AllianzGI: Globales Wachstum bleibt trotz unterschiedlicher Inflationsentwicklung stabil – Diversifikation entscheidend

Christian Schulz

Christian Schulz, Chefvolkswirt AllianzGI. (Foto: AllianzGI/mc)

Frankfurt – Regional gut diversifizierte Portfolien, die Investments in Tech-Aktien mit Schwellenländer-Engagement, Edelmetallen und unterbewerteten Währungen verbinden, dürften Investoren unter Rendite-Risiko-Abwägungen den grössten Mehrwert bieten.

Nach Ansicht von AllianzGI geht die Weltwirtschaft mit einer „gebogenen, aber nicht gebrochenen“ Konjunktur in das Jahr 2026 – gestützt durch eine lockere Geldpolitik, solide Unternehmensbilanzen und strukturelle Impulse durch künstliche Intelligenz (KI). Unterdessen entwickelt sich die Inflation ungleichmässig und hartnäckig – letzteres vor allem wegen der USA. In anderen Ländern tendiert sie nach unten. Vor diesem Hintergrund hat AllianzGI seine risikofreudige Haltung verstärkt und bevorzugt eine Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen und Regionen hinweg. Geopolitische Risiken dürfen jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, wie die Intervention der USA in Venezuela zu Beginn des Jahres zeigt.

Trotz nachlassender Dynamik in einigen Märkten bietet Europa selektive Chancen, während Asien sowohl bei Aktien als auch mit Blick auf die Währungen weiterhin unterbewertet erscheint. Die Kombination von Positionen in strukturellen Wachstumstreibern wie KI mit Engagements in Schwellenländern, Edelmetallen und unterbewerteten Währungen kann zu einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil beitragen – in einem Jahr, das AllianzGI als robust, aber dennoch komplex einschätzt und in dem aktivem Management eine entscheidende Bedeutung zugutekommt.

Makro-Umfeld
Christian Schulz, Chefvolkswirt erläutert: „In den USA hat sich die Wirtschaft als überraschend widerstandsfähig erwiesen, doch das zugrundeliegende Wachstum bleibt fragil. Wir gehen daher davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2026 mit etwa 1,4 bis 1,9 % unter ihrem Potenzial liegen wird. In Europa erwarten wir für 2026 einen ausgewogeneren Konjunkturausblick für die Eurozone, gestützt durch eine moderate Inflation – die wahrscheinlich unter das Ziel der Europäischen Zentralbank von 2 % fallen wird – und stärkere fiskalische Unterstützungsmassnahmen, insbesondere durch Deutschland. Das chinesische BIP dürfte sich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 dank vorgezogener fiskalischer Anreize vorübergehend erholen. Das Wachstum wird jedoch zu seinem strukturell langsameren Verlauf zurückkehren, mit einer Jahresleistung von etwa 4,2 bis 4,7 % angesichts gedämpfter Konsumausgaben. In Japan könnten die erwarteten höheren fiskalischen Ausgaben die Bank of Japan (BoJ) zu einer aggressiveren Straffung zwingen als die derzeit von uns bis Mitte 2026 erwartete Anhebung um 25 Basispunkte.“

Aktien-Strategien
Michael Heldmann, CIO Equity, kommentiert: „Obwohl die Bewertungen in den USA insbesondere bei Mega-Cap-Technologieunternehmen erhöht sind, gibt es nach wie vor selektive Chancen, die durch eine Erholung der Investitionsausgaben im verarbeitenden Gewerbe gestützt werden. Im Gegensatz dazu sind japanische und britische Aktien unserer Einschätzung nach trotz moderater Gewinne weiterhin unterbewertet, während Europa von fiskalischen Anreizen und Initiativen zur strategischen Autonomie profitiert. In Asien bieten der Siegeszug der KI in China und die expandierende digitale Wirtschaft Indiens überzeugende Wachstumsaussichten. Auf Sektorebene erholen sich der Bereich Life Science, die langfristigen Aussichten für die transformativen Auswirkungen der KI bleiben stabil, und Versorger dürften von der steigenden Energienachfrage profitieren.“

Anleihe-Strategien
Jenny Zeng, CIO Fixed Income, bemerkt: „Angesichts der Divergenzen an den globalen Anleihemärkten bevorzugen wir einen aktiven Ansatz beim Durationsmanagement. In Kernmärkten wie den USA werden Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit bevorzugt, da eine Versteilung der US-Zinsstrukturkurve zu erwarten ist. In Kanada sind Strategien attraktiv, die auf eine Verflachung der Zinsstrukturkurve setzen, da die geldpolitische Lockerung sich ihrem Ende nähert. Staatsanleihen aus Schwellenländern – insbesondere aus Brasilien, Peru und Südafrika – bieten derweil attraktive Realrenditen. Bei Investment-Grade-Anleihen bevorzugen wir die höherrangigen Segmente der Kapitalstruktur und geben Finanz- und Versorgungsunternehmen den Vorzug gegenüber zyklischen Industriewerten. Hochverzinsliche Anleihen erfordern einen selektiven, diversifizierten Ansatz, mit Chancen bei Unternehmen aus Schwellenländern und asiatischen High Yields.“

Multi Asset-Strategien
Gregor MA Hirt, CIO Multi Asset, sagt: „Trotz der jüngsten Marktvolatilität sind wir optimistisch in Hinblick auf risikoreichere Anlagen. Aktien sind unsere bevorzugte Anlageklasse, die durch robuste, KI-getriebene Gewinne gestützt wird. Bei Anleihen sind wir am konstruktivsten in Bezug auf Steepener und moderat positiv in Hinblick auf die Duration. Anleihen aus Schwellenländern bleiben aufgrund ihrer attraktiven Renditen und ihrer Stabilität eine unserer zentralen Anlagen und ergänzen qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen in unseren Portfolios. Von den langfristigen Aussichten für Gold bleiben wir aufgrund der Nachfrage seitens Zentralbanken langfristig überzeugt, während der Ausblick für Kupfer aufgrund der steigenden Nachfrage und des begrenzten Angebots noch positiver als zuvor erscheint.“ (AllianzGI)

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