London – Die britische Notenbank hat ihren Leitzins wie erwartet angehoben. Er steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 4,00 Prozent, teilte die Bank of England am Donnerstag nach ihrer geldpolitischen Sitzung in London mit. Bankvolkswirte hatten diese Entscheidung im Schnitt erwartet. Weitere Zinserhöhungen werden angesichts der Folgen des Iran-Kriegs nicht ausgeschlossen.
Die letzte Zinserhöhung der Bank of England war im August 2023. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Notenbanken, hatte die Bank of England in diesem Jahr den Leitzins noch nicht angetastet, nachdem sie ihn zuletzt im vergangenen Dezember um 0,25 Prozentpunkte gesenkt hatte.
Von den neun Mitgliedern im geldpolitischen Ausschuss stimmten acht für die Zinsentscheidung. Catherine Mann forderte eine Anhebung um 0,50 Prozentpunkte.
Das künftige Vorgehen machte die Notenbank auch vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs abhängig. «Die heutige Erhöhung sollte nicht als die erste in einer unvermeidlich langen Reihe von Erhöhungen angesehen werden», sagte Notenbankchef Andrew Bailey. «Aber solange der Konflikt im Nahen Osten nicht gelöst ist, scheint sie auch nicht die letzte Erhöhung zu sein.» Der Iran-Krieg und die teilweise Schliessung der Strasse von Hormus haben die Energiepreise und damit auch die Gesamtinflation nach oben getrieben.
Die Notenbank prognostiziert, dass die Inflationsrate im zweiten Quartal des nächsten Jahres ein Hoch von 4,9 Prozent erreichen wird. Das Ziel von zwei Prozent dürfte demnach erst im Jahr 2029 wieder erreicht werden. Im September war die Jahresrate auf 3,5 Prozent gestiegen.
«Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die robuste Konjunktur und die Sorge, dass höhere Energiepreise die Inflation länger hochhalten könnten», kommentierte Lucas Brauner, Volkswirt bei der DWS. «Da sich der Preisdruck bislang jedoch kaum auf breiter Front verstärkt und der eher schwache Arbeitsmarkt Zweitrundeneffekte abmildern sollte, lässt sich aus der heutigen Sitzung noch nicht auf den Beginn eines länger anhaltenden Zinserhöhungszyklus schliessen.»
Die Renditen von britischen Staatsanleihen legten nach der Entscheidung etwas zu. Das britische Pfund und der britische Aktienmarkt reagierten kaum. (awp/mc/pg)
