LGT Kommentar: Spätzyklische Vorsicht geboten

Alex Durrer

Von Alex Durrer, Chefökonom LGT Bank. (Foto: LGT)

Vaduz – Eskaliert der amerikanisch chinesische Handelskonflikt? Droht darüber hinaus ein Währungskrieg? Steht der Eurozone mit der  neuen Regierung Italiens (welche an die griechische vor drei  Jahren erinnert) ein heisser Herbst bevor? Stehen wir vor einem Comeback der Inflation? Und steigen die US Zinsen ungebremst  weiter? Die Finanzmärkte sind hin und hergerissen. Bis dato vermochte der latent toxische Themen Cocktail die usse noch nicht zu beenden. Dabei ist weder die geopolitische Risikolandschaft noch die strukturelle Gefahrendimension irrelevant geworden. Es ist damit zu rechnen, dass diese Gemengelage massiv mehr Volatilität provozieren wird – selbst wenn ihr  Markteinfluss im Endeffekt begrenzt bleiben dürfte.  Dies geht aus dem «Investorama» des Liechtenstein Global Trust hervor. 

Ähnlich ambivalent und durchzogen präsentieren sich die Konjunkturaussichten: Der Aufschwung verliert an Fahrt, angesichts der verschiedenen Stimmungsdämpfer wenig erstaunlich. Insgesamt befindet sich die Weltwirtschaft immer noch schön  auf Wachstumskurs, doch ihre synchrone Aufwärtsbewegung hat sie abgelegt. Die US Wirtschaft läuft auf Hochtouren und fungiert als globale Konjunkturlokomotive. Von Trumps Wirtschaftspolitik, die dank Deregulierung und Bürokratie Abbau Investitionen erleichtert und das Steuerklima verbessert hat, profitiert sie derzeit stärker, als ihr die Handelskonflikte zusetzen. Eine Spur gravierender widerspiegeln sich die Sorgen über letztere (zusammen mit EU spezifischen Unwägbarkeiten) in einer leichten Abkühlung der Eurozone. Am meisten Schwachstellen offenbaren sich in den Schwellenländern: So hat sich die Industrieaktivität in China erneut abgeschwächt, während  sich der verarbeitende Sektor etwa in Russland oder Südkorea bereits auf Schrumpfkurs befindet.

Inflation kehrt zurück
Was auch zum spätzyklischen Befund gehört: Langsam, aber sicher kehrt die Inflation zurück, nicht nur in den USA, auch in der Eurozone hat sie bereits das Zielniveau der Zentralbanken überschritten. Noch will niemand so richtig an ein Wieder­aufleben der Inflation glauben. So verharren die strukturell  längerfristigen Inflationserwartungen immer noch in ihrem Seitwärtstrend, weil der unterschwellige Deflationsdruck der öffentlichen Schuldenberge das von den monetären Bedingungen geschaffene Inflationspotential neutralisiert. In unserem Hauptszenario verliert der Aufschwung an Fahrt, und die Gefahr eskalierender Handelskonflikte birgt stagflationäre  Tendenzen. Das Bilderbuch Regime der «besten aller Welten» ist leider vorbei. Entsprechend ist etwas spätzyklische Vorsicht geboten, weshalb wir u.a. eine weniger sportliche taktische Positionierung mit neutraler Aktiengewichtung empfehlen. (LGT/mc/cs)

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