Abouzar Rahmani, Gründer und CEO FoodYoung Labs, im Interview

Abouzar Rahmani

Abouzar Rahmani, CEO von FoodYoung Labs sowie Gründer von ZHAR. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Rahmani, FoodYoung Labs bezeichnet sich als innovationsgetriebenes Unternehmen an der Schnittstelle von Food, Design, Produktion und Clean-Label-Entwicklung. Was ist der wichtigste Teil Ihres Geschäftsmodells – Produktentwicklung für Dritte, Eigenmarken oder Beteiligungen an Food-Startups?

Abouzar Rahmani: Es handelt sich um drei sich ergänzende Säulen desselben Ökosystems. Wir unterstützen etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung besserer Lebensmittelprodukte, wir bauen unsere eigenen Verbrauchermarken auf und skalieren diese, und wir investieren selektiv in Technologien und Unternehmen, die das Potenzial haben, die Zukunft der Lebensmittelbranche zu gestalten. Im Mittelpunkt unseres Handelns steht die Innovation. Ganz gleich, ob wir ein Produkt für ein multinationales Unternehmen entwickeln, eine unserer eigenen Marken aufbauen oder eine Partnerschaft mit einem aufstrebenden Lebensmitteltechnologieunternehmen eingehen – unser Ziel ist immer dasselbe: gesündere, reinere und besser konzipierte Lebensmittel schneller auf den Markt zu bringen.

Welche Kunden beauftragen FoodYoung typischerweise – etablierte Lebensmittelhersteller, Detailhändler oder Startups?

Wir decken das gesamte Spektrum ab. Zu unseren Kunden zählen multinationale Lebensmittelkonzerne, Einzelhändler, Gastronomieketten, Scaleups und Startups in der Frühphase. Zunehmend arbeiten wir auch mit Unternehmen ausserhalb der traditionellen Lebensmittelbranche zusammen, die Lebensmittel als wichtigen Bestandteil ihres Kundenerlebnisses betrachten. Was sie alle gemeinsam haben, ist der Wunsch, Innovationen schneller voranzutreiben und dabei höchste Qualitätsstandards einzuhalten.

«Zu unseren Kunden zählen multinationale Lebensmittelkonzerne, Einzelhändler, Gastronomieketten, Scaleups und Startups in der Frühphase.»
Abouzar Rahmani, Gründer und CEO FoodYoung Labs

Was unterscheidet FoodYoung von klassischen Lebensmittelherstellern und Produktentwicklern?

Traditionelle Hersteller produzieren in der Regel bestehende Produkte effizienter. Wir setzen viel früher in der Wertschöpfungskette an. FoodYoung vereint Lebensmittelwissenschaft, Verbrauchererkenntnisse, Industriedesign, Markenbildung, Fertigungskompetenz und Geschäftsstrategie unter einem Dach. Wir denken nicht nur darüber nach, wie ein Produkt schmeckt, sondern auch, warum es existieren sollte, für wen es bestimmt ist, wie es hergestellt wird, wie es skaliert werden kann und wie es sich auf dem Markt von anderen abhebt. Unsere “Clean-Label”-Philosophie ist ein weiteres charakteristisches Merkmal. Wir hinterfragen kontinuierlich herkömmliche Rezepturen und suchen nach einfacheren, transparenteren Lösungen bei den Zutaten, ohne dabei Abstriche beim Geschmack oder der Funktionalität zu machen.

Welche Trends treiben derzeit die Nachfrage am stärksten: Proteinprodukte, pflanzenbasierte Ernährung, funktionelle Lebensmittel oder andere Bereiche?

Protein bleibt einer der stärksten langfristigen Trends, doch die Verbraucher werden immer wählerischer. Sie akzeptieren Produkte nicht mehr einfach nur deshalb, weil sie proteinreich sind – sie erwarten hervorragenden Geschmack, reine Zutaten und eine kurze Zutatenliste. Wir beobachten zudem ein starkes Wachstum in den Bereichen funktionelle Ernährung, gesündere Genussprodukte, natürliche Süssungslösungen, nachhaltige Zutaten und Produkte, die Convenience mit Nährwert verbinden. Letztendlich beurteilen Verbraucher Produkte zunehmend danach, was sie enthalten, und nicht nach den Angaben auf der Verpackung.

Wie viele Produkte bringt FoodYoung pro Jahr auf den Markt, und wie viele davon werden langfristig erfolgreich?

Jedes Jahr entwickeln wir mehrere hundert Konzepte in verschiedenen Kategorien. Ein Grossteil davon geht in die kommerzielle Produktion, während andere als vertrauliche Entwicklungen für unsere Kunden verbleiben. Erfolg lässt sich nicht allein an der Anzahl der Markteinführungen messen. Wir konzentrieren uns darauf, Produkte zu entwickeln, die eine dauerhafte Kundenbindung schaffen und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum generieren, statt nur kurzlebige Trends zu setzen.

«Wir konzentrieren uns darauf, Produkte zu entwickeln, die eine dauerhafte Kundenbindung schaffen und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum generieren, statt nur kurzlebige Trends zu setzen.»

Welche Innovationen im Lebensmittelbereich werden Ihrer Ansicht nach in den nächsten fünf Jahren den grössten Einfluss haben?

Ich glaube, dass die grössten Veränderungen aus dem Zusammenspiel von Biotechnologie, Präzisionsfermentation, künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Fertigung resultieren werden. Künstliche Intelligenz wird die Produktentwicklung drastisch beschleunigen, während die Biotechnologie völlig neue Inhaltsstoffe mit verbesserten ernährungsphysiologischen und ökologischen Eigenschaften ermöglichen wird. Gleichzeitig glaube ich, dass die Verbraucher weiterhin mehr Transparenz fordern werden. Die Unternehmen, die erfolgreich sein werden, sind diejenigen, die technologische Innovation mit Authentizität und Vertrauen verbinden.

Sie stammen aus einer Unternehmerfamilie mit einer langen Tradition im Lebensmittelbereich. Wie stark prägt dieses Erbe heute Ihre Arbeit – und wo mussten Sie bewusst mit traditionellen Denkweisen brechen, um FoodYoung aufzubauen?

Da ich in einer Familie aufgewachsen bin, die seit Generationen in der Lebensmittelbranche tätig ist, habe ich gelernt, dass Qualität und langfristige Beziehungen immer von entscheidender Bedeutung sind. Ich habe jedoch einen anderen Weg eingeschlagen, indem ich Innovation zur Grundlage des Unternehmens gemacht habe. Anstatt lediglich Produkte herzustellen, haben wir ein Unternehmen geschaffen, das neue Ideen, neue Technologien und neue Geschäftsmodelle entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass der Respekt vor der Tradition nicht bedeutet, die Vergangenheit unverändert zu bewahren, sondern darauf aufzubauen, um etwas zu schaffen, das für die Zukunft relevant ist.

«Anstatt lediglich Produkte herzustellen, haben wir ein Unternehmen geschaffen, das neue Ideen, neue Technologien und neue Geschäftsmodelle entwickelt.»

CimaNorma ist eine traditionsreiche Marke mit Wurzeln im Tessin. Welche Rolle spielt sie heute innerhalb des FoodYoung-Ökosystems?

CimaNorma verkörpert unsere langfristige Vision, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden. Damit zeigen wir, wie historische Marken durch zeitgemässe Produktentwicklung, Clean-Label-Prinzipien, Design und internationale Positionierung neu belebt werden können, während sie gleichzeitig ihren Ursprüngen treu bleiben. Für uns ist CimaNorma nicht einfach nur eine Schokoladenmarke, es ist ein Kulturprojekt.

Wie ergänzen sich die traditionelle Markenwelt von CimaNorma und der technologiegetriebene Ansatz von FoodYoung?

Sie ergänzen sich auf ganz natürliche Weise. CimaNorma steht für Authentizität, Tradition und Handwerkskunst, während FoodYoung wissenschaftliche Expertise, Produktinnovation, moderne Fertigungsverfahren und internationale Marktkenntnisse einbringt. Gemeinsam schaffen sie etwas, das keiner der beiden Partner allein erreichen könnte: Produkte, die in der Schweizer Tradition verwurzelt sind und gleichzeitig den Erwartungen der heutigen Verbraucher gerecht werden.

2018 wurde CimaNorma durch Sie und FoodYoung Labs wiederbelebt. Nun steht die nächste Etappe an. Welche Pläne verfolgen Sie?

Die Wiederbelebung der Marke war erst der Anfang. Die nächste Phase umfasst die Restaurierung und Wiedereröffnung der historischen Fabbrica CimaNorma, die Einführung unserer Heritage-Kollektion, die Einführung eines zeitgemässen Schokoladensortiments und die internationale Expansion durch sorgfältig ausgewählte Partnerschaften. Über die Schokolade hinaus schaffen wir einen Ort, der Gastronomie, Kultur, Bildung, Gastfreundschaft und Innovation vereint.

Wie sehen hier die Pläne aus – und in welchem Zeitrahmen wollen Sie diese umsetzen?

Die Wiedereröffnung der Fabbrica ist einer unserer wichtigsten Meilensteine. Der Standort wird wieder zu einem Ort, an dem Schokolade hergestellt wird, aber auch zu einem Ort, an dem Besucher das Schweizer Schokoladenerbe durch Produktion, Ausstellungen, Bildungsangebote, Gastronomie und kulturelle Aktivitäten erleben können. Die ersten Produktionsaktivitäten sollen schrittweise anlaufen, gefolgt von der Eröffnung der Besucherangebote im Zuge des Fortschritts der Restaurierungsarbeiten. Unsere langfristige Vision ist es, CimaNorma als eines der einzigartigsten Schokoladen-Reiseziele der Schweiz zu etablieren.

Sie wollen eine Heritage Collection lancieren, ebenso eine zeitgenössische Produktelinie. Wie werden sich diese Kollektionen präsentieren?

Die Heritage-Kollektion lässt sich von den historischen Archiven von CimaNorma inspirieren und interpretiert Originalrezepte, Verpackungen und Designsprache aus moderner Perspektive neu. Daneben erkundet die zeitgenössische Kollektion neue Schokoladenerlebnisse, reinere Rezepturen und innovative Formate, die speziell auf die Bedürfnisse der heutigen Verbraucher zugeschnitten sind. Gemeinsam zeigen sie, dass Tradition und Innovation sich ergänzen und keineswegs im Widerspruch zueinander stehen.

Sie sind mit CimaNorma eine Zusammenarbeit mit Urth Caffè in Los Angeles eingegangen. Inwieweit wollen Sie die Marke internationalisieren?

Die Zusammenarbeit mit Urth Caffè zeigt, dass Schweizer Schokolade auf zeitgemässe Weise interpretiert werden kann, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren. Unser Ziel ist keine schnelle globale Expansion um der Expansion willen. Wir bevorzugen sorgfältig ausgewählte Kooperationen mit Partnern, die unsere Werte in Bezug auf Qualität, Design und Nachhaltigkeit teilen. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz langfristig zu stärkeren Marken führt.

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