt werden. Beide Finanzierungsformen gehören zum Kreditmarkt und dienen der Unternehmensfinanzierung. Sie unterscheiden sich jedoch wesentlich hinsichtlich Liquidität und Transparenz.
Syndizierte Kredite, auch Broadly Syndicated Loans (BSL) genannt, sind Unternehmenskredite, die von einer Bank an eine breite Gruppe von Investoren verteilt werden. Sie werden von Banken strukturiert, arrangiert und verwaltet und dienen hauptsächlich der Finanzierung etablierter Unternehmen, die sich häufig im Besitz von Private-Equity-Gesellschaften befinden. Direktkredite hingegen richten sich eher an mittelgrosse, nicht börsenkotierte Unternehmen.
Als Anlageklasse sind syndizierte Kredite zwischen Hochzinsanleihen und Direktkrediten angesiedelt. Sie verbinden die Liquidität und Transparenz von Hochzinsanleihen mit der Besicherung und der vorrangigen Stellung in der Kapitalstruktur, wie sie für Direktkredite charakteristisch sind.
Liquidität als entscheidender Unterschied
Der erste wesentliche Unterschied betrifft die Liquidität. Direktkredite sind ihrem Wesen nach illiquide. Syndizierte Kredite hingegen weisen eine tägliche Marktliquidität auf und werden aktiv ausserbörslich zwischen Marktteilnehmern gehandelt. Ihre Käuferbasis ist breit und etabliert. Dazu gehören insbesondere Banken, institutionelle Investoren sowie Manager von Collateralized Loan Obligations (CLO).
Obwohl syndizierte Kredite nicht wie Aktien an einer Börse kotiert sind, werden dank der Preisstellungen von Marktintermediären und eines aktiven Sekundärmarktes täglich Kurse ermittelt. Anleger verfügen damit über transparente Bewertungen und die Möglichkeit, Kredite regelmässig zu kaufen oder zu verkaufen.
Portfolios mit syndizierten Krediten lassen sich ähnlich aktiv verwalten wie Hochzinsanleihenportfolios, wobei die Besicherung der syndizierten Kredite erhalten bleibt. In Stressphasen kann die Liquidität allerdings abnehmen, was sich auf die Volatilität der Preise auswirken kann.
Der Markt für syndizierte Kredite galt lange als Nischensegment, hat sich inzwischen jedoch zu einem bedeutenden und etablierten Markt entwickelt. Ende September 2026 umfasste er ein ausstehendes Volumen von 359 Mrd. EUR und 327 Emittenten. In den vergangenen drei Jahren ist er kumuliert um 28% gewachsen (Morningstar European Leveraged Loan TR EUR, Stand Ende September 2026).
Das Wachstum des Marktes und die zunehmende Markttiefe stärken die Liquidität des Sekundärmarktes und verbessern die Preistransparenz.
Höhere Transparenz
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen syndizierten Krediten und Direktkrediten liegt in der Transparenz. Während syndizierte Kredite ein hohes Mass an Transparenz bieten, ist diese bei Direktkrediten begrenzter. Ausschlaggebend dafür sind insbesondere die täglich verfügbaren Marktpreise und der aktive Sekundärmarkt für syndizierte Kredite.
Auch die Bonitätsbewertungen durch Ratingagenturen wie S&P und Moody’s erhöhen die Transparenz hinsichtlich der Kreditrisiken. Mehr als 97% der syndizierten Kredite verfügen über ein Rating (Quelle: PitchBook Data Inc.).
Um die damit verbundenen Risiken zu kontrollieren, bleiben eine gründliche Fundamentalanalyse, eine sorgfältige Kreditauswahl und die laufende Überwachung der Positionen jedoch unerlässlich.
Besicherung bietet Schutz, Kreditrisiken bleiben bestehen
Die Mehrheit der syndizierten Kredite ist dem spekulativen Bonitätssegment zuzuordnen. Sie weisen damit ein höheres Kreditrisiko auf als Anlagen mit Investment-Grade-Rating. Das Kreditrisiko bleibt folglich der zentrale Risikofaktor dieser Anlageklasse.
Ihr Status als vorrangig besicherte Kredite (Senior Secured Loans) bietet jedoch wichtige Schutzmechanismen. Die Kreditgeber stehen in der Kapitalstruktur an vorrangiger Stelle und verfügen über Sicherheiten an wesentlichen Vermögenswerten des Kreditnehmers.
Diese vorrangige Stellung und die vorhandenen Sicherheiten tragen dazu bei, dass die historisch beobachteten Rückgewinnungsquoten bei Zahlungsausfällen bei rund 70 bis 75% liegen.
Zwei sich ergänzende Segmente des Kreditmarktes
Syndizierte Kredite und Direktkredite sollten nicht als Gegensätze betrachtet werden. Sie weisen unterschiedliche Merkmale auf und können innerhalb einer Anlageallokation komplementäre Funktionen erfüllen.
Im Vergleich zu Private Credit bieten syndizierte Kredite eine höhere Flexibilität, bessere Möglichkeiten zur Anpassung des Portfolios und mehr Transparenz. Gleichzeitig verfügen sie dank ihrer vorrangigen Stellung in der Kapitalstruktur und ihrer Besicherung über wichtige Schutzmerkmale.
Für institutionelle Anleger in der Schweiz kommt es darauf an, diese Eigenschaften im Hinblick auf ihre jeweiligen Allokationsbedürfnisse zu beurteilen.
Europäische syndizierte Kredite weisen somit innerhalb der Kreditmärkte ein eigenständiges Profil auf: Sie verbinden eine variable Verzinsung mit einer vorrangigen Stellung in der Kapitalstruktur und Marktliquidität. Diese Merkmale unterscheiden sie von Direktkrediten, ohne dass die beiden Segmente als Gegensätze betrachtet werden müssen.
