Sygnum Bank: Bitcoin-Neubewertung im Kontext

Fabian Dori, Chief Investment Officer von Sygnum. (Bild: Sygnum)

Warum Bitcoin in den letzten Monaten Tiefststände erreicht hat und warum die langfristige Perspektive im Wesentlichen unverändert bleibt.

Von Fabian Dori, CIO, Sygnum Bank

Bitcoin ist in den letzten Tagen und Wochen auf mehrmonatige Tiefststände zurückgefallen und wird unter 70’000 US-Dollar gehandelt. Zwei Themen dominierten die Schlagzeilen: Der erste Bitcoin-Verkauf von Strategy seit über drei Jahren sowie der fragile Waffenstillstand im Iran und der langsame Fortschritt bei einem umfassenderen Abkommen. Aus unserer Sicht verändern diese Entwicklungen die zugrundeliegende These derzeit nicht. Unserer Einschätzung nach spiegelt der Rückgang kurzfristige Positionierungen und eine teilweise Enthebelung angesichts eines unsicheren makroökonomischen Umfelds wider, nicht aber eine Verschlechterung der langfristigen Fundamentaldaten.

Erster Bitcoin-Verkauf von Strategy: inhaltlich geringfügig
Strategy gab in einer Meldung vom 1. Juni bekannt, dass zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 77’135 US-Dollar verkauft wurden, was etwa 2,5 Millionen US-Dollar einbrachte. Dies war der erste Verkauf seit Dezember 2022 und sorgte aufgrund der bekannten „niemals verkaufen“-Haltung des Unternehmens für Aufsehen. Drei Punkte relativieren dies:

Die Lage im Iran: Waffenstillstand fragil, Fortschritte langsam
Die vorläufige Verlängerung des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran hat das Gesamtbild verbessert, und die teilweise Rücknahme der Ölpreisprämie ist eine positive Entwicklung für den Inflationsdruck und damit auch für Risikoanlagen. Dennoch bleibt der Waffenstillstand fragil, und die Fortschritte bei einem umfassenderen Abkommen sind schleppend. Es gab keine klaren oder koordinierten Updates zum Rahmen oder zum weiteren Vorgehen, und diese anhaltende Unsicherheit belastet die Stimmung und gibt Anlegern einen Grund, kurzfristig Risiko zu reduzieren.

Fazit
Die jüngste Schwäche wirkt wie eine kurzfristige Positionsbereinigung und nicht wie eine strukturelle Veränderung der institutionellen Nachfrage. Bitcoin hatte sich seit Beginn des Konflikts relativ gut entwickelt und war daher eine natürliche Liquiditätsquelle für Investoren, die Risiken in ihren Portfolios reduzierten. Unserer Ansicht nach bleibt seine langfristige Rolle im Portfolio im Wesentlichen unverändert; seine Absicherungsfunktion wurde vorübergehend durch makroökonomische Positionierungen und Gewinnmitnahmen überlagert.
Die fundamentalen Faktoren, die die langfristige Perspektive stützen (wachsende institutionelle Adoption, zunehmende regulatorische Klarheit und eine reifere Marktstruktur), bleiben nach wie vor intakt. Konsolidierungsphasen sind eine normale Erscheinung dieser Anlageklasse, und wir beobachten die Entwicklungen weiterhin genau. (Sygnum Bank/mc/ps)

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