Bern – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins ein weiteres Mal bei null Prozent. Bei der Inflation erwartet sie nur minimal höhere Werte.
Konkret werden nun für 2026, 2027 und 2028 Teuerungsraten zwischen 0,7 und 0,8 Prozent erwartet. Bislang hatten die Prognosen auf 0,6 bis 0,7 Prozent gelautet. Der mittelfristige Inflationsdruck habe gegenüber der letzten Lagebeurteilung nur leicht zugenommen, betonten die Währungshüter anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag.
Für die Schweizer Wirtschaft prognostiziert die SNB für das laufende Jahr zudem neu ein Wachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent nach bislang rund 1 Prozent. Für 2027 werden weiterhin rund 1,5 Prozent vorhergesagt.
Die SNB ist zudem nach wie vor bereit, «bei Bedarf» am Devisenmarkt aktiv zu sein. Die Wortwahl wurde aber erneut leicht angepasst. Im Juni war noch von einer «bei Bedarf erhöhten Bereitschaft» die Rede gewesen.
Die erneute Zinspause der SNB kommt nicht überraschend. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Ökonominnen und Ökonomen hatten diesen Entscheid im Vorfeld unisono so erwartet, auch wenn andere grosse Notenbanken in den letzten Wochen die Zinsen angehoben hatten.
SNB sieht Frankenabwertung im Einklang mit Zinsentwicklung
Der Schweizer Franken hat seit der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) deutlich an Wert verloren. Auf handelsgewichteter Basis habe sich die Landeswährung seit Juni um rund 3 Prozent abgeschwächt, sagte SNB-Präsident Martin Schlegel gemäss Redetext zum Zinsentscheid am Donnerstag.
Die Abwertung steht laut Schlegel im Einklang mit den grösser gewordenen Zinsunterschieden zwischen der Schweiz und den grossen Währungsräumen. Zwar seien auch die längerfristigen Zinsen in der Schweiz etwas gestiegen, allerdings weniger stark als etwa im Ausland. Dadurch wurde der Franken für Anleger relativ weniger attraktiv.
Der schwächere Franken hinterlässt auch bei der Inflation Spuren. Die SNB hat ihre mittelfristige Inflationsprognose gegenüber Juni leicht angehoben. Dies sei unter anderem auf die Abschwächung des Frankens zurückzuführen. Ein schwächerer Franken verteuert tendenziell importierte Waren und Dienstleistungen.
Gemäss der SNB dürfte die Inflation im vierten Quartal 2026 noch etwas ansteigen, bevor sie im Verlauf des Jahres 2027 wieder zurückgehe. Sie erwarten den Rückgang, weil die aktuell deutlich erhöhte Teuerung bei der Energie in den kommenden Quartalen wieder sinken dürfte. «Danach steigt die bedingte Inflationsprognose leicht an», sagte Schlegel.
Für die Schweizer Wirtschaft wirkt die Frankenabwertung laut SNB gleichzeitig stützend. Sie erleichtert insbesondere exportorientierten Unternehmen das Geschäft im Ausland.
Die weitere Wechselkursentwicklung bleibt für die SNB allerdings ein Unsicherheitsfaktor. Bei Bedarf sei die Nationalbank weiterhin bereit, am Devisenmarkt einzugreifen, bekräftigte Schlegel. (awp/mc/pg)
