Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Reale Inflation – Das Gespenst ist wieder da

Von Robert Jakob

Die schrittweisen Lockerungen der Corona-Massnahmen hatten auch ‘was Schlechtes. Die Geldentwertung grinst uns an.

Getrieben wurde der Schluckauf bei der Inflation vor allem durch höhere Preise bei Energie, Flugtickets, Autovermietung, Übernachtungen und Miete. Letztere machen den bedeutendsten Posten im Warenkorb aus. In Deutschland sind das beispielsweise 19,7 Prozent, in der Schweiz sogar 20,7.

Preisschub durch Nachholeffekt
Wegen der Pandemie hatte die Schweizer Inflation im Juni vergangenen Jahres mit -1,3 Prozent einen Tiefpunkt erreicht. In den Folgemonaten ging es mehr oder weniger konstant bergauf. Der April 2021 lag annualisiert mit 0,3% im Plus. Allerdings verstecken sich dahinter auch künstliche statistische Bremsen. So werden etwa bei den Mieten die Bestandsmieten herangezogen. Die grossen Preissteigerungen finden aber bei Neu- und Wiedervermietungen statt, und dort vor allem in den Zentren. So gehen beispielsweise in München schon mal locker die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens für die Miete drauf. Auch in Lausanne, Genf oder Zürich ächzen Wohnungssuchende unter den hohen Mietpreisen. In der Schweiz sind die Angebotsmieten in den letzten 15 Jahren mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Bestandsmieten. Letztere im Schnitt lediglich um zehn Prozent.

Vor allem kurzfristig hat es allerlei Gründe für anhaltenden inflationären Druck. Weil die Wirtschaft neu durchstartet, gibt es neben höheren Rohstoffpreisen, steigende Frachtkosten, Engpässe bei den Zulieferern (beispielsweise bei Halbleitern) und Preissteigerungen im Dienstleistungssektor. Die gestiegenen Einkaufsmanagerindizes deuten als vorlaufende Indikatoren höhere Einkaufspreise und längere Lieferfristen an. Der Inflationsdruck sollte also noch ein paar Monate von Dauer sein. Dann wird sich das Angebot an die Wiedereröffnung angepasst haben und der Nachholeffekt verpuffen.

Preisbremsend wird dann wieder die Globalisierung wirken, welche die Löhne drückt und die Waren billiger macht. Allerdings dürften die Zeichen der Zeit nicht mehr auf Deflation stehen.

Zentralbanken werden der Inflation auf die Beine helfen
Denn die Zentralbanken werden sich Zeit lassen, bis sie die Geldpolitik wieder straffen. Die meisten Volkswirtschaften sind noch weit von der Vollbeschäftigung entfernt. Zinserhöhungen wären Gift für die Konjunktur sowie für das Staatssäckel wegen der exorbitanten Staatsverschuldung. Im Euroraum hat sie gerade 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Eine scharfe Korrektur bei den heissgelaufenen Vermögenswerten würde die Zentralbanken ebenfalls zu «Lockerungsübungen» verleiten, um die einheimischen Banken zu stützen.

Die US-Notenbank hat bereits seit längerem angekündigt, eine Teuerung über dem Inflationsziel zuzulassen. Gegen Jahresende sollten wir uns daher auf ein neues Gleichgewicht bei den realen Inflationsraten einstellen, da das verzögerte Eingreifen der Notenbanken dann seine Wirkung zeigen wird.

Für die Verbraucher wird es ungemütlich. Sie haben es sicherlich schon beim täglichen Einkauf gemerkt: Unternehmen treiben die Inflation versteckt nach oben, indem sie die Preise beibehalten, aber die Packungsgrössen reduzieren. Da wird plötzlich heimlich die Anzahl der Blätter auf Klopapierrollen reduziert oder die Standardpackung Kekse enthält nicht mehr 100g, sondern nur noch deren 90.


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