Bern – Für die Neutralitätsinitiative zeigt sich rund sieben Wochen vor der eidgenössischen Abstimmung eine klare Ablehnung ab. Bei der Ernährungsinitiative ist der Ausgang noch offen. Das zeigt die erste SRG-Umfrage zur Abstimmung vom 27. September.
Die Initiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität» wäre Anfang August deutlich abgelehnt worden. 54 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, 42 Prozent dafür.
Die Gegnerschaft starte somit mit einem Vorsprung von 12 Prozentpunkten in den Hauptabstimmungskampf, hiess es in der am Freitag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern. Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG durchgeführt. Die Meinungsbildung sei bereits weit fortgeschritten. So hätten fast drei Viertel der Teilnahmewilligen eine feste Stimmabsicht angegeben.
Die deutlichste Unterstützung erfährt die Vorlage bei der Wählerschaft der SVP, wo 86 Prozent zustimmen wollen. Bei den Wählern aller anderen grossen Parteien überwiege das Nein mit Werten zwischen 64 Prozent (FDP) und 86 Prozent (SP). Eine knappe Ja-Mehrheit von 52 Prozent finde sich bei den Partei-Ungebundenen. Auch Personen, die der Regierung misstrauen, befürworten die Initiative mit fast 60 Prozent mehrheitlich, wie es weiter hiess.
Stadt-Land-Graben
Regionale Unterschiede seien ebenfalls erkennbar. In der italienischsprachigen Schweiz bestehe eine Ja-Mehrheit von 55 Prozent, während in der Deutschschweiz 57 Prozent und in der Romandie 49 Prozent die Vorlage ablehnten. Städtische Gebiete lehnten die Initiative zu 59 Prozent ab, ländliche Gemeinden befürworteten sie knapp mit 51 Prozent.
Personen mit tiefer Schulbildung unterstützen die Initiative laut Umfrage mit 59 Prozent. Stimmberechtigte mit akademischem Bildungshintergrund lehnten sie zu 58 Prozent ab; bei mittlerer Bildung seien die Verhältnisse mit 50 Prozent Ja zu 46 Prozent Nein fast ausgeglichen. Nach Alter bestünden in allen Gruppen Nein-Mehrheiten, am deutlichsten bei den über 65-Jährigen mit 60 Prozent.
Offenes Rennen bei der Ernährungsinitiative
Bei der Initiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser» (Ernährungsinitiative) präsentierte sich die Ausgangslage zum Umfragezeitpunkt als Pattsituation. Die Initiative verlangt unter anderem einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent.
49 Prozent der Stimmwilligen hätten Anfang August dagegen gestimmt, 47 Prozent dafür. Der Anteil der Unentschlossenen sei mit vier Prozent gering. Die Meinungsbildung sei mit 60 Prozent gefestigten Absichten weniger fortgeschritten als bei der Neutralitätsinitiative.
Die parteipolitische Trennlinie verlaufe klar zwischen links und rechts. Bei den Sympathisierenden der Grünen (84 Prozent Ja) und der SP (64 Prozent Ja) ist die Zustimmung hoch. Auch bei der GLP-Anhängerschaft finde die Vorlage mit 55 Prozent eine Mehrheit, obwohl die Parteileitungen von SP und GLP die Initiative ablehnen. Die Wählerschaften von Mitte, SVP und FDP seien mehrheitlich dagegen.
In ländlichen Gebieten falle die Zustimmung mit 40 Prozent am tiefsten aus. Deutliche Unterschiede zeigten sich auch bei den soziodemografischen Merkmalen. Frauen würden mit 55 Prozent Ja stimmen. Bei jüngeren Stimmberechtigten zwischen 18 und 39 Jahren zeige sich eine Zustimmung von 54 Prozent. Sie seien dem Anliegen zugeneigter als Männer (39 Prozent Ja) und ältere Generationen. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz gebe es mit 57 beziehungsweise 53 Prozent Ja-Mehrheiten.
Zuspruch bei tiefen Einkommen
Auffällig sei die Zustimmung nach Haushaltseinkommen. So finde die Ernährungsinitiative bei Stimmberechtigten mit tieferem Einkommen besonders viel Unterstützung. Demnach sind je 57 Prozent der Personen mit einem Haushaltseinkommen unter 3000 Franken oder zwischen 3000 und 5000 Franken bestimmt oder eher dafür. Nach Schulbildung zeige sich dagegen kein klares Muster.
Die für den Abstimmungssonntag erwartete Stimmbeteiligung liegt mit 44 Prozent aktuell unter dem langjährigen Durchschnitt von 47,4 Prozent. Die Mobilisierung sei in dieser frühen Phase des Abstimmungskampfes noch nicht sehr breit. Von den Parteianhängerschaften sind jene der SVP und der GLP bisher am wenigsten mobilisiert.
Die Umfrage wurde zwischen dem 3. und 16. August bei über 17’000 Stimmberechtigten durchgeführt. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2,8 Prozentpunkte. (awp/mc/pg)
