VP Bank Spotanalyse: Schweizer Wirtschaft wächst, gleichzeitig steigt Inflation

Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Die Kombination aus robustem BIP-Wachstum und höherer Teuerung erhöht den Druck auf die SNB.

Das um Sportgrossanlässe bereinigte BIP (Brutto Inlandsprodukt) stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1.5 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Inflationsrate im August überraschend deutlich von 0.4 % auf 0.8 %.

Das Wachstum fällt beeindruckend aus. Vor allem die Industrie trug dazu bei, allen voran die Chemie- und Pharmabranche. Rund zwei Drittel des gesamten Wachstums entfielen auf diesen Sektor. Positive Impulse kamen jedoch auch aus dem Inland. Die heimische Endnachfrage nahm um 0.5 % zu und lag damit im Bereich ihres historischen Durchschnitts. Die privaten Konsumausgaben stiegen moderat um 0.3 %.

Besonders stark erhöhten die Haushalte ihre Ausgaben für Gesundheit, Nahrungsmittel sowie Gaststätten und Beherbergung. Dagegen bremsten die Ausgaben für Verkehr sowie Freizeit und Kultur.

Für die Schweizer Konjunktur verläuft das Jahr bislang erfreulich. Bereits im ersten Quartal legte das BIP um 0.5 % zu. Damit ist die Wirtschaft solide ins Jahr gestartet. Die Ausgangslage war alles andere als günstig. Die Ölpreise waren stark gestiegen, und geopolitische Unsicherheiten belasteten die Perspektiven. Dennoch zeigt die europäische Industrie derzeit eine bemerkenswerte Erholung.

Auch in den Nachbarländern entwickelt sich die Wirtschaft besser als erwartet. Das gilt insbesondere für Deutschland. Gewinnt die europäische Binnenwirtschaft weiter an Dynamik, wird auch die Schweiz davon profitieren. Der aussergewöhnlich starke BIP-Anstieg des zweiten Quartals dürfte sich zwar kurzfristig nicht wiederholen, die Wachstumsraten sollten aber vorerst robust bleiben.

Die erneut gestiegenen Ölpreise hinterlassen inzwischen auch im schweizerischen Konsumentenpreisindex deutliche Spuren. Bisher standen vor allem die grossen Zentralbanken wie die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank vor steigenden Inflationsrisiken. Nun rückt auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) stärker in den Fokus.

Im August stieg die Inflationsrate überraschend kräftig von 0.4 % auf 0.8 %. Der Anstieg geht zwar vor allem auf höhere Energiepreise zurück. Doch auch die Kerninflation, die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, erhöhte sich moderat von 0.3 % auf 0.4 %. Damit wächst der Handlungsdruck auf die SNB. Eine Inflationsrate von 0.8 % und ein Wirtschaftswachstum von 1.5 % passen nur schwer zu einem leicht negativen Saron (schweizerischer Referenzzinssatz für Tagesgeldgeschäfte).

Zwar besteht angesichts der weiterhin vergleichsweisen tiefen Teuerung kein akuter Handlungsbedarf. Die Risiken für die Preisentwicklung haben sich jedoch auch in der Schweiz zunehmend nach oben verschoben.

Die SNB dürfte ihren geldpolitischen Kurs daher überprüfen müssen. Eine Zinserhöhung im Dezember lässt sich nicht ausschliessen. (VP Bank/mc/ps)

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