SGKB Investment views: Die Fed bestimmt das finanzielle Umfeld weltweit

Thomas Stucki

Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Die Fed hat letzte Woche bestätigt, dass sie auf absehbare Zeit ihre Leitzinsen nicht mehr verändern will. Sie hat damit den Forderungen von Präsident Trump nach tieferen Zinsen eine Absage erteilt. Auf der anderen Seite ist sie auch nicht gewillt, die Zinsen – trotz einer Arbeitslosenrate von 3.6% – von aktuell 2.375% in den konjunkturneutralen Bereich anzuheben, welcher im Bereich von knapp 3% anzusiedeln ist. Aus amerikanischer Sicht macht das Vorgehen der Fed angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Risiken Sinn. Für die weltweiten Finanzmärkte bedeutet das aber, dass der Leithammel seine Richtung geändert hat.

Als Jerome Powell Ende Januar angekündigt hatte, dass die Fed dieses Jahr die Zinsen nicht mehr erhöhen wird, hat sich die Zinslandschafft weltweit auf einen Schlag verändert. Die EZB hat reagiert und ihrerseits Zinserhöhungen in diesem Jahr eine Absage erteilt. Das kam angesichts der deutlichen Abschwächung der Konjunktur in der Eurozone nicht überraschend. Wenn die Fed ihre Zinsen jedoch weiter erhöht hätte, hätte dies die Kapitalmarktzinsen in der Eurozone im Schlepptau der US-Obligationenrenditen nach oben gezogen. Die Zinskurve wäre steiler geworden, was den Druck auf die EZB erhöht hätte, nicht zu lange mit der Anhebung der Geldmarktzinsen zuzuwarten. Nun hat sich die Zinskurve in der Eurozone wieder verflacht und die EZB kann warten, ohne die Erwartungen der Finanzmärkte zu enttäuschen und das Vertrauen in den Euro zu belasten.

Die Fed und der Rest der Welt
Dass die EZB Zinserhöhungen auf die lange Bank geschoben hat, beeinflusst wiederum die Zinspolitik der Nationalbank. Wenn die negative Zinsdifferenz zwischen dem Franken und dem Euro beibehalten werden soll, muss die SNB weiter warten. Aufgrund der Preise in den CHF-Libor-Futures wird die erste Zinserhöhung der SNB nun frühestens im Sommer 2021, also in zwei Jahren, erwartet. In der Folge ist auch in der Schweiz die Zinskurve flacher geworden. Bis zu einer Laufzeit von neun Jahren werden wieder negative Renditen in Kauf genommen. Die Zinspause der Fed hat damit indirekt dazu geführt, dass sich die Verzerrungen in der Schweizer Wirtschaft durch die Negativzinsen weiter ausbreiten.

Das Ende der Zinserhöhungen der Fed hat auch den Druck auf die Emerging Markets gestoppt. Höhere Dollar-Zinsen führen zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern und bringen deren Währungen unter Druck. Währungsabwertungen belasten über höhere Importpreise die Bevölkerung und gefährden die oft stark in Fremdwährungen verschuldeten lokalen Banken und Unternehmen. Verschiedene Emerging Markets hatten im letzten Jahr mit diesem Problem zu kämpfen. Steigen die Zinsen in den Industrieländern nicht mehr, fliesst auf der Suche nach mehr Rendite neues Kapital in die Emerging Markets und entlastet sie. Nötige Reformen können wieder in der Schublade versenkt werden.

Die Fed und die Aktienmärkte
Zuletzt beeinflusst die Fed mit ihrer Zinspolitik auch die weltweiten Aktienmärkte. Die Aussicht auf anhaltend billiges Geld hat die Anleger die Sorgen um die Konjunktur vergessen lassen. Aktien werden im Vergleich zu Obligationen wieder als attraktiv beurteilt, auch wenn die Gewinnaussichten der Unternehmen durch die schwächere Wirtschaftsentwicklung eingetrübt sind. Viele Aktienindizes sind dadurch auf neue historische Höchststände gestiegen.

Die exzessive Geldpolitik der Zentralbanken nach der Finanzkrise hat die Weltwirtschaft wieder auf einen guten Pfad gebracht. Sie hat aber auch zu Verzerrungen auf den Finanzmärkten geführt. Die Normalisierung des monetären Umfelds führt zu schmerzhaften Korrekturen dieser Verzerrungen, wie wir im letzten Jahr erfahren mussten. Dennoch ist sie unumgänglich. Der Impuls dazu muss vom Leithammel, der Fed, kommen. Deshalb ist es schade, dass Jerome Powell diesen Prozess gestoppt hat, auch wenn seine Entscheidung aus lokaler Sicht nachvollziehbar ist. (SGKB/mc/ps)

St. Galler Kantonalbank

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