München – Handelskriege und zunehmender Protektionismus dürften nach Einschätzung von Experten das Wachstum der deutschen Industrieexporte deutlich reduzieren. Bis 2035 sei nur noch mit einem Wachstum der Ausfuhren um 1,3 Prozent pro Jahr zu rechnen, so die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in einer neuen Studie. In den vergangenen zehn Jahren waren es den Angaben zufolge noch 2,1 Prozent gewesen.
Grund für die Abkühlung ist der Studie zufolge vor allem der Wegfall der bisherigen Wachstumstreiber China und USA. Statt Zuwächsen rechnen die Experten in beiden Ländern nun mit Rückgängen: Die deutschen Ausfuhren in die USA dürften demnach im Schnitt um 1,5 Prozent pro Jahr schrumpfen, Exporte nach China sogar um 1,7 Prozent.
Immerhin: Mit Blick auf die USA fällt der Einbruch damit nicht mehr ganz so dramatisch aus, wie noch vor einem Jahr befürchtet. Im März 2025 hatte Deloitte in einer damaligen Studie noch mit jährlich 3,2 Prozent Schwund im US-Geschäft gerechnet.
Frankreich überholt China
Deutliche Zuwächse erwarten die Experten dagegen im Handel innerhalb Europas. Frankreich habe China bereits 2025 als zweitwichtigsten Handelspartner Deutschlands überholt. «Es ist damit zu rechnen, dass auch die Industrieexporte in die Niederlande und Grossbritannien die Ausfuhren in die Volksrepublik in wenigen Jahren übersteigen», sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei Deloitte.
Auch das Geschäft mit Polen sehen die Experten anwachsen: Im Schnitt werde es um fast 3 Prozent pro Jahr wachsen und 2035 dann ebenfalls China als Absatzmarkt überholen. Noch grösseres Potenzial sehen die Experten in Ländern wie Indien, Brasilien und Australien. Im Schnitt rechnen sie dort mit Wachstumsraten von 3,9 bis 4,7 Prozent pro Jahr.
Handelsabkommen helfen
Deutschland und die EU seien daher gut beraten, entsprechende Handelsabkommen zu schliessen. «Als Industrienation braucht Deutschland ein neues Geschäftsmodell», sagt Bendig. Jüngste Abschlüsse wie die mit Indien und dem Mercosur seien hier Grund zur Hoffnung.
Doch, so ergänzt Jürgen Sandau, Partner und Lieferkettenexperte bei Deloitte: «Hoffnung allein reicht nicht.» Die Unternehmen müssten die neuen Möglichkeiten nun auch nutzen und ihre Absatzmärkte breiter aufstellen. «Und Europa muss seine Handelshemmnisse im Binnenmarkt weiter abbauen.» Dann könnten die Zuwächse in Europa sogar noch grösser ausfallen. (awp/mc/pg)
