Tropen: Weniger Wolken heizen Erde weiter auf

Antarktis

Tropenwald: Weniger Bewölkung nicht förderlich (Foto: Sven Brenner – Fotolia.com)

Zürich – Die niedere Bewölkung in den Tropen nimmt ab, wenn es auf der Erde wärmer wird. Da diese Bewölkung auf das Klima einen kühlenden Effekt hat, könnte die Zwei-Grad-Marke der Klimaerwärmung früher erreicht werden als von vielen Modellen vorhergesagt. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) Zürich anhand der Auswertung von Satellitendaten.

2,3 Grad eher wahrscheinlich
«Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Wert tiefer ist als 2,3 Grad. Die Klimasensitivität liegt eher in der oberen Hälfte der bisherigen Schätzungen, wahrscheinlich im Bereich von vier Grad», sagt ETH-Klimadynamik-Professor Tapio Schneider. Hauptgrund für die bisherigen grossen Unsicherheiten bei der Bemessung der Klimasensitivität sei, dass man bisher den Einfluss der Bewölkung – insbesondere der tiefliegenden Bewölkung in den Tropen – nur sehr ungenau habe einschätzen können.

Um diese Frage zu klären, werteten Schneider und sein Team grosse Mengen von Satellitendaten der vergangenen 15 Jahre aus. Es handelt sich dabei um Daten von Strahlungsmessgeräten an Bord von Satelliten des NASA-Programms «Ceres». Diese messen kontinuierlich, wie viel Sonnenlicht von der Erde reflektiert und in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Die ETH-Forscher konnten zeigen, dass es in der Vergangenheit in wärmeren Jahren in den Tropen weniger niedere Wolken gab als in kälteren Jahren.

Klimasensitivität viel massiver
Die neuen Infos haben die Fachleute dazu genutzt, um die Qualität von knapp 30 existierenden Klimamodellen zu bewerten. Es zeigte sich: Fast alle Modelle, welche im Einklang mit den Beobachtungsdaten standen, sagen auch für eine langfristige globale Erwärmung weniger niedere Wolken voraus. Die Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass diese Bewölkung im Rahmen der fortschreitenden Klimaerwärmung weiter abnehmen wird.

Zudem berechnen alle Klimamodelle, die mit den Beobachtungen übereinstimmen, eine Klimasensitivität von mindestens 2,3 Grad, bei den meisten liegt sie wesentlich höher. Ein Fazit daraus: Die im Pariser Abkommen beschlossene Marke der durchschnittlichen Erderwärmung um zwei Grad wird voraussichtlich früher erreicht als bisher zu erwarten gewesen ist. Weil die Klimasensitivität eher im oberen Bereich des bisher Angenommenen liegt, bedarf es dazu einer geringeren Zunahme der CO2-Konzentration als bisher gedacht. (pte/mc/ps)

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