10-Millionen Schweiz: Marschhalt oder «weiter so»?

10-Millionen-Schweiz

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Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» sorgt für intensive Diskussionen bei Gegnern und Befürwortern. Ende 2025 lebten rund 9,1 Millionen Personen in der Schweiz. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 ist die Bevölkerung um rund 1,7 Millionen Personen (plus 25 Prozent) gewachsen. Das ist hauptsächlich auf die Zuwanderung zurückzuführen. Die Frage, welche sich die Abstimmenden stellen müssen: Wollen sie dieses Wachstum durch Zuwanderung weiterhin, oder soll das Wachstum gebremst werden?

Von Helmuth Fuchs

Die Ausgangslage

Die europäischen Länder mit der in absoluten Zahlen höchsten Zuwanderung in den letzten 25 Jahren sind Russland (vor allem Zuwanderung aus postsowjetischen Staaten), Deutschland (Hauptzielland von Migration in Europa, mit jährlich teils über 1,5 Mio. Nettozuwanderung (gesamte Zuwanderung minus Rückwanderung)) und Grossbritannien. Die Länder mit dem höchstem relativen Wachstum durch Migration sind Luxemburg, die Schweiz, Malta, Zypern und Irland. Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz wuchs in den letzten 25 Jahren um 25%. Rund zwei Drittel dieses Wachstums gehen laut offizieller Statistiken auf Zuwanderung aus EU- und EFTA-Staaten zurück. Die Schweiz wächst 16 Mal schneller als Deutschland. Offizielle Szenarien des Bundesamts für Statistik rechnen bis 2040 mit einem weiteren Wachstum auf über 10 Millionen, hauptsächlich getrieben durch Zuwanderung.

Grossteil der Infrastruktur hält mit dem Wachstum nicht mit

Ein wichtiger Grund, weshalb die SVP-Initiative, trotz fehlender konkreter Lösungsvorschläge, relative hohe Zustimmungswerte erhält (SRG-Umfrage von gfs.bern 47 Prozent Ja, gleich viele Nein; Tamedia-Umfrage von Leewas 52 Prozent Ja, 46 Prozent Nein) sind eine wahrgenommene Überlastung der Infrastruktur durch die hohe Zuwanderung. Gepaart sind diese mit grundsätzlichen Fragen zum Wert eines vor allem durch die Wirtschaft forcierten quantitativen Wachstums, Fragen zur Lebensqualität und zur Identität.

Seit 2000 ist die Bevölkerung der Schweiz signifikant schneller gewachsen als viele zentrale Infrastrukturbereiche, wobei es je nach Sektor deutliche Unterschiede gibt. Insgesamt sprechen Bund, Städte und Fachverbände von zunehmenden Engpässen bei Wohnraum, Verkehr, Schulen und teilweise der Gesundheitsversorgung, während Grundversorgungen wie Wasser und Strom bisher relativ zuverlässig mitgewachsen sind. Die Wohnbautätigkeit hat seit 2000 zwar stark zugenommen, aber in vielen Agglomerationen ist sie hinter der Nachfrage zurückgeblieben, vor allem im unteren und mittleren Preissegment. Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen bei der Zuwanderung, Haushaltsverkleinerungen, fehlender Verdichtungspolitik, zu langen Bewilligungsverfahren oder der Fülle von Einsprachen.

Brennfeld AHV, Pflege und Gesundheitsversorgung

In allen europäischen Länder und praktisch allen hoch entwickelten Industrie- und Dienstleistungsländern sinken die Geburtenraten typischerweise mit steigendem Wohlstand und Bildungsniveau und liegen heute fast überall klar unter dem „Bestandserhaltungsniveau“ von etwa 2,1 Kindern pro Frau. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der älter werdenden Menschen in diesen Nationen dank besserer medizinischer Versorgung und medizinischem Fortschritts, besserer Ernährung und besseren Arbeitsbedingungen zu. Also eigentlich positive Entwicklungen, für welche Generationen von Menschen gekämpft haben.

Wenn alle entwickelten Länder dasselbe demografische Problem haben, kann die gegenseitige Zuwanderung keine nachhaltige Lösung sein, ohne dass dabei sich die Probleme der Ursprungsländer verschärfen. In deutschen Grenzspitälern zum Beispiel ist die Sterblichkeit wegen des Pflegepersonalmangels durch Abwanderung u.a. in die Schweiz, um 4,4 Prozent gestiegen. Eine aktuelle Lancet‑Analyse prognostiziert, dass bis 2050 über drei Viertel der Länder bei den Geburten unter die Bestandserhaltungsrate fallen. Migration kann wie ein „Dämpfer“ der Alterung wirken, aber sie dreht den grundlegenden Trend aus niedriger Fertilität und höherer Lebenserwartung nicht um. Zudem kann sie auch keine Lösung sein, weil die Zugewanderten ebenfalls älter werden, von Tag eins an zusätzliche Infrastrukturleistungen, Wohnungen, Spitalplätze, Pflege etc. benötigen, welche dann wiederum primär Zuwandernde erbringen sollten.

Besonders im Fokus für die Abstimmung standen das Thema Pflege und Gesundheitsversorgung. Die Zuwanderung von ausländischen Pflegefachkräften bewegt sich in den letzten Jahren jährlich zwischen 600-800 Personen. Pro Jahr beginnen in der Schweiz rund 4’400 bis über 5’000 Personen eine Lehre in einem primären Pflegeberuf (Sekundarstufe II). Rechnet man die Ausbildungen auf Tertiärstufe (Höhere Fachschulen und Fachhochschulen) hinzu, liegt die Gesamtzahl aller Neueinsteiger bei rund 8’000 bis 9’000 Personen jährlich. Trotzdem kommt rund ein Drittel der Pflegenden aus dem Ausland. Die Schweiz weist international eine der höchsten Dichten an Pflegefachpersonen auf und liegt gemessen an praktizierenden Pflegekräften pro 1’000 Einwohner (ca. 17 bis 19) auf den vordersten Rängen der OECD. Im Vergleich zu Deutschland (ca. 13 Patienten) ist zudem der Pflegeschlüssel in der Schweiz deutlich besser (ca. 8 Patienten pro Pflegekraft).

Insgesamt steigen jedoch über 40 Prozent aller ausgebildeten Pflegenden vor Erreichung des Pensionsalters aus. Ein Drittel dieser Aussteiger ist sogar jünger als 35 Jahre. Das heisst, dass die Schweiz die Situation in der Pflege selbst lösen könnte, wenn sie es schaffen würde, weiterhin genügend Pflegende auszubilden und diese im Beruf zu halten.

Nicht für die Schweizer Bevölkerung, für die Zuwanderer müssen wir ausbauen

Die meisten von den Problemen, welche die SVP-Initiative genannt werden, sind nicht einfach die Folgen der Zuwanderung, sondern haben, wie die meisten komplexen Probleme, mehrfache Ursachen und Verstärker. Der zusätzliche Ausbau, im Gegensatz zur Erneuerung der bestehenden Infrastrukturen, muss jedoch vor allem wegen der Zuwanderung getätigt werden.

Das Wachstum der aktuellen Bevölkerung auf 9.15 Millionen Menschen (Wachstum 2025 +0.8%) ist, wie schon in den Jahren zuvor, alleine aufgrund der Zuwanderung und der stabilen Geburtenzahl der Ausländerinnen zustande gekommen.

Dies zeigt ein Blick in die Zuwanderungs- und Geburtenstatistik: Die Nettozuwanderung in die ständige ausländische Wohnbevölkerung ging 2025 gegenüber dem Vorjahr um 10,5 Prozent auf 74’675 Personen zurück. Die Mehrheit reiste für eine Erwerbstätigkeit in die Schweiz ein. 73,1 Prozent der neu Zugewanderten stammen aus dem EU/EFTA-Raum.

2025 sind gesamthaft (ohne Berücksichtigung der Abwanderung) 165’386 Personen in die ständige ausländische Wohnbevölkerung zugewandert. Die Zuwanderung aus dem EU/EFTA-Raum, die 73,1 Prozent der Gesamtzuwanderung ausmachte, ist mit 120’965 Personen stabil geblieben (+0,3 %). 25,5 Prozent (42’170 Personen) der Zuwanderung in die ständige ausländische Wohnbevölkerung erfolgte 2025 im Rahmen des Familiennachzugs.

Bei den Geburten sieht es folgendermassen aus:

Ende 2025 lebten in der Schweiz rund 1,81 Millionen Personen ab 65 Jahren bei insgesamt gut 9,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern; das entspricht knapp 20 Prozent der Bevölkerung. Von den 2’414’408 Personen der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung sind 1’787’835 zwischen 18 – 65 Jahre alt und nur 215’994 (knapp 9 Prozent) über 65 Jahre alt. Das heisst, die Zuwanderung ermöglicht aktuell das Wachstum der Wirtschaft, stützt die Finanzierung der Renten und das Leben im Alter. Sie stellt aber auch eine tickende Zeitbombe dar, da die Zugewanderten ebenfalls in absehbarer Zeit in Rente gehen und vermehrt Pflege benötigen.

Lösungsansätze und unbequeme Wahrheiten

Die unbequemste Wahrheit ist, dass wir mit einer hohen Zuwanderung eine Lösung zahlreicher Probleme verschieben und eine vorausschauende Anpassung an die demografischen Gegebenheiten verhindern. Auch die heute vor allem im arbeitsfähigen Alter befindlichen Ausländer kommen ins Pflegealter und werden Pensionsgelder beziehen. Da die Wirtschaft und viele Dienstleister von den günstigeren und jüngeren Zuwanderern profitieren, ist es einfacher, passgenaue Fähigkeiten aus dem Ausland zu holen, statt diese selbst auszubilden und ältere Mitarbeitende durch Weiterbildungen und Umschulungen zu befähigen. Aus diesem Grunde sind diese fast geschlossen gegen die Initiative. Ebenso wie Parteien, welche sich durch die Zuwanderung, in Kombination mit einer möglichst einfachen und automatisierten Einbürgerung, zukünftige Wähler und eine Verbreiterung der eigenen Basis erhoffen.

Neue Modelle

Die vorhandenen Modelle für die Vorsorge, Pflege, den wirtschaftlichen Wohlstand ignorieren diese Realitäten erstaunlicherweise konsequent und setzen ein immerwährendes Bevölkerungswachstum voraus. Dieses kann aber längerfristig nur aus Ländern kommen, die selbst eine höhere Geburtenrate als die entwickelten Länder haben. Dies sind aktuell vorwiegend afrikanische Staaten. Das würde aber innerhalb mindestens einer Generation vor allem zu einem rein quantitativen Wachstum, nicht zu dem in den entwickelten Staaten benötigten qualitativen Wachstum führen. Von den Hochschulen und Denkfabriken müssen neue Modelle entwickelte werden, welche den Wohlstand auch einer alternden Gesellschaft sichern können. Dies, ohne dass sie Kulturen und gewachsene soziale Gesellschaften einer rein den Wirtschaftsinteressen folgenden massenhaften Zuwanderung opfern.

Besseres Umfeld für Eltern

Leicht höhere Geburtenraten lassen sich durch bessere Betreuungsmöglichkeiten von Kindern und flexibleren Arbeitsbedingungen für die Eltern erzielen. Ebenso hilft ein generell „kinderfreundliches Klima“, also gesellschaftliche Akzeptanz von Kindern und eine geringere finanzielle Belastung durch Kinder für die Eltern. Dies alles bewirkt aber nicht, dass eine Geburtenrate von 2.1 Kindern pro Frau erreicht wird.

Verbesserung in den Pflegeberufen und keine künstliche Verknappung bei den Arztberufen

Wenn über 40% der ausgebildeten Pflegefachkräfte ihren Beruf vor der Pensionierung verlassen, ein Drittel bevor sie 35 Jahre alt sind, haben wir ein massives Problem. Zu tiefe Entlöhnung, unflexible und überfordernde Einsatzpläne, zu viele administrative Aufgaben, zu wenig Arbeit direkt für die Pflegebedürftigen; dies sind nur einige der Gründe für die massive Fluktuation in den Pflegeberufen. Trotz einer klaren Befürwortung der Pflegeinitiative durch die Abstimmenden im Jahre 2021, scheiterte die parlamentarische Umsetzung der zweiten Etappe am Widerstand der bürgerlichen Partien. Die Umsetzung wurde so stark abgeschwächt, dass viele Pflegende und Verbände sie als Nichterfüllung des Volkswillens beurteilen. Hier muss unbedingt nachgebessert werden und die Versprechen der Pflegeinitiative müssen umgesetzt werden.

Bei den Ärzten hat sich die Schweiz aus Kostengründen in eine fatale Abhängigkeit vom Ausland manöveriert, die umgehend beendet werden muss. Laut der FMH-Ärztestatistik 2024 haben 41,3 Prozent der in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ihr Medizinstudium im Ausland abgeschlossen. Das entspricht etwa 17’600 von insgesamt 42’600 praktizierenden Ärzten. Die Schweiz liegt damit weit über dem OECD-Durchschnitt von 19 Prozent. In der Schweiz werden aktuell knapp 1’400 Ärzte pro Jahr ausgebildet, zwischen 1’800 und 2’200 ausländische Ärzte werden zugelassen. Die Zahl der in der Schweiz ausgebildeten Ärzte muss signifikant erhöht werden. Unsinnigen künstliche Hindernisse wir der Numerus Clausus gehören abgeschafft. Im ärztlichen Alltag müssen Verfahren und Abläufe, welche auch von anderem medizinisch ausgebildetem Personal erledigt werden können, diesem überlassen werden (zum Beispiel Geburten an Hebammen, Vorabklärungen und einfachste Behandlungen durch Apotheker und Pflegefachleute). Auch hier wird die Künstliche Intelligenz eine massive Entlastung in der Diagnostik bringen, ebenso wie die Robotik bei operativen Eingriffen.

Längere Lebensarbeitszeiten, angepasste Arbeitsweisen

Es wird unumgänglich sein, dass die Menschen Europas länger arbeiten. Die demografische Entwicklung erlaubt uns inzwischen eine durchschnittliche Pensionszeit von etwa 20 Jahren (Pensionsalter 65 Jahre, Lebenserwartung ca. 85 Jahre, Durchschnitt EU ca. 80-81 Jahre). Bei der Einführung der AHV in der Schweiz (1948) lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt etwa bei 66 Jahren für Männer und 71 Jahren für Frauen, das Pensionierungsalter bei 65 Jahren. Bei Berufen ohne allzu hohe körperliche Belastungen ist es für alle Menschen möglich, über 65 Jahre hinaus zu arbeiten, um so die AHV zu sichern. Viele ältere Menschen schätzen zudem die Möglichkeit, zumindest in einem Teilpensum weiter am Berufsleben teilhaben zu können, da dies auch eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente in ihrem Leben darstellt.

Die Wirtschaft wird sich wieder daran gewöhnen müssen, die vorhandene Bevölkerung auszubilden, in die gewünschten Berufe zu bringen und dort auch über die Grenze von 50 Jahren bis hin zu 70 Jahren interessiert zu halten und sie für angepasste Aufgaben zu befähigen. Nicht alle Aufgaben benötigen höchste Konzentration, schnellste Reaktionen, also Fähigkeiten, die primär den jüngsten Arbeitskräften zugeschrieben werden. Viele Aufgaben benötigen ebenso Erfahrung, überlegtes Handeln, können vorausschauende geplant und ohne Zeitdruck erledigt werden.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Digitalisierung

Die Künstliche Intelligenz hat, im Gegensatz zu früheren industriellen (R)Evolutionen, nicht einfach die am wenigsten erwünschten, monotonsten Arbeitsschritte und Prozesse verbessert oder ersetzt, sondern erledigt ebenso Arbeiten, welche bis anhin von hochqualifizierten und hochbezahlten Spezialistinnen und Spezialisten erledigt wurden: Programmierung, Interpretation von Röntgenbidern und MRI-Scans, Beurteilung und Abfassung von komplexen Gesetzestexten, Analysen und Erstellen von Finanzportfolios etc. Kaum ein Gebiet oder ein Berufsbild, das in absehbarer Zukunft nicht durch Künstliche Intelligenz signifikant verbessert, in Teilen oder ganz ersetzt werden kann. Dies In Kombination mit Robotik (Operationsroboter, Lagerbewirtschaftungs-Roboter), autonomen Systemen (selbstfahrende Fahrzeuge, Taxis, Lastwagen). All diese Entwicklungen bedeuten einen massiven Zugewinn an Effizienz und können die Zuwanderung entlasten, ohne das von der Wirtschaft benötigte Wachstum zu verunmöglichen. Die Frage wird sein, wie diese Produktions- und Effizienzgewinne nicht nur einzelnen Unternehmen zugute kommen, sondern der gesamten Gesellschaft nützen und den Wohlstand aller sichern helfen.

Staat und staatsnahe Betriebe versus Privatwirtschaft

Die Analyse des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) aus dem Jahr 2026 liefert die deutlichsten empirischen Belege für eine Entwicklung von der Privatwirtschaft hin zu staatsnahen oder staatlichen Betrieben. Während die Zuwanderung vor allem in die Privatwirtschaft stattfindet, weichen die Schweizer vermehrt in die staatlichen Betrieb aus. Dies befördert ein überdurchschnittliches Wachstum eines Sektors, der wenig Innovation hervorbringt.


Die Schweiz zeichnet sich durch eine hohe Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit aus, eine gute Position beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz und eine gute Dichte von Startups. Wenn all dies nur noch durch Zuwanderung aufrecht erhalten wird und die Schweizerinnen und Schweizer sich darauf beschränken, den Fortschritt zu verwalten, regulieren und überwachen, kompromittieren wir die Zukunftschancen unserer zukünftigen jungen Bevölkerung auf fahrlässige Weise. Der Staat sollte nicht zum Konkurrenten der Wirtschaft werden, sondern für diese die bestmöglichen Rahmenbedingungen zum Wohle der Gesellschaft schaffen. Das heisst, die Löhne müssen so gestaltet sein, dass sie jene der Wirtschaft nicht übersteigen, der Staat sollte schlank gehalten werden und nicht als bequeme Ausweichvariante zur Privatwirtschaft dienen.

Fazit

Die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» greift mit der Zuwanderung eines der wichtigsten Probleme der Schweiz auf, ohne eine explizite Lösung zu bieten. Man kann dies nicht kritisieren, ohne gleichzeitig das Versagen der anderen Parteien zu bemängeln, das Problem nur schon anzuerkennen. Vorgängige Signale wie die vom Volk 2014 angenommene, aber nicht umgesetzte, respektive nicht umsetzbare, «Masseneinwanderungsinitiative» (MEI) wurden weitgehend ignoriert. Die Schweizer Bevölkerung nimmt offenbar, und wie oben gezeigt, eine reale zunehmende Abhängigkeit von einer hohen Zuwanderung als beunruhigend wahr. Zunehmende Belastung der Infrastrukturen, Abwanderung der Schweizer Arbeitskräfte in staatliche oder staatsnahe Betriebe, keine Antworten ausser «weiter so» auf die demografische Entwicklung, keine alternativen Modelle zu einem wirtschaftlichen Wachstums das ausschliesslich auf ausländischen Arbeitskräften beruht: Die Politik hat sich seit 2014 zu wenig bemüht, hier Antworten zu finden und, in Kompromissen, auch Lösungen umzusetzen. Die Wirtschaft hat die Möglichkeiten der freien Auswahl an ausländischen Arbeitskräften bestmöglichst genutzt, ohne sich um die Kosten zu kümmern, welche damit für die gesamte Gesellschaft entstehen.

Die Initiative erhöht den Druck, in den kommenden Jahren das Modell eines unbeschränkt wachsenden Zuflusses an ausländischen Arbeitskräften und den daraus entstehenden Folgen zu überdenken, und mit einem gebremsten Zufluss politisch umsetzbare Lösungen zu finden. Statt einfach auf mehr Hände, muss vermehrt auf Innovation, Fokussierung auf Qualität statt Quantität gesetzt werden. Die Wirtschaft muss vorhandene Ressourcen wieder besser nutzen, den Menschen müssen attraktive Perspektiven für eine Arbeit über das 1948 definierte Pensionsalter von 65 Jahren hinaus geboten werden. Manchmal ist eine kurze Pause besser, als ein erschöpftes Weiterrennen.


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