Treffen von Donald Trump und Xi Jinping: Marktkommentar von Aberdeen Investments

Robert Gilhooly

Robert Gilhooly, Senior Emerging Markets Economist bei Aberdeen Investments. (Foto: zvg/mc)

Der Besuch von Präsident Donald Trump in Peking bietet die Möglichkeit, die Beziehungen zwischen den USA und China neu auszurichten. Grössere konkrete Fortschritte dürften jedoch eher begrenzt bleiben.

von Robert Gilhooly, Senior Emerging Markets Economist bei Aberdeen Investments

Chinas Kontrolle über kritische Mineralien verschafft dem Land weiterhin eine starke Verhandlungsposition. Das dürfte helfen, die derzeit fragile Entspannung aufrechtzuerhalten. Wer allerdings auf deutliche Zollsenkungen, mehr Klarheit in den Handelsbeziehungen oder gar eine gemeinsame Erklärung zum Nahostkonflikt hofft, könnte enttäuscht werden.

Fentanyl bleibt ein zentraler Treiber der Opioidkrise in den USA und ist für den Grossteil der tödlichen Überdosierungen verantwortlich. Gleichzeitig ist es möglich, dass Präsident Trump gewisse zuvor eingeführte Fentanyl-Zölle zurücknimmt. Dies könnte einerseits zur Entspannung zwischen den USA und China beitragen, andererseits auch damit zusammenhängen, dass China die Kontrollen von Vorläuferstoffen verschärft hat. Zudem stehen diese Zölle nach einem Entscheid des US Supreme Court zur IEEPA-Gesetzgebung rechtlich auf unsicherem Fundament.

Dennoch könnte China im Vergleich zu anderen Ländern weiterhin stärker unter Druck geraten. Bestehende US-Gesetze wie Section 232 oder 301 lassen sich gegenüber China einfacher einsetzen, da aus Sicht der USA dort mehr konkrete Streitpunkte bestehen als gegenüber anderen Handelspartnern.

Besonders aufmerksam verfolgt werden dürfte die US-Politik beim Zugang zu fortschrittlichen Technologien.

Während im US-Kongress harte Einschränkungen beim Zugang zu modernen Halbleitern gefordert werden könnten, ist im Rahmen eines pragmatischen Deals auch eine gewisse Lockerung denkbar. Wahrscheinlich sind zudem allgemeine Absichtserklärungen Chinas, mehr US-Produkte zu kaufen – auch wenn konkrete Details offenbleiben dürften.

Der strategische Wettbewerb rund um künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) sowie die Haltung der Trump-Regierung, wonach möglichst wenig Regulierung US-Unternehmen stärkt, sprechen dafür, dass es kaum Fortschritte bei offiziellen gemeinsamen KI-Leitplanken geben wird.

Auch der Konflikt im Nahen Osten dürfte hinter verschlossenen Türen Thema sein. Die USA könnten China dazu bewegen wollen, mehr Druck auf den Iran auszuüben. Eine öffentliche gemeinsame Erklärung mit konkreten Aussagen gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Insgesamt dürften positive Signale beider Seiten an den Märkten zwar als Zeichen gewertet werden, dass der aktuelle Status quo vorerst bestehen bleibt. Langfristig deuten die grundlegenden Entwicklungen jedoch weiterhin darauf hin, dass sich die USA und China strategisch eher auseinanderbewegen. (Aberdeen/mc)

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